KI in Schulen: 92 Prozent nutzen Technologie, aber 77% ohne Schulung

Microsoft-Studie zeigt 92 Prozent KI-Nutzung im Bildungsbereich, aber mangelnde Schulung. Neue Tools wie Unit Plans und Lernassistenten sollen Lücke schließen.

Der US-Konzern stattet seine Bildungsplattform mit neuen KI-Funktionen aus – und legt einen Report vor, der die rasante Verbreitung der Technologie an Schulen belegt.

KI-Nutzung explodiert – aber die Ausbildung hinkt hinterher

92 Prozent der Schüler und Bildungsexperten setzen bereits KI für schulische Zwecke ein. Das ist das zentrale Ergebnis des aktuellen Microsoft AI in Education Report, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Studie, für die zwischen Februar und März 3.345 Teilnehmer in sechs Ländern befragt wurden, zeigt eine bemerkenswerte Diskrepanz: Während 88 Prozent der Lehrkräfte KI nutzen, fehlt es an systematischer Vorbereitung. 77 Prozent der Schüler und 53 Prozent der Pädagogen haben keinerlei formale Schulung im Umgang mit KI-Technologien erhalten.

Trotz dieser Qualifikationslücke treiben immer mehr Bildungseinrichtungen die Integration voran. 58 Prozent der Schulen befinden sich demnach bereits in der Einführungs- oder Ausbauphase von KI-Lösungen. Ein zentrales Hindernis bleibt jedoch das Misstrauen: 41 Prozent der Schüler und 42 Prozent der Lehrkräfte nennen akademische Integrität als größte Sorge.

Neue Werkzeuge für den Unterrichtsalltag

Microsoft reagiert auf diese Entwicklung mit einem umfassenden Update seiner 365 Education-Plattform. Ein neues Tool namens „Unit Plans“ ermöglicht es Lehrkräften, Unterrichtspläne, Bewertungsraster und Klassenaktivitäten per natürlicher Spracheingabe zu erstellen – basierend auf vorhandenen Dateien aus OneDrive.

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Für Schüler bringt Microsoft zwei neue Assistenten: den „Study and Learn Agent“ und „Copilot Notebooks“, die personalisierte Lernunterstützung bieten sollen. Eine „Learning Zone“ für Live-Unterricht sowie „Learning Groups“ ergänzen das Paket, das im dritten Quartal 2026 ausgerollt wird. Um die ethische Nutzung zu gewährleisten, führt das Unternehmen zudem Student AI Guidelines ein – klare Richtlinien, die Schulen dabei helfen sollen, Grenzen für akademische Arbeiten zu definieren.

Digitale Sicherheit für Jugendliche

Parallel zu den Bildungsfunktionen startete Microsoft am Mittwoch die Initiative „Behind The Chat“. Das Programm bietet Ressourcen, die Teenagern helfen sollen, sicherere Gewohnheiten im Umgang mit KI zu entwickeln. Entwickelt wurden die Materialien gemeinsam mit 131 Schülern in Singapur und Indien. Die begleitende Forschung ergab: 59 Prozent der Jugendlichen vertrauen sich KI an, weil sie keine Verurteilung fürchten – ein deutliches Signal für den Bedarf an Orientierung zu emotionalen und sozialen Grenzen der Technologie.

Für die berufliche Weiterbildung von Lehrkräften schafft Microsoft einen neuen AI Literacy for Educators-Zertifizierungspfad. Unternehmensvertreter betonen, dass KI-Kompetenz über reines Prompt-Engineering hinausgehen müsse – es brauche ein tieferes Verständnis dafür, wo und wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann. KI solle beispielsweise nicht zur Benotung verwendet werden.

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Wettbewerb im EdTech-Markt verschärft sich

Die Neuerungen bei Microsoft 365 Education fallen in eine phase intensiver Aktivität im Bildungstechnologiesektor. Ende Juni 2026 kündigte auch Google neue vernetzte KI-Tools an, darunter Study Notebooks auf Basis der Gemini-Plattform. Parallel dazu baute Canva seine Präsenz im Vereinigten Königreich aus und schloss sich Schottlands Glow-Plattform an. Instructure, Betreiber des Lernmanagementsystems Canvas, designierte Copyleaks als exklusiver Partner für KI- und Textabgleich, um die akademische Integrität zu stärken.

Der Wettlauf um die KI-gestützte Bildung der Zukunft hat damit eine neue Runde eingeläutet – und die Frage, wie Schulen mit den neuen Möglichkeiten und Risiken umgehen, wird für Lehrkräfte, Schüler und Eltern gleichermaßen zur Herausforderung.