Anwaltskanzleien und Gerichte sehen sich mit einer wachsenden Zahl von KI-generierten Falschangaben in rechtlichen Dokumenten konfrontiert. Wie aus Berichten vom 1. Oktober 2026 hervorgeht, gehen Richter verstärkt dazu über, sogenannte KI-Halluzinationen – also von Algorithmen erfundene Fakten oder Quellen – in anwaltlichen Schriftsätzen zu sanktionieren.
Während Ethikexperten die bestehenden Berufsregeln grundsätzlich für ausreichend halten, um den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Rechtsberatung zu erfassen, werden die regulatorischen Rahmenbedingungen nun zunehmend präzisiert.
Verschärfung der Berufsregeln in den USA
In den Vereinigten Staaten reagieren mehrere Bundesstaaten auf die Risiken durch generative KI. Kalifornien erwägt derzeit spezifische Ergänzungen der berufsrechtlichen Vorschriften.
Demnach sollen Anwälte ausdrücklich dazu verpflichtet werden, alle zitierten Quellen auf ihre tatsächliche Existenz und Richtigkeit zu prüfen. Weitere Vorschläge betreffen die Transparenz in der Mandantenkommunikation sowie die Sicherstellung der Vertraulichkeit bei der Nutzung von KI-Werkzeugen.
Bereits im Juni änderte Rhode Island seine Regeln bezüglich der Verantwortung für KI-generierte Arbeitsergebnisse. In Florida kann der Oberste Gerichtshof seit dem 15. Juni Sanktionen verhängen, wenn Anwälte erfundene oder falsch zitierte Quellen einreichen. Diese Entwicklungen folgen auf die Formal Opinion 512 der American Bar Association (ABA) aus dem Jahr 2024, die erste ethische Leitplanken für den Umgang mit der Technologie setzte.
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Hohe Geldstrafen für erfundene Zitate
Dass Verstöße gegen diese Sorgfaltspflichten bereits jetzt konsequent geahndet werden, belegen aktuelle Urteile. Ein kalifornisches Berufungsgericht verhängte im September 2025 im Fall Noland v. Land of the Free eine Sanktion in Höhe von 10.000 US-Dollar gegen einen Anwalt, nachdem dieser erfundene Zitate in den Prozess eingeführt hatte.
Das Gericht verweigerte in diesem Verfahren zudem der Gegenseite den Ersatz ihrer Anwaltskosten, obwohl die Berufung als aussichtslos eingestuft wurde. Zur Begründung hieß es, die Gegenpartei habe die offensichtlichen Fehler im Vorfeld nicht gemeldet.
Weitere Konsequenzen gab es im März 2026 im Fall Torres Campos v. Munoz, in dem ein kalifornisches Gericht strengere Folgen für die Übernahme gefälschter Präzedenzfälle durch die Rechtsvertreter festlegte. Bereits im November 2025 hatte das Hennepin County Anwälte offiziell dazu gemahnt, die von der Gegenseite angeführten Zitate stets auf ihre Validität zu prüfen.
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Internationale Warnungen vor Justizbehinderung
Auch außerhalb der USA wächst die Besorgnis über die Integrität gerichtlicher Verfahren. In Edinburgh warnte der Lord President davor, dass KI nicht existierende Gesetze und Fälle als authentisch darstellen könne.
Solche Vorfälle seien bereits an schottischen Gerichten aufgetreten. Er betonte, dass derartige Handlungen die Schwelle zur Missachtung des Gerichts erreichen könnten. KI solle die richterliche Arbeit zwar unterstützen, dürfe sie jedoch nicht ersetzen; Anwälte und Parteien müssten die Technologie kritisch und verantwortungsbewusst nutzen.
Ähnliche Vorfälle beschäftigten den High Court in England. Berichten vom Juni 2025 zufolge gab es dort Fälle, in denen Anwälte fünf nicht existierende Präzedenzfälle einreichten. In einem weiteren Beispiel waren von 45 angeführten Fällen insgesamt 18 frei erfunden. Branchenexperten werten diese Häufung als Beleg dafür, dass die bloße Verfügbarkeit von KI-Tools ohne fachliche Endkontrolle die Verlässlichkeit des Rechtssystems gefährden kann.

