Die fortschreitende Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in den Arbeitsmarkt stellt die Berufsberatung vor neue Herausforderungen bei der Erstellung verlässlicher Zukunftsprognosen.
Während Experten eine Verschiebung der Betroffenheit zwischen verschiedenen Berufsfeldern beobachten, betonen Ausbilder und Fachleute in aktuellen Berichten, dass die menschliche Interaktion in der beruflichen Bildung trotz technologischer Neuerungen unersetzbar bleibe.
Wandel der Betroffenheit in akademischen und handwerklichen Berufen
Daniel Reumiller, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, erläuterte in einem aktuellen Bericht, dass Berufsfelder wie Informatik, Mediamatik und Jura heute überdurchschnittlich stark von KI-Entwicklungen betroffen seien.
Diese Disziplinen galten in der Vergangenheit oft als weitgehend resistent gegenüber technologischen Umbrüchen. Im Gegensatz dazu seien handwerkliche Berufe vorderhand weniger stark betroffen, wobei Reumiller einschränkte, dass sich diese Situation durch Fortschritte in der Robotik kurzfristig ändern könne.
Als krisensicherer stufte er Berufe ein, die eine hohe Praxisnähe, eine ausgeprägte menschliche Verantwortung und einen bestehenden Fachkräftemangel aufweisen, wie es etwa im Handwerk oder in der Pflege der Fall sei. Ergänzend hieß es vom Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich, dass pauschale Aussagen über die KI-Betroffenheit kaum möglich seien.
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Am Beispiel der kaufmännischen Berufe (KV) zeige sich, dass diese trotz wiederholter Prognosen über ihr baldiges Verschwinden weiterhin Bestand hätten, sich jedoch inhaltlich massiv verändert hätten. Berufsberater konzentrierten sich daher heute verstärkt darauf, Risiken aufzuzeigen und Strategien zu vermitteln, anstatt lediglich Berufsempfehlungen auszusprechen.
Lebenslanges Lernen als Kernkompetenz
Der Zukunftsforscher Lars Thomsen betonte die Bedeutung einer kontinuierlichen Weiterbildung. Die beste Versicherung für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre sei es, immer wieder Neues dazuzulernen und diesen Prozess positiv zu besetzen.
Thomsen beobachte zudem, dass die aktivste Lernzeit heute im Alter von 58 Jahren liege und nicht mehr primär mit 20 Jahren abgeschlossen sei. Er empfahl, KI nicht als Feind zu betrachten, sondern zu lernen, der Technologie die richtigen Fragen zu stellen. Die erfolgreichsten Berufe der Zukunft würden demnach jene sein, in denen menschliche Intelligenz mit KI kombiniert werde.
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Praxisnahe Ausbildung und die Rolle der Vorbilder
Auf der Landsberger Ausbildungsmesse in Kaufering wurde deutlich, dass KI-Anwendungen für alle Beteiligten bereits eine Rolle spielen, wobei der Umgang damit besonders für jüngere Generationen zur Normalität gehöre. Ausbilder wiesen darauf hin, dass sie maßgeblich bestimmen, wie präsent die Technologie in der Ausbildung ist. Der direkte Austausch bleibe jedoch das wichtigste Element.
Die Anforderungen an Auszubildende haben sich laut den Berichten von der Messe in den vergangenen zehn Jahren gewandelt. Bestimmte Wissensinhalte, wie etwa Maßstabsnormen oder Standardgrößen im Handwerk, müssten heute nicht mehr zwingend auswendig gelernt werden.
Ein KI-Tool könne jedoch die menschliche Begleitung und die Funktion von Vorbildern nicht ersetzen. Diese Einschätzung teilten auch Auszubildende vor Ort: So gab die Friseur-Auszubildende Hailey Vermehren an, wenig von klassischen Chatbots zu halten und im Zweifelsfall lieber andere Personen um Rat zu fragen.
Markus Dusch, Chef der Arbeitsagentur, thematisierte auf einer weiteren Ausbildungsmesse zudem die Nutzung von ChatGPT im Bewerbungsprozess. Er ordnete ein, welche Bedeutung die Technologie für Schulabgänger habe, betonte jedoch gleichzeitig, dass bestimmte Branchen, insbesondere das Handwerk, weiterhin einen starken Zulauf und stabile Zukunftsaussichten verzeichneten.

