Ein aktueller Investigativbericht der New York Times legt offen, dass staatliche Akteure aus dem Iran und China sowie private Unternehmen aus Israel in großem Stil autonome KI-Agenten für Desinformationskampagnen einsetzen.
Laut Berichten vom 18. September 2026 nutzen diese Akteure chinesische Open-Source-KI-Modelle, um hunderte automatisierte Profile auf Plattformen wie Instagram, Facebook, X und TikTok zu betreiben. Branchenbeobachter werten dies als die ersten bekannten Fälle vollautomatisierter Operationen zur strategischen Einflussnahme im digitalen Raum.
Iranische Kampagne nimmt US-Wählerschaft ins Visier
Staatlich unterstützte Akteure aus dem Iran haben in der ersten Jahreshälfte 2026 eine weitreichende Kampagne durchgeführt, die primär auf ein US-amerikanisches Publikum ausgerichtet war. Dabei wurden KI-Agenten eingesetzt, die eigenständig gefälschte Profile erstellten und Inhalte verbreiteten, die sich gegen die Republikanische Partei richteten. Den Berichten zufolge erreichte diese Operation rund 80.000 Follower.
Technisch basierte das Vorgehen auf der Nutzung von KI-Proxies. Dabei wurden die integrierten Sicherheitsvorkehrungen der zugrunde liegenden KI-Modelle gezielt deaktiviert, um die Generierung von politisch manipulativen Inhalten zu ermöglichen.
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Der Konzern Meta gab bekannt, die iranische Operation gestört und die Mehrheit der betroffenen Accounts von seinen Plattformen entfernt zu haben. US-Beamte stufen die iranischen Aktionen offiziell als staatlich unterstützt ein.
Israelische Privatfirmen testen KI-gesteuerte Profile
Neben staatlichen Akteuren sind auch private Unternehmen in diesem Bereich aktiv. Die in Tel Aviv ansässige Firma IntelEye, die von ehemaligen Mitarbeitern der NSO Group gegründet wurde, betrieb rund 1.000 aktive KI-Fake-Accounts auf Facebook, Instagram, TikTok und X. Insgesamt kaufte das Unternehmen 10.000 Accounts ein, um den israelischen Online-Diskurs im Vorfeld von Wahlen zu beeinflussen.
Die von IntelEye eingesetzten Agenten nutzten das KI-Modell DeepSeek und veröffentlichten Inhalte, die sich sowohl für als auch gegen den Ministerpräsidenten Netanyahu positionierten. Das Unternehmen beschrieb die Kampagne nachträglich als einen defensiven Test. Laut Berichten vom 18. September 2026 wurden insgesamt zwei solcher Kampagnen israelischer Privatfirmen registriert, wobei IntelEye eine davon verantwortete.
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Chinas Fokus auf computergestützte Präzisionskommunikation
Auch China baut seine Kapazitäten für automatisierte Online-Operationen systematisch aus. Im April 2026 entwickelte die Sun-Yat-sen-Universität das KI-System „Huanyu Zhiying 1.0″. Dieses Tool dient der Simulation ausländischer Zielgruppen in 18 verschiedenen Ländern, darunter Australien, die USA und Großbritannien. Das System basiert auf Daten von über 10.000 simulierten Profilen sowie Umfragen aus acht Ländern.
Das strategische Ziel dieser Entwicklungen geht auf Vorgaben der politischen Führung zurück. Bereits im Mai 2021 betonte Xi Jinping in einer Sitzung des Politbüros die Notwendigkeit einer sogenannten Präzisionskommunikation.
Die nun identifizierten Aktionen werden von US-Beamten ebenfalls als staatlich unterstützt bewertet. Die technologische Basis für diese globalen Operationen bilden zunehmend leistungsfähige Open-Source-Modelle, die eine Automatisierung von Desinformation in einem bisher nicht gekannten Ausmaß erlauben.

