Auf einem Fachtag des SRH-Bildungswerks Neckargemünd stand der zunehmende Einfluss künstlicher Intelligenz auf den Einstieg junger Menschen in die Arbeitswelt im Mittelpunkt. Wie aus einem Bericht hervorgeht, betonten anwesende Experten die Notwendigkeit, Fähigkeiten und Begrenzungen moderner KI-Systeme kritisch zu hinterfragen.
Da generative Technologien in Betrieben vermehrt einfache Anfängertätigkeiten übernehmen, verschieben sich die Kernanforderungen an Auszubildende und Nachwuchskräfte bereits zu Beginn der beruflichen Laufbahn.
Bildungssysteme rüsten sich für den Arbeitsmarktwandel
Die auf der Veranstaltung diskutierten Veränderungen decken sich mit aktuellen Erhebungen der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (JRC). Laut einer vorgestellten Studie setzen inzwischen rund 30 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union KI im Berufsalltag ein.
Unter Büroangestellten liegt der Anteil bei knapp 40 Prozent, während er bei einfachen Tätigkeiten lediglich 6 Prozent erreicht. Angaben von Eurostat zufolge nutzten im Jahr 2025 bereits 20 Prozent der EU-Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten entsprechende Technologien, verglichen mit 13,5 Prozent im Vorjahr.
Gleichzeitig verweist die JRC-Beschäftigtenbefragung darauf, dass KI-Weiterbildungen im europäischen Raum selten in den regulären Arbeitstag passen. Bislang berücksichtigt rund ein Drittel der nationalen Lehrpläne spezifische KI-Kompetenzen, während 29,7 Prozent der Lehrkräfte an diesbezüglichen Schulungen teilgenommen haben.
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In einem untersuchten Katalog englischsprachiger Studienangebote für das akademische Jahr 2025/2026 wiesen 10,6 Prozent der Masterprogramme und 7,1 Prozent der Kurzlehrgänge Module mit KI-Inhalten auf.
Anpassung von Lehrplänen und Prüfungen in Europa
Um Schülern frühzeitig methodische Medienkompetenz zu vermitteln, haben mehrere europäische Bildungsbehörden neue Maßnahmen ergriffen. In Frankreich führt das nationale Bildungsministerium für ausgewählte Jahrgänge der Sekundarstufe ein verpflichtendes Training ein. Die Inhalte umfassen neben generativer KI auch Aspekte des Datenschutzes, Verzerrungseffekte (Bias), Umweltfolgen sowie den verantwortungsbewussten Einsatz der Werkzeuge.
In Rumänien legte das Bildungsressort über ein PNRR-Projekt einen verbindlichen Leitfaden für Schulen vor. Dieser schließt KI in der Primarstufe komplett aus, gestattet an Gymnasien lediglich eine geführte Nutzung und erlaubt Schülern an weiterführenden Schulen (Liceu) das Heranziehen von KI-Tools unter Angabe von Quellen.
In der Schweiz ergab eine Befragung aller 26 Kantone, dass kein Kanton ein generelles KI-Verbot beabsichtigt. Stattdessen verlagern die Behörden den Schwerpunkt auf mündliche Prüfungsleistungen: Der Kanton Basel-Stadt erhöht den mündlichen Anteil der Maturaarbeit für Prüfungen nach dem 01.08.2026 auf 50 Prozent bei einem kalkulierten Mehraufwand von fünf Minuten pro Schüler; im Kanton Neuchâtel geht die mündliche Verteidigung zu 40 Prozent in die Endnote ein.
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Regionale Initiativen und Schulungsbedarf an Hochschulen
Auch auf Hochschulebene und in einzelnen Regionen greifen neue Initiativen. An der spanischen Universität Navarra absolvierten 340 Studienanfänger ein Trainingsprogramm, das in drei Online-Modulen Grundlagen, Grenzen und berufliche Umbrüche vermittelt und durch Präsenztage zur Entscheidungsfindung für das Projekt EurekAI ergänzt wird.
Auf Madeira weitet die Regionalregierung unter Miguel Albuquerque KI-Trainings auf alle Sekundarschulen inklusive privater Träger aus. Öffentliche Schulen der Insel verfügen bereits über 29 Räume für Robotik und 3D-Druck; ergänzend flossen rund 3,07 Millionen Euro aus dem Aufbau- und Resilienzplan in das Kompetenzzentrum Casa Verde in Funchal.
Wie hoch der Schulungsbedarf auch auf Seiten des Lehrpersonals ausfällt, unterstreicht eine umfrage des italienischen Forschungsinstituts Indire unter mehr als 2.000 Lehrkräften: Zwar nutzen 70 Prozent KI zur Vorbereitung des Unterrichts, über 70 Prozent fordern jedoch gezieltere Fortbildungen.

