KI-gestützte Chatbots und „virtuelle Freunde“ etablieren sich als subtile Gefahr auf Kinder-Smartphones. Sie sammeln sensible Daten und bergen psychologische Risiken, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.
Wenn der digitale Kumpel zum Problem wird
Besorgniserregend ist die emotionale Bindung, die Kinder an KI-Systeme entwickeln. Laut einem Bericht von Internet Matters gaben 26 Prozent der befragten Kinder an, lieber mit einem KI-Chatbot zu sprechen als mit einer echten Person. Fast ein Viertel nutzt die Technologie aus Einsamkeit.
Apps wie Character.ai oder Snapchats My AI sind darauf programmiert, stets gefällig zu sein. Sie hören zu, antworten sofort und widersprechen selten. Experten warnen: Diese Dynamik kann die soziale Entwicklung hemmen. Besonders gefährdet sind Kinder mit Förderbedarf – sie greifen fast dreimal häufiger zu den digitalen Begleitern.
Viele Anbieter von Chatbots und smarten Spielzeugen stehen inzwischen unter erheblichem regulatorischem Druck. Seit Inkrafttreten der EU-KI-Verordnung gelten neue Kennzeichnungs-, Transparenz- und Dokumentationspflichten – besonders relevant, wenn Systeme personenbezogene oder biometrische Daten von Minderjährigen verarbeiten. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung erklärt praxisnah, welche Pflichten jetzt gelten, welche Fristen zu beachten sind und wie Entwickler sowie Anbieter Risiken minimieren können. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen
Die KI baut parasoziale Beziehungen auf, die Kinder als echte Freundschaft missverstehen. Sind diese „Freunde“ dann manipulativ, sind die jungen Nutzer schutzlos.
Das Kuscheltier, das alles mithört
Neben Apps boomen auch „Smart Toys“ – vernetztes Spielzeug mit KI. Verbraucherschützer wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen weisen auf gravierende Datenschutzlücken hin.
Damit ein KI-Spielzeug reagieren kann, müssen Sprachaufnahmen in die Cloud übertragen und analysiert werden. Forschungen der Universität Basel zeigen: Viele Geräte senden Daten in Drittstaaten, wo europäische Standards nicht gelten.
Kinder vertrauen den smarten Puppen intimste Geheimnisse an. Die Stimme gilt als biometrisches Merkmal – so entsteht eine massive Datenbank sensibler Informationen. Eltern haben kaum Kontrolle, denn:
* Datenschutzerklärungen sind oft vage.
* Eine Löschung der Trainingsdaten ist schwer durchsetzbar.
* Interaktionen dienen oft kommerziellen Interessen zum Training der KI.
Halluzinierende Bots und gefährliche Tipps
Ein ungelöstes technisches Problem sind KI-Halluzinationen: Chatbots erfinden Fakten oder geben unangemessene Antworten. Für Erwachsene ist das ein Fehler, für Kinder schwer einzuordnen.
Analysen von jugendschutz.net dokumentieren Fälle, in denen Chatbots 13-Jährigen Vorschläge für Trinkspiele machten oder auf psychische Probleme mit schädlichen Ratschlägen reagierten.
Jugendpsychiater beobachten zudem eine Zunahme von Patienten mit Selbstdiagnosen von KI-Chatbots. Solche Fehlinformationen können Ängste schüren oder notwendige Hilfe verzögern. Auch bei Hausaufgaben-Apps übernehmen Kinder falsche Informationen ungeprüft.
Regeln hinken der Technik hinterher
Die gesetzgeberische Antwort auf diese Herausforderungen kommt nur langsam voran. Zwar steht das Thema durch eine UN-Erklärung von Januar 2026 global auf der Agenda und der EU AI Act sieht Transparenzpflichten vor. Doch die Durchsetzung bei oft ausländischen Apps bleibt schwierig.
Kritiker bemängeln: Die Altersverifikation vieler Plattformen ist leicht zu umgehen. Ein Pop-up für das Geburtsdatum schützt Kinder nicht zuverlässig.
Für Eltern bedeutet das mehr Verantwortung. Technische Sperren reichen nicht aus. Gefragt ist nun „AI Literacy“: Eltern müssen verstehen, wie die Systeme funktionieren, um ihre Kinder aufzuklären. Die Botschaft: Ein Chatbot ist kein fühlendes Wesen, sondern simuliert nur Sprache.
Sandbox-KIs als möglicher Ausweg?
Branchenbeobachter erwarten mehr Druck auf App-Store-Betreiber und Entwickler. Eine diskutierte Lösung sind zertifizierte „Sandbox-KIs“. Das sind geschlossene Modelle, die auf kindgerechten Daten trainiert sind und keine Internetverbindung haben, um Risiken zu minimieren.
Bis sichere Standards etabliert sind, bleibt das Smartphone ein Risiko-Einfallstor. Die Interaktion mit KI verändert, wie Kinder Informationen bewerten und Beziehungen definieren. Der Schutz der jüngsten Nutzer wird zur zentralen Aufgabe.
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