Eine Investigativrecherche der New York Times deckt auf, wie der chinesische Serverhersteller Inspur Group über seine US-Tochter Aivres über Jahre hinweg fortschrittliche Halbleitertechnologie an China geliefert haben soll – trotz eines seit März 2023 bestehenden US-Exportverbots.
Zwischen April 2024 und Februar 2026 soll Aivres nach den Recherchen Technologie im Wert von 5,6 Milliarden US-Dollar exportiert haben, darunter Nvidia-Blackwell-Server im Wert von über 3 Milliarden US-Dollar, die über Umwege durch Südostasien schließlich in China landeten.
Umbenennung als Tarnung
Inspur Group wurde im März 2023 auf die US-Entity-List gesetzt, die den Export bestimmter Technologien an gelistete Unternehmen verbietet. Die kalifornische Niederlassung des Konzerns, zuvor als Inspur Systems bekannt, firmierte im Mai 2023 in Aivres um und ist nach eigenen Angaben nicht individuell auf der schwarzen Liste verzeichnet.
Mit Sitz in Fremont vermarktet Aivres weiterhin Nvidia-KI-Chips. Laut Recherchen hält Inspur Group über die Beteiligung an Inspur Electronic, der Muttergesellschaft von Aivres, einen Anteil von rund einem Drittel.
Ein konkretes Beispiel für die Geschäftstätigkeit von Aivres: Im November 2025 verkaufte das Unternehmen 32 Blackwell-Racks mit insgesamt 2.300 GB200-Prozessoren an den indonesischen Telekommunikationsanbieter Indosat Ooredoo Hutchison, zu einem Preis von etwa 100 Millionen US-Dollar.
Die Preise sollen rund 30 Prozent unter denen der Wettbewerber gelegen haben. Als Kunde tritt dabei das in Shanghai ansässige Unternehmen INF Tech auf, das sich per Fernzugriff auf die Hardware einloggen soll.
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Weitere Umgehungsstrukturen in Südostasien
Neben Aivres identifiziert die Recherche eine Inspur-Tochter namens Maginfra, die laut den Berichten innerhalb von sechs Monaten Server im Wert von über 700 Millionen US-Dollar aus Malaysia nach China importiert haben soll.
Auch das in Singapur ansässige Unternehmen Megaspeed steht im Fokus: Über seine malaysische Einheit Speedmatrix soll es zwischen Juni 2024 und Juni 2025 in mehr als 200 Lieferungen Nvidia-KI-Chips im Wert von etwa 2 Milliarden US-Dollar bewegt haben.
Die Hardware lasse sich den Recherchen zufolge auf eine Inspur-Tochter zurückführen. Rechenzentren in Malaysia und Indonesien sollen dabei chinesische Kunden aus der Ferne bedient haben. Wegen der Vorgänge ermitteln nach Medienberichten Bundesbeamte in den USA.
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Reaktion der US-Behörden
Das US-Handelsministerium stellte klar, dass die geltenden Exportkontrollen für sämtliche Tochtergesellschaften von in China ansässigen Unternehmen gelten – die entsprechende Mitteilung des Bureau of Industry and Security soll eine bestehende Gesetzeslücke schließen.
Nvidia erklärte sich konform mit den Vorgaben; zu einer Beschlagnahme bereits gelieferter Chips kam es nicht. Zugleich verhängte das Ministerium einen zehnmonatigen Stopp für Neuaufnahmen auf die Entity-List – den längsten seit 18 Jahren. Die Trump-Administration genehmigte zudem eine Lizenz für H200-Chips.
Warnung vor Malaysia als Drehscheibe
Der Kriminologe P Sundramoorthy warnte, Malaysia könne sich zu einem Umschlagplatz für KI-Chips auf dem Weg nach China entwickeln. Im Juni beschlagnahmte der malaysische Zoll am Flughafen KLIA 72 Server mit KI-Chips im Wert von 52,9 Millionen Ringgit.
In Taiwan klagte die Justiz im August neun Personen wegen illegaler Exporte von KI-Servern an – ein weiteres Indiz dafür, dass Umgehungsrouten über Südostasien zunehmend ins Visier von Ermittlern geraten.

