In den kleinen, mittleren und mittelgroßen Unternehmen der Europäischen Union gewinnt Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung, kommt in der Praxis jedoch vor allem schrittweise zum Einsatz.
Laut einer am 14. Oktober 2026 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage setzen bereits 42 Prozent der befragten Betriebe KI oder algorithmisches Management ein. Weitere 21 Prozent planen die Einführung entsprechender Technologien. Bislang beschränkt sich die praktische Nutzung allerdings meist auf begrenzte Bereiche oder Pilotprojekte.
Menschliche Kontrolle bleibt der Standard
Die Schwerpunkte der betrieblichen Anwendung liegen vor allem im Kundenkontakt: 47 Prozent der befragten Unternehmen nutzen KI-Systeme für Kundenbeziehungen und den Support. Mit 36 Prozent folgt die Überwachung von Leistung und Produktivität, während 30 Prozent der Betriebe entsprechende Software für Logistik, allgemeine Planung sowie die Schichtplanung einsetzen.
Mehrheitlich wird der Einsatz positiv bewertet: 61 Prozent der Unternehmen betrachten KI als wertvolle Entscheidungshilfe, und 75 Prozent erwarten eine Verbesserung der Arbeitsplatzqualität. Die Letztverantwortung verbleibt dennoch fast durchgehend beim Personal.
In 90 Prozent der Organisationen treffen Menschen die finalen Entscheidungen, während lediglich zwei Prozent der befragten Betriebe auf vollautomatisierte Prozesse setzen. Vor allem im Personalwesen überwiegt die Skepsis: 49 Prozent der Unternehmen misstrauen automatisierten Entscheidungen bei Personalfragen oder äußern deutliche Zurückhaltung.
Hohe Kosten und Rechtsunsicherheit dämpfen das Tempo
Als größte Hürden für eine breitere Einführung verweist die Eurobarometer-Erhebung auf finanzielle und strukturelle Faktoren. Für 50 Prozent der Unternehmen stellen hohe Investitionskosten ein wesentliches Hindernis dar.
Dahinter folgen Rechtsunsicherheit mit 49 Prozent sowie der Mangel an qualifizierten Fachkräften mit 48 Prozent. Die Erhebung umfasste alle EU-Mitgliedstaaten; genaue Gesamtzahlen zu den teilnehmenden Betrieben wurden in den Berichten nicht genannt.
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Dass die europäische Wirtschaft bei der Technologieimplementierung insgesamt vorankommt, belegen auch Daten von Eurostat für Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in überwachten Sektoren.
Demnach stieg der Anteil der KI-nutzenden Betriebe in der Europäischen Union von 13,5 Prozent im Jahr 2024 auf 20,0 Prozent im Jahr 2025. Das Gefälle innerhalb der Staatengemeinschaft bleibt jedoch beträchtlich: Mit einer Quote von 5,2 Prozent verzeichnete Rumänien im Jahr 2025 die geringste KI-Nutzung in Europa, was einem Rückstand von 14,8 Prozentpunkten auf den EU-Durchschnitt von 20 Prozent entspricht.
Skepsis im deutschen Mittelstand
Die Zurückhaltung vieler Betriebe spiegelt sich auch in spezifischen Daten für den deutschen Markt wider. Laut einer Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die auf einer Befragung aus dem zweiten Halbjahr 2025 beruht, nutzten zwei von drei deutschen Betrieben weder KI noch planten sie deren Einführung.
Von diesen Nichtnutzern sahen 88 Prozent keine geeigneten Einsatzmöglichkeiten. Selbst in Unternehmen mit hohem beruflichen KI-Potenzial erkannten 85 Prozent der Nichtnutzer keine Anwendungsfelder, bei Betrieben mit geringem Potenzial waren es 91 Prozent.
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Dennoch legte die Nutzung generativer KI in Deutschland spürbar zu: Jeder vierte Betrieb setzte solche Systeme ein – fünfmal so viele wie noch 2023. Weitere neun Prozent planten den Einstieg. Bei tatsächlich genutzter KI lag die Quote in Betrieben mit dem höchsten beruflichen Potenzial bei 41 Prozent, verglichen mit 13 Prozent bei geringem Potenzial.
Als wesentliche Gründe für den Verzicht gaben deutsche Nichtnutzer fehlendes Wissen (36 Prozent), fehlende Fachkräfte (34 Prozent), ungeeignete Hard- oder Software (33 Prozent) sowie rechtliche Unsicherheit und Datenschutzbedenken mit jeweils 32 Prozent an.
Für 30 Prozent war die Technologie zu teuer, während lediglich sieben Prozent über enttäuschende Vorerfahrungen berichteten. Vor allem Kleinstbetriebe blieben distanziert: Fast 90 Prozent ohne KI-Plan sahen keinen Bedarf, während es bei Betrieben ab 200 Beschäftigten weniger als zwei Drittel waren.
Zudem nannte die Industrie technische und organisatorische Hindernisse um bis zu 15 Prozentpunkte häufiger als der Dienstleistungssektor, während jüngere Betriebe diese Barrieren fünf bis zehn Prozentpunkte seltener anführten.

