KI-Führerschein für Schüler: EU plant Pilotphase im Schuljahr 2027/2028

Die Kommission will sichere KI-Nutzung fördern; ein freiwilliger Nachweis soll ab 2027/2028 an Schulen erprobt werden.

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Die Europäische Kommission will die digitale Bildung an europäischen Schulen vertiefen und plant dafür die Einführung eines Zertifikats für KI-Kompetenz. Das Vorhaben richtet sich an 15-jährige Schülerinnen und Schüler und soll im Schuljahr 2027/2028 in eine Pilotphase starten.

Die Brüsseler Behörde will den Entwurf für diesen freiwilligen KI-Führerschein bis zum kommenden Schuljahr erarbeiten, damit Lehrkräfte die Inhalte strukturiert in den Unterricht integrieren können.

Ziel der Initiative ist eine sichere und kritische Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Wie EU-Kommissionsvizepräsidentin Roxana Mînzatu darlegte, soll der Nachweis Jugendlichen dabei helfen, die Funktionsweise von KI zu verstehen, bereitgestellte Informationen zu überprüfen, Manipulationsversuche zu erkennen und zu wissen, wann Systeme abgeschaltet werden sollten.

Junge Menschen müssten sowohl die Chancen als auch die Grenzen dieser Technologie begreifen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstrich ebenfalls, dass Kinder frühzeitig die notwendigen Fähigkeiten für einen verantwortungsvollen Umgang mit Algorithmen erlernen müssten.

Freiwilliges Angebot für die Mitgliedstaaten

Da die Europäische Union über keine direkte Gesetzgebungskompetenz in der Schulbildung verfügt, verbleibt die Ausgestaltung bei den 27 Mitgliedstaaten – in Deutschland liegt die Zuständigkeit bei den Bundesländern. Brüssel versteht das Zertifikat daher als unterstützendes Angebot für Schulen und Lehrpersonal. Gemeinsam mit der OECD hat die Kommission bereits zuvor einen Leitfaden zum Einsatz von KI an Schulen vorgelegt.

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Das Projekt ist in ein umfassenderes Bildungs- und Kompetenzpaket der Kommission eingebettet. Dieses setzt vier Schwerpunkte: die Verbesserung von Grundkompetenzen, die Einbindung digitaler Werkzeuge im Unterricht, die Stärkung des Lehrberufs sowie eine flexiblere Gestaltung der beruflichen Bildung. Eine offizielle Präsentation des Gesamtpakets ist für den 20. November 2026 auf dem europäischen Bildungs- und Kompetenzgipfel vorgesehen.

Schwächen bei Grundkompetenzen und hohe KI-Nutzung

Die Kommission verweist bei ihrer Initiative auf aktuelle Bildungsdaten. Den Ergebnissen der PISA-Erhebung 2025 zufolge verfehlen in Europa 33,9 Prozent der 15-Jährigen die Mindeststandards in Mathematik, 31,3 Prozent im Lesen sowie 25,9 Prozent in den Naturwissenschaften.

Zudem erreichen über 40 Prozent die Mindestanforderungen bei digitalen Kompetenzen nicht. Gleichzeitig gaben laut Daten von Eurostat für das Jahr 2026 bereits 64 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 24 Jahren an, generative KI aktiv zu nutzen.

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Parallel zu den Bildungsplänen treibt Brüssel Maßnahmen voran, um den Zugang von Jugendlichen zu sozialen Netzwerken strenger zu regulieren. Aus Sicht von Mînzatu besteht hierbei kein Widerspruch: Während Plattformen oft auf suchtfördernde Mechanismen setzten, könne KI im Bildungsbereich für individuelle Nachhilfe und personalisiertes Lernen genutzt werden.

Umfassendes Maßnahmenpaket für Schulen und Ausbildung

Neben dem Zertifikat umfasst das Brüsseler Paket weitere Vorhaben. Ab 2028 sollen jährlich bis zu 100 europäische Schulallianzen entstehen. Zudem ist ab 2027 der Aufbau eines EU-Beratungsnetzwerks geplant, über das ab 2028 über das Programm Erasmus+ die ersten 30 regionalen Dienste eingerichtet werden sollen.

Für Lehrkräfte sind ab 2027 weiterentwickelte Akademien vorgesehen. Eine Strategie für die Berufsbildung soll 2027 pilotiert werden, gefolgt von Unternehmenspartnerschaften und einem Mobilitätsmarktplatz ab 2028.

Zustimmung für das Paket kam aus der Fraktion Renew Europe. Die Abgeordneten begrüßten die Schwerpunkte auf Grundkompetenzen und eine sichere KI-Nutzung und verwiesen darauf, dass bereits acht EU-Länder eigene sichere Digitalwerkzeuge für den Schulbetrieb entwickeln.