KI im Bewerbungsprozess: 12 Prozent der Firmen nutzen sie bereits

Berufseinsteiger spüren den Wandel, während Unternehmen KI einsetzen und Fachleute bislang keinen messbaren Nettoverlust an Beschäftigung feststellen.

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Umfangreiche Medienberichte und Studienanalysen zeichnen ein detailliertes Bild davon, wie künstliche Intelligenz das Wirtschaftswachstum und die Zukunft qualifizierter Berufe verändert.

Wie aktuelle Auswertungen vom 28. September 2026 zeigen, wandelt sich der Arbeitsmarkt für Fachkräfte spürbar, wenngleich Ökonomen und Arbeitsmarktforscher bislang keinen messbaren negativen Nettoeffekt von generativer Technologie auf das gesamte Beschäftigungsniveau feststellen.

Akademiker und Einsteiger spüren den Wandel

Auf den Arbeitsmärkten geraten insbesondere Nachwuchskräfte unter Druck. Nach Auswertungen des Handelsblatts liegt die Erwerbslosigkeit von Universitätsabsolventen im Alter von 22 bis 27 Jahren in den Vereinigten Staaten laut Daten der Federal Reserve Bank of New York bereits seit 2022 über der allgemeinen Quote.

Nach Angaben von Eurostat verzeichnet auch Deutschland bei Absolventen zwischen 25 und 29 Jahren eine Erwerbslosenquote, die leicht über dem Schnitt der Gesamtbevölkerung liegt. Der Forscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verweist auf spürbar verschlechterte Rahmenbedingungen für Berufseinsteiger, was vor allem Akademiker treffe.

In Deutschland stieg die Arbeitslosenquote unter Akademikern im Vorjahr auf 3,3 Prozent, nachdem sie zwischen 2015 und 2024 kontinuierlich unter der Marke von drei Prozent gelegen hatte. Die Bundesagentur für Arbeit führt diesen Zuwachs vor allem auf die allgemeine wirtschaftliche Schwächephase sowie die Folgen der wirtschaftlichen Transformation zurück.

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Gleichzeitig zeigt die IAB-Forschung zum sogenannten Substituierbarkeitspotenzial, dass der Anteil automatisierbarer Tätigkeiten zuletzt in hochqualifizierten Berufen am stärksten zulegte, während Helfertätigkeiten sogar einen leichten Rückgang verzeichneten.

Hinsichtlich der Gehälter weist die Federal Reserve Bank über alle Fachrichtungen ein Bruttomittel von 82.000 US-Dollar pro Jahr aus. Während das Ingenieurwesen hohe Gehälter bei niedriger Erwerbslosigkeit verbucht, stehen in Naturwissenschaften und Informatik überdurchschnittlichen Verdiensten höhere Arbeitslosenquoten gegenüber.

Nach Angaben der europäischen Agentur Cedefop zählen Selbstorganisation und Lernbereitschaft derzeit zu den gefragtesten Fähigkeiten am deutschen Markt.

Rekrutierung und Unternehmensprozesse im Umbruch

Die Transformation spiegelt sich auch in den betrieblichen Abläufen wider. Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland ergab für die Kalenderwochen 18 bis 25 des Jahres 2026, dass bereits zwölf Prozent der Firmen KI im Bewerbungsprozess nutzen und 88 Prozent sich diesen Schritt vorstellen können.

Neun Prozent erstellen Stellenanzeigen mit KI-Hilfe, sechs Prozent nutzen automatisierte Prüfungen für die erste Durchsicht von Unterlagen und fünf Prozent greifen auf KI-basierte Potenzialanalysen zurück. Vor diesem Hintergrund mahnte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder mehr Rechtssicherheit bei der Umsetzung des europäischen Regelwerks EU AI Act an.

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Zugleich positionieren sich Technologiekonzerne und Finanzinstitute für den Wandel. SAP-Vorstandschef Christian Klein erklärte unlängst, die Technologie stehe in den Unternehmen kurz vor dem Durchbruch und biete die größte chance für einen weiteren operativen Schub.

Mitte Mai präsentierte der Softwarekonzern auf einer Kundenkonferenz in den USA das Konzept des autonomen Unternehmens, bei dem Software-Agenten in Prozesse integriert werden.

Bei Finanzdienstleistern wie der Wüstenrot & Württembergische AG sieht Vorstandschef Jürgen A. Junker die Zukunft in einem hybriden Modell aus Mensch und Maschine, in dem persönliche Beratung bei existenziellen Entscheidungen unverzichtbar bleibe.

Eine historische Parallele liefert eine Untersuchung von Hillary Vipond am Complexity Science Hub Vienna. Die Einführung von Nähmaschinen im viktorianischen England vernichtete binnen sechs Jahrzehnten 153.000 traditionelle Arbeitsplätze im Schuhmacherhandwerk, schuf jedoch 140.000 Stellen in neuen Bereichen.

Die Anpassung an künstliche Intelligenz werde zwar keine sechs Jahrzehnte beanspruchen, der Wandel von betrieblichen Abläufen vollziehe sich laut der Forscherin dennoch langsamer als die Entwicklung der Technologie selbst.