Saudi-Arabien, die UNESCO und das Internationale Zentrum für KI-Forschung und -Ethik (ICAIRE) haben in Riad eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die eine stärkere internationale Zusammenarbeit für die ethische, sichere und nachhaltige Entwicklung sowie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz einfordert.
Das Papier entstand im Rahmen des vierten UNESCO Global Forum on the Ethics of AI, das vom 14. bis zum 17. September 2026 in der saudi-arabischen Hauptstadt tagt. Saudi-Arabien richtet diesen multilateralen Dialog als erstes arabisches Land aus.
Ministertreffen stärkt UNESCO-Leitlinien
Die Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung schloss an ein nicht-öffentliches Ministertreffen an, das unter dem Motto einer internationalen Kooperation für verantwortungsvolle KI stand.
Den Co-Vorsitz der Zusammenkunft führten der Präsident der saudi-arabischen Behörde für Daten und KI (SDAIA) und ICAIRE-Vorsitzende Dr. Abdullah Alghamdi sowie die stellvertretende UNESCO-Generaldirektorin Åsa Regnér. Mehr als 60 Minister und offizielle Vertreter aus rund 60 Staaten nahmen an der Konferenz teil.
Inhaltlich bekräftigt die Deklaration die UNESCO-Empfehlung zur KI-Ethik aus dem Jahr 2021, die seinerzeit von 193 Mitgliedstaaten verabschiedet worden war, als zentralen Leitfaden und operatives Fundament für nationale Governance-Strukturen.
Das Dokument mahnt verstärkte Investitionen in IT-Infrastruktur, institutionelle Kapazitäten, digitale Kompetenzen sowie gezielten Wissenstransfer an. Die anwesenden Minister und Delegierten hoben die Rolle der UNESCO in der globalen Ausgestaltung der KI-Regulierung hervor.
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Fokus auf den Globalen Süden und gesellschaftliche Teilhabe
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Erklärung liegt auf der Schließung technischer Kluften. Das Dokument fordert gezielte Unterstützung für Entwicklungsländer, insbesondere für den Globalen Süden und den afrikanischen Kontinent. Dabei sollen nationale Strategien gefördert werden, die zugleich die jeweilige kulturelle Vielfalt wahren. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Initiative Frauen sowie Jugendlichen.
UNESCO-Vize-Generaldirektorin Åsa Regnér verwies auf den aktuellen Umsetzungsstand der globalen Leitlinien: Mittlerweile setzen 109 Mitgliedstaaten die KI-Ethikempfehlung der Organisation um, in 78 Ländern laufen entsprechende Verfahren aktiv.
In Afrika wurden im Rahmen von Bildungsprogrammen bisher 2.000 Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler geschult. Regnér wies zudem auf fortbestehende Ungleichgewichte hin; so stellen Frauen gegenwärtig nur 26 Prozent der Beschäftigten im Bereich Daten und KI.
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Bildungsinitiativen und regionale Vorstöße
SDAIA-Präsident Alghamdi forderte während des Forums den Übergang von theoretischen Prinzipien zu konkreten Taten sowie eine enge grenzüberschreitende Partnerschaft für verlässliche Systeme.
Saudi-Arabien verfügt nach Behördenangaben über mehr als 40 akademische Programme im Bereich Daten und KI. Über die nationale Schulungsinitiative haben bereits mehr als 1,2 Millionen Teilnehmende entsprechende Abschlüsse erzielt.
Ahmed Al-Ghamdi, leitender Direktor für Kapazitätsaufbau bei der SDAIA, berichtete, dass das ursprüngliche Ziel der 2025 gestarteten SAMAI-Initiative von einer Million Ausgebildeten übertroffen worden sei, wobei der Schwerpunkt auf Datenschutz, ethischer KI und verantwortungsvoller Nutzung lag.
Parallel zu den multilateralen Verhandlungen startete ICAIRE eine weltweite akademische Selbstverpflichtung zu KI-Ethik in Bildungseinrichtungen. Zudem brachte sich die Islamische Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (ICESCO) ein: Deren Generaldirektor Dr. Salim M. AlMalik betonte in einer Ministerrunde, dass rein gesetzliche Regelungen nicht ausreichten und stärkere regionale Allianzen in Wissenschaft und Kultur notwendig seien.
ICESCO kooperiert mit ICAIRE im Rahmen eines Ausbildungsprogramms für 10.000 Führungskräfte und hat gemeinsam mit SDAIA eine KI-Charta für die islamische Welt sowie einen entsprechenden regionalen KI-Index initiiert.

