Künstliche Intelligenz hat inzwischen 70 Prozent aller Berufe durchdrungen, doch die tatsächliche Automatisierung von Aufgaben bleibt begrenzt. Das zeigt eine neue Studie von Google, die heute veröffentlicht wurde und mit Rekordzahlen des Mutterkonzerns Alphabet zusammenfällt.
Breite, aber flache Durchdringung
Die ATLAS-Gemini-Studie von Google wertete 14,65 Millionen anonymisierte Interaktionen aus, um die Nutzung von KI in der Wirtschaft zu kartieren. Demnach sind 70 Prozent aller Berufe von der Technologie erfasst – das entspricht rund 88 Prozent aller Beschäftigten in den USA. Allerdings sprechen die Forscher von einer flachen Adoption: Im Schnitt nutzen Arbeitnehmer KI nur für 21 Prozent ihrer einzelnen Aufgaben.
Besonders auffällig: Die Kluft zwischen Zusammenarbeit und vollständiger Automatisierung ist riesig. Weniger als zehn Prozent aller Interaktionen zielen auf eine durchgängige Automatisierung nicht-routinemäßiger kogniver Arbeit ab. Zudem sind 86 Prozent der Gemini-Interaktionen persönlicher Natur oder haben nichts mit dem Job zu tun.
Die Nutzung hängt stark vom Einkommen ab: Ein Prozent mehr Lohn korrespondiert mit einem 2,68 Prozent höheren KI-Einsatz. Überraschend hoch fällt die Nutzung multimodaler KI dagegen in Blue-Collar-Berufen aus – etwa in der Autoreparatur oder bei Elektrikern.
Alphabet meldet Cloud-Rekord
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Alphabet einen Umsatz von 119,8 Milliarden Euro – ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Nettogewinn schnellte auf 112,11 Milliarden Euro hoch, der Gewinn pro Aktie liegt bei 9,11 Euro.
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Haupttreiber des Wachstums ist Google Cloud: Der Bereich steigerte seine Einnahmen um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro. Um der anhaltenden Nachfrage gerecht zu werden, hat Alphabet seine Investitionsprognose für das Gesamtjahr auf 195 bis 205 Milliarden Euro angehoben. 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen setzen inzwischen Gemini Enterprise ein. Die Gemini-App zählt 950 Millionen monatlich aktive Nutzer, die APIs verarbeiten 22 Milliarden Tokens pro Minute.
Zu den technischen Neuerungen gehört die Veröffentlichung von Gemini 3.6 Flash, das 17 Prozent weniger Ausgabe-Tokens benötigt als die Vorgängerversion. Parallel hat Google mit dem Vortraining des nächsten Modells, Gemini 4, begonnen.
OpenAI steigt in den Enterprise-Agentenmarkt ein
Am Dienstag brachte OpenAI Presence auf den Markt – eine Plattform für Unternehmen, um Echtzeit-Sprachagenten und Chatbots zu betreiben. Presence nutzt das Modell GPT-5.6 Sol und befindet sich derzeit in einer begrenzten allgemeinen Verfügbarkeit. Bereits jetzt betreibt OpenAI damit den eigenen Kundenservice, wo die Plattform 75 Prozent aller Anfragen lösen soll.
Zu den ersten Testern zählen BBVA, SoftBank und IAG. Parallel dazu gab OpenAI eine strategische Allianz mit KPMG bekannt. Ziel ist ein „kopfloses“ Unternehmensmodell, bei dem KI zur primären Schnittstelle über bestehende ERP- und CRM-Systeme wird. Den Anfang macht eine spezialisierte Supply-Chain-Plattform für KPMG.
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Die Führungslücke
Trotz des rasanten Ausrollens neuer Werkzeuge klafft eine Lücke zwischen technischen Experimenten und organisatorischer Reife. Eine Studie von West Monroe unter 417 Führungskräften ergab: 58 Prozent der Unternehmen haben KI geschäftsweit vernetzt – aber 40 Prozent setzen die Technologie weiterhin nur auf Alt-Systeme drauf.
Eine Umfrage von ManpowerGroup Talent Solutions zeigt, dass nur drei Prozent der Organisationen ihre Führungskräfte für bereit halten, KI-gestützte Teams zu managen. Die mangelnde Vorbereitung schlägt sich auf die Belegschaft nieder: 78 Prozent der Arbeitnehmer fürchten um ihren Job, 63 Prozent der Unternehmen berichten von Widerstand gegen die KI-Einführung.
Im Finanzsektor geht Manulife einen anderen Weg: Der Versicherer schloss eine Fünfjahresvereinbarung mit Microsoft, um die Frontier Suite und Agent 365 für KI-Governance bei seinen 30.000 Mitarbeitern einzusetzen. Das Unternehmen erwartet von seinen KI-Initiativen einen Unternehmenswert von über einer Milliarde Euro bis 2027.

