Spezialisierte Chip-Startups und die großen Cloud-Konzerne verstärken ihre Angriffe auf den Branchenprimus Nvidia. Allen voran das Silicon-Valley-Startup D-Matrix, das die Serienproduktion seines Corsair-Chips gestartet hat.
D-Matrix startet Auslieferung – Zehnmal schneller als Nvidia?
Am heutigen Dienstag gab das von Ex-Intel-Manager Sid Sheth geführte Unternehmen bekannt, dass die Corsair-Plattform in die Massenproduktion geht. Der Chip setzt auf eine sogenannte „In-Memory-Computing“-Architektur. Statt des branchenüblichen DRAM-Speichers nutzt Corsair SRAM-Bausteine. Das soll den berüchtigten „Memory Wall“-Engpass umgehen – jenes Problem, bei dem der Datentransfer zwischen Speicher und Prozessor die Gesamtleistung ausbremst.
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Die Versprechungen sind ambitioniert: Für bestimmte KI-Aufgaben soll der neue Chip zehnmal schneller arbeiten und fünfmal energieeffizienter sein als herkömmliche Nvidia-GPUs. D-Matrix hat sich insgesamt rund 500 Millionen Euro von Investoren gesichert, darunter Microsofts Venture-Arm M12 und der Staatsfonds Temasek. Noch im Juni sollen erste Lieferungen an große Hyperscaler, „Neoclouds“ und führende KI-Labore erfolgen. Ein Nachfolger namens Raptor ist bereits für 2027 geplant und soll bei TSMC im 4-Nanometer-Verfahren gefertigt werden.
Cerebras nach Börsengang im Höhenflug
Auch ein anderer Herausforderer macht von sich reden: Cerebras. Nach dem Börsengang haben mehrere große Investmentbanken die Aktie mit Kaufempfehlungen versehen. Morgan Stanley, UBS und Wedbush setzten Kursziele zwischen 250 und 300 Euro. Grund für den Optimismus ist der WSE-3-Chip, der mit vier Billionen Transistoren und 44 Gigabyte On-Chip-SRAM aufwartet.
Als entscheidende Bestätigung gilt ein 20-Milliarden-Euro-Deal mit OpenAI über 750 Megawatt Rechenkapazität. Allerdings bleibt eine Schwäche: Rund 86 Prozent der Umsätze von Cerebras stammten 2025 von nur zwei Kunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Cloud-Riesen bauen eigene Chips – Druck auf Nvidia wächst
Die größte Gefahr für Nvidia kommt jedoch von den eigenen Großkunden. Amazon, Alphabet und Microsoft forcieren ihre hauseigenen Chip-Programme, um die Kosten für KI-Dienste zu senken. Laut Marktforschern von TrendForce werden anwendungsspezifische Chips (ASICs) 2026 bereits rund 28 Prozent des Marktes erobern. Der ASIC-Sektor wächst mit 44,6 Prozent fast dreimal so schnell wie der traditionelle GPU-Markt (16,1 Prozent).
Die aktuellen Entwicklungen im Überblick:
– Microsoft: Der Maia-200-Chip wird bei TSMC im 3-Nanometer-Verfahren gefertigt und verfügt über 140 Milliarden Transistoren sowie 216 Gigabyte High-Bandwidth-Speicher.
– Amazon: Der Trainium-3-Chip soll im Vergleich zu Nvidia-Hardware eine Kostenersparnis von 75 Prozent bringen.
– Alphabet (Google): Die TPU-V8-Chips werden nun auch an Drittanbieter verkauft – Google tritt damit in direkte Konkurrenz zu Nvidia.
Nvidia wächst weiter – aber die Wolken ziehen auf
Trotz der wachsenden Konkurrenz meldet Nvidia weiter Rekordzahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz auf 81,6 Milliarden Euro – ein Plus von 85 Prozent. Die Datacenter-Sparte trug mit 75,2 Milliarden Euro den Löwenanteil bei.
Um die Lieferketten zu sichern, hat Nvidia langfristige Verträge über High-Bandwidth-Speicher mit SK Hynix, Samsung und Micron abgeschlossen. Zudem wurde die Quartalsdividende auf 0,25 Euro angehoben und ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Euro aufgelegt. Dennoch notiert die Aktie rund 12 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Anleger sorgen sich um die Abwanderung der Hyperscaler zu eigenen Chips und mögliche Verzögerungen bei der kommenden Rubin-Plattform.
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Neue Technologien am Horizont
Der Effizienzdruck treibt auch innovative Nischenlösungen hervor. Das britische Unternehmen Oriole Networks hat Anfang Juni das erste rein photonische KI-Netzwerk in Betrieb genommen. Durch den Ersatz elektrischer Schalter durch optische Schaltkreise soll der Stromverbrauch um 81 Prozent sinken.
Parallel dazu hat Google Berichten zufolge bei Intel mehr als drei Millionen TPUs für die Produktion ab 2028 bestellt – gefertigt in Intels fortschrittlicher Packaging-Technologie. Und FuriosaAI arbeitet mit Broadcom an einer dritten Inferenzplattform, deren Muster in der ersten Hälfte des Jahres 2028 erwartet werden. Die Botschaft ist klar: Nvidia mag heute den Markt dominieren, doch die Branche rüstet sich für eine fragmentierte Zukunft, in der spezialisierte Hardware das KI-Zeitalter prägen wird.

