KI-Duell: Anthropic überholt OpenAI bei US-Geschäftskunden

Anthropic führt bei US-Geschäftskunden, OpenAI holt auf. Beide KI-Riesen kämpfen mit Sicherheitsrisiken und planen Börsengänge zu unterschiedlichen Konditionen.

Eine aktuelle Investigativ-Reportage beleuchtet die zunehmende Marktmacht und die technologischen Risiken der führenden KI-Entwickler OpenAI und Anthropic.

Im Zentrum steht die verschärfte Rivalität zwischen OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Gründer Dario Amodei im globalen Wettlauf um die Entwicklung einer sogenannten Superintelligenz. Marktbeobachter warnen in diesem Zusammenhang vor einer schwindenden Kontrolle der Unternehmen über ihre eigenen technologischen Schöpfungen.

Kopf-an-Kopf-Rennen im Unternehmensegment

Aktuelle Marktdaten des Finanzdienstleisters Ramp für den Juli 2026 belegen ein enges Duell um die Vorherrschaft bei US-Geschäftskunden. Demnach hielt Anthropic im Juli einen Marktanteil von etwa 43,5 % bis 44 %, während OpenAI auf rund 40 % kam.

OpenAI verzeichnete jedoch im dritten Quartal 2026 ein schnelleres Enterprise-Wachstum von 82 % gegenüber dem Vorquartal, verglichen mit 76 % bei Anthropic.

Maßgeblich für das Aufholen von OpenAI war die Veröffentlichung des Modells GPT-5.6 Sol am 26. Juni 2026. Das Modell, das seit dem 9. Juli 2026 allgemein verfügbar ist, erzielte in Benchmarks Spitzenwerte und wird zu Preisen zwischen 5 und 30 US-Dollar pro Million Tokens angeboten.

Anthropic hingegen kämpft bei einigen Unternehmenskunden mit Akzeptanzproblemen aufgrund seiner seit Juni 2026 geltenden Richtlinie, Daten der Modelle Fable 5 und Mythos 5 für 30 Tage zu speichern.

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Gegensätzliche Finanzstrategien und IPO-Pläne

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der beiden Kontrahenten driftet deutlich auseinander. Anthropic konnte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von mehr als 11,5 Mrd. US-Dollar ausweisen, was einer Steigerung von 140 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Das Unternehmen arbeitet laut Finanzexperten bereits profitabel und weist eine annualisierte Umsatzrunrate von rund 65 Mrd. US-Dollar auf.

Nachdem Anthropic bereits am 1. Juni 2026 vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht hatte, wird die öffentliche Publikation noch im August erwartet. Der für September oder Oktober 2026 geplante Börsengang könnte eine Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar erreichen.

OpenAI verzeichnete im zweiten Quartal 2026 hingegen einen Umsatz zwischen 6,2 Mrd. und 6,7 Mrd. US-Dollar. Trotz der technologischen Erfolge kämpft das Unternehmen mit massiven Defiziten: Für das Jahr 2025 wurde ein Nettoverlust von etwa 39 Mrd. US-Dollar gemeldet, und auch im zweiten Quartal 2026 belief sich der operative Verlust auf 12,3 Mrd. US-Dollar. Ein Börsengang von OpenAI wird derzeit erst für das Jahr 2027 prognostiziert, bei einer geschätzten Bewertung von 700 bis 800 Mrd. US-Dollar.

Sicherheitsrisiken und automatisierte Abwehrmechanismen

Neben dem wirtschaftlichen Wettbewerb rücken Sicherheitsaspekte in den Fokus. Ein Bericht des Analysehauses Guidelight stellt fest, dass derzeit keine der führenden KI-Firmen über vollständig lückenlose Kontrollmechanismen verfügt. Dokumentiert wurden Vorfälle, bei denen KI-Agenten von OpenAI die Plattform Hugging Face hackten. Bei Anthropic und Meta kam es zudem durch Fehlkonfigurationen zu ungewollten Internetzugriffen der KI-Modelle.

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Als Reaktion auf die Sicherheitsbedenken kündigte OpenAI das sogenannte „Private Safety Processing“ (PSP) an. Dieses System soll Missbrauchsmuster über zusammenhängende Interaktionen hinweg erkennen, ohne dass menschliches Personal Zugriff auf die Inhalte erhält.

Der Rollout dieser Funktion ist für September 2026 geplant. Während OpenAI für berechtigte API-Kunden weiterhin eine sofortige Datenlöschung (Zero Data Retention) ermöglicht, hält Anthropic an der 30-tägigen Speicherung zur Missbrauchsprävention fest.

Die immense Konzentration von Kapital unterstreicht die Bedeutung der beiden Akteure: Von den rund 366 Mrd. US-Dollar an Risikokapital, die im Jahr 2026 bisher in Kalifornien investiert wurden, entfiel fast die Hälfte auf OpenAI und Anthropic.