KI-Entwickler unter Beschuss: ClickFix und Miasma greifen an

ClickFix-Kampagne und Miasma-Angriff bedrohen Entwickler. Gefälschte Installer und manipulierte Pakete stehlen Zugangsdaten.

Betroffen sind vor allem Anthropics Claude Code und OpenAIs Codex. Die Angreifer setzen auf eine Kombination aus gefälschten Webseiten und Lieferketten-Angriffen, um an sensible Entwickler-Zugangsdaten zu gelangen und sich dauerhaft auf professionellen Arbeitsrechnern festzusetzen.

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ClickFix-Kampagne: Gefälschte Download-Seiten

Eine als ClickFix identifizierte Kampagne nutzt Google Sites, um täuschend echte Nachbauten der offiziellen Download-Portale für Claude Code und OpenAI Codex zu hosten. Die Opfer werden aufgefordert, einen bestimmten Befehl zur Installation der Software auszuführen.

Was dann geschieht, ist ein mehrstufiger Angriff: Über einen mshta-Befehl wird eine komplexe PowerShell-Sequenz gestartet. Um klassische Sicherheitssoftware auszutricksen, verstecken die Angreifer die Schadsoftware mithilfe von Steganografie in Bilddateien. Der Schadcode läuft anschließend vollständig im Arbeitsspeicher – und bleibt so oft unentdeckt.

Die Ziele der Malware sind klar definiert: Sie will im Browser gespeicherte Passwörter, E-Mail-Zugangsdaten und Informationen aus Kryptowährungs-Wallets stehlen. Eine der identifizierten schädlichen Adressen lautet sites.google.com/view/clau-ver-un-24.

Miasma: Schädlinge in der Lieferkette

Doch die Gefahr für Claude-Nutzer beschränkt sich nicht auf gefälschte Installer. Anfang der Woche traf ein als Miasma bezeichneter Angriff das npm-Ökosystem von Red Hat. Sicherheitsforscher entdeckten, dass mindestens 32 Pakete aus dem @redhat-cloud-services-Bereich über eine kompromittierte GitHub-Actions-Pipeline mit Hintertüren versehen wurden.

Der Schädling erreichte rund 80.000 wöchentliche Downloads, bevor er am Nachmittag des 1. Juni gestoppt wurde. Seine Aufgabe: das Stehlen von Cloud-Identitäts-Tokens und SSH-Schlüsseln. Besonders perfide: Die Angreifer manipulierten auch die Einstellungen von VS Code und Claude Code, um sich dauerhaft Zugriff zu sichern – selbst nachdem die kompromittierten Pakete bereits entfernt wurden.

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Wenn KI-Agenten blind vertrauen

Ein weiteres Sicherheitsproblem liegt in der Architektur der KI-Codierungs-Agenten selbst. Forscher beobachteten, dass diese Systeme oft nicht zwischen funktionalen Anweisungen und Dokumentation unterscheiden können.

Böswillige Akteure können dies ausnutzen, indem sie versteckte Anweisungen in README-Dateien oder TypeScript-Deklarationen platzieren. Verarbeitet ein KI-Agent solche Dateien, lässt er sich möglicherweise zu unbefugten Aktionen manipulieren – etwa zum Abgreifen von Umgebungsvariablen oder sensiblen Konfigurationsdaten.

Anthropic erweitert Abwehr: Claude Mythos im Einsatz

Angesichts dieser Bedrohungen hat Anthropic seine Verteidigungsfähigkeiten ausgebaut. Das Unternehmen weitete sein Project Glasswing – basierend auf dem Claude-Mythos-Modell – auf 150 Organisationen in über 15 Ländern aus.

Erste Tests bei Partnern wie Cloudflare förderten über 10.000 schwerwiegende Sicherheitslücken zutage. Das Modell wird zur Infrastruktur-Verteidigung eingesetzt und kann erkennen, wie mehrere mittelschwere Schwachstellen zu einem kritischen Exploit kombiniert werden können.

Doch während Anthropic die Abwehr ausbaut, warnen Branchenkenner vor der rasanten Entwicklung offensiver KI-Fähigkeiten. Forscher der Universität Toronto demonstrierten kürzlich einen Proof-of-Concept für einen autonomen Wurm, der sich mithilfe eines frei verfügbaren Sprachmodells durch 73,8 Prozent eines Testnetzwerks fraß – indem er ungepatchte Sicherheitslücken identifizierte und ausnutzte.