Eine Untersuchung des Madrider Forschungsinstituts IMDEA Networks legt offen, dass sechs von neun untersuchten KI-Chatbots Gesprächsinhalte an Drittanbieter weiterleiten.
Die Analyse der Web-Versionen ergab, dass führende Plattformen wie ChatGPT, Gemini, Claude, Grok, Perplexity und Mistral Daten übermitteln. Auch bei den mobilen Anwendungen stellten die Forscher fest, dass drei von acht getesteten Android-Apps entsprechende Chat-Inhalte an Dritte abfließen lassen.
Umfangreiche Datenübertragung an Analyse- und Werbenetzwerke
Im Rahmen der Untersuchung identifizierten die Wissenschaftler von IMDEA Networks insgesamt 124 Dritt-Domains, die sich 44 Organisationen zuordnen lassen. Darunter befinden sich 34 Akteure aus den Segmenten Werbung und Tracking, zu denen unter anderem Google Ads, Meta, TikTok und Twitter Analytics gehören.
Die weitergegebenen Informationen umfassen je nach Anbieter unterschiedliche Datensätze:
* Chat-Titel: werden von Gemini, Grok und Mistral übertragen.
Gemini leitet diese Titel konkret an Google Analytics weiter.
* Nutzer-IDs: fließen bei ChatGPT, Claude, Le Chat und Perplexity an Dritte ab.
* E-Mail-Adressen: übermitteln Claude, Mistral und Perplexity.
* Chat-Links: teilen ChatGPT, Claude, Grok, Mistral und Perplexity.
* Eingaben und Screenshots: Perplexity leitete eingegebene Prompts an Wingify weiter. Grok überließ TikTok Screenshots und sendete den jeweils letzten Nutzer-Prompt an Meta.
Zudem wiesen die Forscher darauf hin, dass Chat-Links beim Dienst Grok standardmäßig öffentlich eingestellt sind. Im Rahmen des Tests registrierte das Institut daraufhin 70 Abrufe von 70 unterschiedlichen IP-Adressen aus 14 Ländern.
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Eingeschränkte Wirkung von Cookie-Ablehnungen
Die Studie zeigt erhebliche Defizite beim Schutz der Privatsphäre auf, selbst wenn Anwender aktiv widersprechen. Nach der Ablehnung aller nicht-erforderlichen Cookies blieben den Messungen zufolge 80,8 % der Tracker weiterhin aktiv. In vier von neun kostenlosen Diensten setzten Tracker ihre Datensammlung trotz der Verweigerung unverändert fort.
Auf Anfrage wiesen die Technologiekonzerne Vorwürfe zurück. Google erklärte, dass es in Gemini keine Anzeigen gebe. OpenAI betonte, Daten würden nicht an Werbetreibende weitergegeben. Microsoft erklärte seinerseits, dass kein Rechtsverstoß vorliege.
Kommerzialisierung und Werbemodelle im Fokus
Die Ergebnisse der Forscher treffen auf eine Branche, die zunehmend Werbemodelle in Chat-Systeme integriert. So kündigte OpenAI im August 2026 personalisierte Werbung in ChatGPT für 31 europäische Märkte an und führte entsprechende Anzeigen im Oktober 2026 auch bei der Bildgenerierung ein.
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Tests des Portals 404 Media zeigen in diesem Kontext, dass das Werbesystem von ChatGPT Zielgruppen auf Basis persönlicher Informationen anspricht und Eingabeinhalte in die Ausspielung einfließen. Werbetreibende können demnach E-Mail-Adressen sowie Telefonnummern ungehasht hochladen, woraufhin OpenAI diese mit bestehenden Benutzerkonten abgleicht. Alternativ lassen sich gehashte Daten und Werbe-IDs von Android-Geräten nutzen.
Ein Sprecher von OpenAI legte dar, dass mindestens 25.000 zugeordnete Nutzer notwendig seien, um Filter- und Gebotsanpassungen vornehmen zu können. Zudem würden hochgeladene Dateien üblicherweise innerhalb von 24 Stunden gelöscht. Zwar könne die Werbepersonalisierung durch Nutzer deaktiviert werden, die konkrete Werbeauswahl basiere im Anschluss jedoch weiterhin auf dem jeweils laufenden Gespräch.

