KI-gesteuerte Liebesbetrüger fordern Millionen Euro

Behörden warnen vor einer dramatischen Zunahme raffinierter Online-Betrugsmaschen, die mit KI und Deepfakes emotionale Verletzlichkeit ausnutzen und Milliardenschäden verursachen.

Romance-Scams erreichen durch künstliche Intelligenz eine neue, gefährliche Dimension. Kurz vor dem Valentinstag warnen Behörden weltweit vor einer dramatischen Zunahme raffinierter Online-Betrugsmaschen, die emotionale Verletzlichkeit gezielt ausnutzen. Die Schäden in Millionenhöhe und das psychische Leid der Opfer steigen rasant.

Die Warnungen kommen geballt: In den letzten 72 Stunden haben US-Behörden wie das FBI und Verbraucherschützer dringend vor der neuen Betrugswelle gewarnt. Kriminelle nutzen die Zeit um den Valentinstag gezielt aus, um einsame Menschen in Dating-Apps und sozialen Netzwerken anzusprechen. Es handelt sich nicht um Einzeltäter, sondern um hochorganisierte, globale Netzwerke. Ihre Waffe: Generative KI und Deepfakes, die Vertrauen erschaffen, um Lebensersparnisse abzuschöpfen.

Behörden schlagen Alarm: Verluste verdoppeln sich

Die Zahlen sind erschreckend. Das FBI in San Francisco meldete am 10. Februar 2026, dass die Schäden durch Romance-Scams in seinem Zuständigkeitsbereich sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt haben – von rund 20 Millionen Euro 2024 auf über 37 Millionen Euro 2025. Bundes- und Landesbehörden sprechen von einer „dramatischen Eskalation“.

Auch auf Ebene der US-Bundesstaaten wird gewarnt. Das Finanzministerium von Iowa verwies auf einen 102-prozentigen Anstieg von Finanzbetrug an Senioren 2025. In Connecticut beschrieben Behörden das klassische Muster: Betrüger bauen monatelang Vertrauen auf, um dann mit einer erfundenen Notlage um Geld zu bitten. Das Better Business Bureau (BBB) gab pünktlich zum Valentinstag eine eigene Warnung heraus.

Die neue Masche: KI generiert Emotionen und Bilder

Der entscheidende Treiber für den Erfolg der Betrüger ist die leichte Verfügbarkeit von KI-Tools. Kriminelle Banden, oft in Asien ansässig, nutzen künstliche Intelligenz, um Sprachbarrieren zu überwinden und hunderte persönlich wirkende Gespräche gleichzeitig zu automatisieren. Die Botschaften wirken dadurch individueller und weniger mechanisch als je zuvor.

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Experten warnen: KI generiert täuschend echte Fotos, Videos und sogar Sprachnachrichten. Eine Unterscheidung zwischen echter Person und Betrug wird so gut wie unmöglich. Eine Studie des Identitätsdienstleisters GBG zeigt das Ausmaß: 61 Prozent der Nutzer von Dating-Apps in Großbritannien sind bereits auf ein Profil gestoßen, das sie für einen Bot oder Betrüger hielten.

Von Liebe zu Krypto: Die „Schlachtbank“-Masche

Eine besonders perfide und zerstörerische Taktik ist der sogenannte „Pig Butchering“-Scam (etwa: „Schlachtbank“-Betrug). Hier wird das Opfer zunächst emotional „gemästet“ – mit Zuneigung und Vertrauen –, bevor es finanziell „geschlachtet“ wird. Nach dem Aufbau einer romantischen Bindung lenkt der Betrüger das Gespräch auf eine angebliche, lukrative Kryptowährungs-Investition.

Das Opfer wird auf eine gefälschte, aber hochprofessionell wirkende Handelsplattform geleitet, die fabrizierte Gewinne anzeigt. Um Vertrauen zu schaffen, darf das Opfer anfangs sogar kleine Beträge abheben. Anschließend wird es gedrängt, immer größere Summen zu investieren. Beim Versuch, das Geld abzuziehen, folgen Forderungen nach exorbitanten Steuern oder Gebühren. Am Ende wird die Plattform abgeschaltet, der Kontakt bricht ab – das Geld ist meist für immer verloren.

Milliardenschäden und seelische Verwüstung

Die finanziellen Verluste sind immens. In den USA meldeten Opfer 2023 Schäden von über einer Milliarde Euro. In Großbritannien lag der Gesamtschaden zuletzt bei mehr als 124 Millionen Euro, mit einem Durchschnittsverlust von fast 13.000 Euro pro Person.

Doch das Geld ist nur ein Teil des Schadens. Die Betrüger spielen mit Einsamkeit und Vertrauen. Die Opfer fühlen sich nicht nur finanziell ruiniert, sondern auch emotional betrogen und zutiefst beschämt. Diese Scham hält viele davon ab, zur Polizei zu gehen. Die wahre Dimension des Problems dürfte daher weit größer sein als die offiziellen Statistiken zeigen.

So schützen Sie sich vor den digitalen Herzensdieben

Cybersicherheitsexperten sind sich einig: Die Bedrohung wird mit fortschreitender KI-Technologie weiter wachsen. Bots werden Betrug noch komplexer und mit weniger menschlichem Eingreifen durchführen können.

Behörden und Verbraucherschützer raten zu äußerster Vorsicht:
* Gehen Sie langsam und prüfen Sie nach: Seien Sie misstrauisch bei schnellen Liebesgeständnissen oder Drängen, die Unterhaltung von der Dating-Plattform in private Messenger zu verlagern. Nutzen Sie die Rückwärtssuche für Bilder, um Profile zu überprüfen.
* Senden Sie niemals Geld: Überweisen Sie kein Geld, keine Kryptowährungen, keine Geschenkgutscheine und teilen Sie keine Bankdaten mit einer Person, die Sie nur online kennen. Eine seriöse Beziehung beginnt nie mit einer Geldbitte.
* Vorsicht bei Investment-Angeboten: Seien Sie höchst skeptisch, wenn das romantische Interesse das Gespräch auf „garantierte“ oder hochverzinsliche Anlagemöglichkeiten lenkt – besonders bei Krypto.
* Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl: Wenn sich etwas falsch anfühlt, stimmt das meist. Ignorieren Sie keine Warnsignale wie die Weigerung, sich persönlich zu treffen oder einen Videoanruf zu führen.
* Melden Sie Betrug sofort: Brechen Sie den Kontakt ab, melden Sie das Profil der Plattform und erstatten Sie Anzeige bei der zuständigen Polizeidienststelle und Ihrer Bank.