KI in Unternehmen: 42 Prozent fehlt ein klarer Zweck für den Einsatz

Viele Firmen erproben KI, doch Sicherheitsvorkehrungen und die Einbindung in betriebliche Abläufe bleiben begrenzt.

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Während der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der deutschen Wirtschaft formal zunimmt und Berichten zufolge eine Nutzung durch rund 85 Prozent der Unternehmen erwartet wird, tun sich viele Betriebe mit der strategischen Ausrichtung schwer.

Wie aus aktuellen Berichten vom 7. Oktober 2026 hervorgeht, geben 42 Prozent der Unternehmen weiterhin keinen klaren Nutzen oder Zweck für die Einführung der Technologie an. Eine wachsende Zahl an Betrieben experimentiert zwar mit Softwarewerkzeugen, bindet diese jedoch nur selten in tiefgreifende operative Abläufe ein.

Sicherheitsdefizite und unklare Prozesse bei der Einführung

Die Diskrepanz zwischen technologischer Erprobung und organisatorischer Reife zeigt sich auch in einer gemeinsamen Erhebung des TÜV-Verbands und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Laut der im Juli 2026 durchgeführten Forsa-Befragung unter 505 deutschen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern nutzen rund 50 Prozent Künstliche Intelligenz.

Gleichzeitig testen lediglich 50 Prozent der Anwender ihre KI-Anwendungen vorab auf Sicherheitsrisiken. Spezielle Prozesse für den Umgang mit KI-Sicherheitsvorfällen haben lediglich 11 Prozent der befragten Firmen etabliert.

Weitere 43 Prozent der Unternehmen greifen im Ernstfall auf allgemeine IT-Sicherheitsprozesse zurück, die keine spezifischen KI-Regeln enthalten. Rund 20 Prozent erarbeiten solche Vorgaben derzeit, während ein Viertel der Betriebe über keinerlei Regelungen verfügt und 2 Prozent mit Unwissenheit reagierten.

Diese Lücken treffen auf eine zunehmende Bedrohungslage: 17 Prozent der befragten Firmen verzeichneten oder vermuteten in den vorangegangenen zwölf Monaten KI-gestützte Angriffe. Bei diesen Attacken sahen 40 Prozent Anzeichen automatisierter Angriffe, während neun von zehn Vorfällen auf Phishing zurückgeführt wurden.

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Textarbeit dominiert vor echter Prozessautomatisierung

Bei den Einsatzbereichen dominieren einfache Hilfsfunktionen. Von den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, nutzen 96 Prozent die Programme zur Erstellung von Texten, Bildern oder Programmcode. Häufig verwendete Werkzeuge sind dabei ChatGPT, Microsoft Copilot und Canva. Dagegen setzen lediglich 31 Prozent KI für die eigene IT-Sicherheit ein, und nur jedes vierte Unternehmen nutzt die Systeme zur Automatisierung operativer Betriebsabläufe.

Zudem stehen viele Betriebe der Technologie weiterhin grundsätzlich ablehnend gegenüber. Während 9 Prozent der Befragten einen Start innerhalb der kommenden zwölf Monate anstreben, nutzen 42 Prozent der Firmen keine KI und planen dies auch künftig nicht.

Unter diesen Skeptikern führen 53 Prozent Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als Hauptgrund an. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, zögern deutsche Firmen bei der tiefergehenden Integration der Technologie.

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Experten mahnen vor diesem Hintergrund verbindliche Standards an. Der Chef des TÜV-Verbands, Stenkamp, verwies darauf, dass KI die Bedrohungslage verschärfe und eine spürbare Haftungsunsicherheit bestehe, weshalb gesetzliche Vorgaben für einen Grundschutz sinnvoll seien.

BSI-Vizepräsident Caspers betonte wiederum, dass das wirtschaftliche Potenzial hierzulande bislang nicht ausgeschöpft sei und die Abhängigkeit von US-amerikanischen sowie chinesischen Anbietern verringert werden müsse.

Praxisanwendungen zwischen Schulungsoffensiven und Einzelfallnutzung

Dass die Implementierung mit regulatorischen und organisatorischen Hürden verbunden ist, zeigt die Praxis deutscher Betriebe. Das Handelsunternehmen OTTO startete ein Qualifizierungsprogramm für 37 Mitarbeiter, die in Fachbereichen konkrete Anwendungsfälle für generative KI identifizieren und priorisieren sollen, gestützt auf fünftägige Schulungen durch den Digitalverband Bitkom.

Die deutsche Steuerberatungsgruppe HSP Gruppe führte ihrerseits ChatGPT Enterprise ein, um Arbeitskräfte bei Textentwürfen und Routineaufgaben zu entlasten, wobei Datenschutz und administrative Kontrollmöglichkeiten im regulierten Beratungsumfeld als Voraussetzung galten.

Parallel dazu bereitet sich die Wirtschaft auf die Implementierung des europäischen AI Acts vor, der strenge Vorgaben für Hochrisikobereiche wie die Energiewirtschaft, das Personalwesen und den Medizinsektor festlegt. Zur Umsetzung dieser regulatorischen Anforderungen erarbeitet unter anderem das TÜV AI.Lab spezifische Prüf- und Zertifizierungsverfahren.