KI in der Wirtschaft: 54,4 Prozent aller Unternehmen setzen es ein

Eine Ifo-Umfrage belegt den rasanten Anstieg des KI-Einsatzes in deutschen Unternehmen. Besonders das Baugewerbe und kleine Betriebe treiben die Entwicklung überraschend stark voran.

Laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts vom 5. Juni 2026 setzen mittlerweile 54,4 Prozent aller Unternehmen KI-Software ein – ein Anstieg von rund 41 Prozent im Vorjahr. Das Tempo der Digitalisierung beschleunigt sich rasant.

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Vom Plan zur Praxis

Doch die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende. Weitere 16 Prozent der befragten Unternehmen planen die Einführung von KI, und 21,6 Prozent befinden sich in der Prüfungsphase. „Die Dynamik ist bemerkenswert“, kommentiert Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut. Die Zahlen zeigen: KI ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern betriebliche Realität.

Baugewerbe überrascht mit Aufholjagd

Die Industrie bleibt mit 58,7 Prozent der Spitzenreiter beim KI-Einsatz. Der Dienstleistungssektor folgt mit 56,2 Prozent, der Einzelhandel mit 45 Prozent. Besonders spektakulär ist die Entwicklung am Bau: Vor drei Jahren nutzten gerade einmal 7,1 Prozent der Bauunternehmen KI – heute sind es 39,8 Prozent. Ein Boom, den selbst Experten so nicht erwartet hatten.

Überraschend auch die Verteilung nach Unternehmensgröße: Während Großkonzerne mit 67,2 Prozent erwartungsgemäß führen, liegen kleine Betriebe mit 51,2 Prozent deutlich vor dem Mittelstand (47,2 Prozent). Offenbar sind Start-ups und Kleinunternehmen agiler bei der Einführung neuer Technologien.

Drei Viertel setzen auf Standardlösungen

Die meisten Unternehmen greifen auf kommerzielle KI-Produkte zurück – 75 Prozent nutzen sie. Kostenlose Anwendungen kommen bei 48,4 Prozent zum Einsatz. Nur 18,7 Prozent der Firmen haben eigene KI-Tools entwickelt. Die Hauptanwendungsgebiete: Verwaltung und Korrespondenz, Datenanalyse, Softwareentwicklung sowie Planung und Kundenkommunikation.

Beratungsbranche unter Druck

Besonders tief greifen die Veränderungen in der Consulting-Branche. Eine Studie von Lünendonk zeigt: 69 Prozent der deutschen Beratungsfirmen sehen KI als zentralen Umsatztreiber. Doch die Technologie frisst ihre Kinder: Kunden fordern bereits Preisnachlässe, weil KI die Arbeit effizienter macht. Die Folge: Immer mehr Beratungshäuser stellen auf Abo- oder erfolgsabhängige Modelle um.

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Neue Partnerschaften und Speziallösungen

Die Branche reagiert mit Innovationen. Erst am 5. Juni verkündete das Marktforschungsinstitut Mintel eine Partnerschaft mit Dragonfly AI. Die Technologie analysiert, wie Verbraucher Verpackungen wahrnehmen – für rund 40.000 Produkte, die monatlich weltweit auf den Markt kommen.

Im Mai starteten PwC Deutschland und der KI-Entwickler Aleph Alpha das Gemeinschaftsunternehmen creance.ai. Es konzentriert sich auf Rechts- und Compliance-Anwendungen, insbesondere für die EU-Verordnung DORA zur digitalen operationalen Resilienz. Ebenfalls im Mai schloss Accenture eine Innovationspartnerschaft mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Bereits im Januar präsentierte das Fraunhofer-Institut den „WattPredictor“ – ein KI-Tool für kurzfristige und langfristige Energieprognosen. Energieversorger wie die SWE Netz GmbH nutzen es bereits zur Verarbeitung von Massendaten für Strom-, Gas- und Wärmebedarf.

Österreich als Spiegelbild

Der Trend ist kein rein deutsches Phänomen. Eine EY-Studie unter 500 mittelständischen Unternehmen in Österreich vom März 2026 zeigt: 82 Prozent der KMU messen digitalen Technologien mittlere bis sehr hohe Bedeutung bei. Der KI-Einsatz stieg dort von 26 auf 43 Prozent binnen eines Jahres.

In der Reisebranche zeigen sich konkrete Erfolge. Karlheinz Kögel von Condor Holidays berichtet, dass KI-generierte Reisepakete in Sekunden auf Kundenwünsche zugeschnitten werden können. Das System steigerte die Konversionsrate um 27 Prozent – jeder fünfte Buchungsvorgang wird inzwischen durch KI-Suchwerkzeuge angestoßen.