KI-Chirurgie: Siamesische Zwillinge erfolgreich am Kopf getrennt

KI-gestützte Planung ermöglicht komplexe Trennungen siamesischer Zwillinge. Autonome Robotik und Telechirurgie zeigen Fortschritte in der Medizin.

Von der Trennung siamesischer Zwillinge bis zur autonomen Organentnahme – die Technologie ermöglicht Eingriffe, die noch vor Jahren undenkbar schienen. Deutsche Kliniken beobachten die Entwicklungen mit großem Interesse.

KI ermöglicht riskante Trennung siamesischer Zwillinge

Ein Meilenstein der Neurochirurgie: Die 19 Monate alten Zwillinge Mercy und Goodness aus Nigeria wurden erfolgreich getrennt. Die Mädchen, geboren im Juni 2023, waren am Kopf zusammengewachsen – eine der seltensten und komplexesten Formen siamesischer Zwillinge.

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Das Team um Professor Noor ul Owase Jeelani von der Organisation Gemini Untwined operierte im SEHA Sheikh Khalifa Medical City in Abu Dhabi. Die gesamte Behandlungsdauer: mehr als 40 Stunden. Entscheidend für den Erfolg war eine KI-gestützte Planung, die die komplexen, gemeinsam genutzten Blutgefäße und Knochenstrukturen der Säuglingsköpfe analysierte.

Die Chirurgen nutzten Mixed-Reality-Umgebungen für die Vorbereitung. Ein weltweit erstes, patientenspezifisches Schädelimplantat, entwickelt von XRlabs, spielte eine Schlüsselrolle. Das KI-Modell des Unternehmens, trainiert auf tausende kindliche Kopfformen, generierte die benötigten Implantate in Sekundenschnelle – basierend auf CT-Daten in einer Mixed-Reality-Oberfläche.

Die finale zwölfstündige Operation fand 2025 statt. Die Zwillinge erholten sich vollständig und kehrten kürzlich nach Nigeria zurück. Es war die neunte erfolgreiche Trennung von Kopfzwillingen durch Gemini Untwined und die erste im Nahen Osten. Die Chirurgen wandten eine „Offenes-Buch“-Technik sowie silikonbasierte Hautexpander an, um den Verschluss nach der Trennung zu gewährleisten.

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Erst Anfang der Woche gelang einem 22-köpfigen Team am King Abdullah Specialist Children’s Hospital in Riad eine weitere komplexe Trennung: Die philippinischen Zwillinge Olivia Faith und Giana Faith Manuel wurden in einer sechsstündigen Prozedur getrennt. Es war die vierte erfolgreiche Trennung eines philippinischen Zwillingspaares im Rahmen des saudischen Programms.

Telechirurgie und autonome Robotik auf dem Vormarsch

Die Innovation beschränkt sich nicht auf hochspezialisierte Einzelfälle. Robotersysteme halten Einzug in den Klinikalltag – als Assistenz, als Fernsteuerung und zunehmend autonom.

Das Marengo Asia Hospitals in Faridabad, Indien, startete ein „Tele-Proctor Robotic Surgery“-Programm – eine Premiere für den indischen Gesundheitssektor. Ein MISSO-Roboter ermöglicht es Chirurgen in großen Medizinzentren, Kollegen in kleineren Städten aus der Ferne anzuleiten. Der erste Fall: Eine 67-jährige Frau in Palwal erhielt ein robotisches Kniegelenk unter der Fernaufsicht von Spezialisten aus Faridabad.

Noch einen Schritt weiter geht die Forschung an der Johns Hopkins University. Der SRT-H-Roboter entfernte in Versuchen autonom Gallenblasen – an acht Schweinekadavern mit einer Erfolgsrate von 100 Prozent. Die KI-Architektur, die auf einem ähnlichen Framework wie große Sprachmodelle basiert, wurde mit 18.000 chirurgischen Demonstrationen trainiert. Das System kann in Echtzeit anpassen und eigene Fehler korrigieren. Dennoch: Die vollständige Autonomie bei menschlichen Operationen ist noch Jahre entfernt.

Robotik steigert Effizienz bei Routineeingriffen

Auch etablierte Robotersysteme erzielen neue Effizienzrekorde. Das Royal Perth Hospital in Australien entließ eine Patientin in ihren 70ern noch am selben Tag einer robotischen Darmkrebsoperation. Der Eingriff mit dem Da-Vinci-Xi-System wurde durch ein spezielles Home-Hospital-Team unterstützt. Es war der erste derartige Fall im Land – und folgte auf die erste robotische Darmoperation des Krankenhauses im April 2026.

Weitere aktuelle Anwendungen zeigen die Bandbreite:

Lungenheilkunde: Ärzte berichten vom ersten Einsatz einer formwandelnden robotischen Bronchoskopie zur Behandlung einer riesigen Emphysembulla bei einem 70-jährigen Patienten. Das Volumen der Bulla reduzierte sich von 60 auf 30 Prozent der rechten Lunge – mit anhaltender Besserung nach sechs Monaten.

Onkologie: Chirurgen am Fortis Hospital in Bengaluru entfernten über 200 Gallensteine bei einer 71-jährigen Patientin, die gleichzeitig wegen Brustkrebs und Leukämie behandelt wurde. Das Team nutzte eine robotische Cholezystektomie mit ICG-Technik (Indocyaningrün), um den geschwächten Gesundheitszustand zu navigieren.

Magen-Darm-Chirurgie: In Hanoi unterzog sich ein 42-jähriger Mann am 3. Juni 2026 einer robotischen Laparoskopie wegen Darmkrebs im Stadium II – nachdem er zuvor versucht hatte, die Symptome selbst zu behandeln. Der Patient konnte bereits am Tag nach dem Eingriff gehen.