Eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG verdeutlicht eine signifikante Verschärfung der digitalen Bedrohungslage für den Wirtschaftsstandort Wien.
Laut der Studie geben 54 % der 474 befragten Unternehmen an, vermehrt mit Cyberangriffen konfrontiert zu sein, bei denen künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt wird. Die technologische Entwicklung scheint die Schlagkraft und Frequenz krimineller Aktivitäten im digitalen Raum massiv zu erhöhen.
KI als Werkzeug für automatisierte Massenangriffe
Die Ergebnisse der Befragung zeichnen ein Bild einer sich wandelnden Angriffsstrategie. Demnach nutzen Cyberkriminelle die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz wie eine Schrotflinte im digitalen Raum.
Anstatt mühsam einzelne Ziele manuell zu sondieren, ermöglichen es KI-gestützte Systeme den Angreifern, eine enorme Anzahl an potenziellen Schwachstellen gleichzeitig und automatisiert unter Beschuss zu nehmen. Diese Streuwirkung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass selbst kleine Sicherheitslücken in komplexen Unternehmensnetzwerken gefunden und ausgenutzt werden.
Die Automatisierung führt dazu, dass die Hürden für komplexe Angriffe sinken, während die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen auf neue Bedrohungen reagieren müssen, stetig steigt. Die Studie legt nahe, dass herkömmliche Verteidigungsmechanismen durch diese Skalierung der Angriffe zunehmend unter Druck geraten.
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Gezielte Unterwanderung durch ausländische Akteure
Neben der rein technischen Bedrohung durch Schadsoftware oder Phishing-Kampagnen zeigt die Untersuchung eine weitere, hochspezialisierte Gefahrenquelle auf. Laut den Erkenntnissen von KPMG versuchen ausländische Staaten, gezielt Mitarbeiter in Wiener Unternehmen einzuschleusen. Dabei greifen die Akteure zu manipulativen Methoden wie der Erstellung falscher Lebensläufe, um die Rekrutierungsprozesse der Firmen zu überlisten.
Diese Form der hybriden Bedrohung zielt primär auf Branchen ab, die für die Sicherheit und den technologischen Vorsprung von Bedeutung sind. Besonders betroffen sind laut der Studie:
- Betreiber kritischer Infrastruktur (etwa Energie- und Wasserversorgung),
- Unternehmen aus dem Rüstungssektor,
- Einrichtungen in der Forschung und Entwicklung.
Das Ziel dieser staatlich gelenkten Infiltrationen ist offenbar die langfristige Spionage oder die Vorbereitung von Sabotageakten innerhalb der betroffenen Organisationen.
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Forderung nach aktiven Gegenmaßnahmen
Die wachsende Bedrohungslage führt zu einer Debatte über die Grenzen der digitalen Selbstverteidigung. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Befragung ist die Haltung der Unternehmen zu aktiven Abwehrmaßnahmen. Ein Drittel der befragten Wiener Betriebe fordert mittlerweile die rechtliche Befugnis, eigene Cyberangriffe zur Verteidigung durchführen zu dürfen.
Dieses Streben nach sogenannten „Hack-Back“-Kompetenzen verdeutlicht das schwindende Vertrauen in rein passive Schutzmaßnahmen. Viele Verantwortliche sehen sich in einem technologischen Wettrüsten, in dem sie ohne die Möglichkeit einer aktiven Gegenwehr langfristig im Nachteil bleiben könnten.
Dennoch bleibt die rechtliche Umsetzung solcher Forderungen hochkomplex, da sie weitreichende Fragen der digitalen Souveränität und des staatlichen Gewaltmonopols berührt.
Die Ergebnisse der KPMG-Studie unterstreichen die Notwendigkeit für Wiener Unternehmen, ihre Sicherheitsstrategien sowohl auf technischer als auch auf personeller Ebene grundlegend zu überprüfen und an die neue Ära der KI-gestützten Kriminalität anzupassen.

