KI in Versicherungen: 80 Prozent erwarten bis 2028 Kostensenkungen

Versicherer erwarten bis 2028 höhere Effizienz und Erlöse, während Governance, Kundenvertrauen und Compliance zentrale Herausforderungen bleiben.

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Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in den Kernsystemen der globalen Versicherungsbranche als Standard etabliert. Laut einer Untersuchung von S&P unter 121 weltweit bewerteten Rück- und Erstversicherern, die rund 38 % der bewerteten Branchenaktiva repräsentieren, rechnet der Sektor bis zum Jahr 2028 mit spürbaren wirtschaftlichen Impulsen. Demnach erwarten die Unternehmen durch den Einsatz von KI Effizienzgewinne zwischen 6 % und 7 % sowie Umsatzverbesserungen von 4 % bis 5 %.

Der technologische Wandel spiegelt sich massiv in den Bilanzen wider. Während im Jahr 2025 lediglich 16 % der Versicherer Kosteneinsparungen von mehr als 3 % durch KI-Anwendungen erwarteten, soll dieser Anteil bis 2028 auf 80 % ansteigen. Um diese Ziele zu erreichen, planen die Unternehmen, ihren KI-Anteil an den Technologiebudgets in den kommenden drei Jahren mehr als zu verdoppeln.

Governance und regulatorische Rahmenbedingungen

Parallel zur technischen Implementierung gewinnt die Kontrolle der Systeme an Bedeutung. Fast alle befragten Versicherer haben bereits Governance-Rahmenwerke etabliert oder befinden sich in deren Entwicklung.

Rund zwei Drittel der Unternehmen führen mittlerweile detaillierte Inventare ihrer KI-Modelle. S&P wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Mängel in der Governance die Kreditqualität beeinträchtigen könnten, wenngleich es im Sektor bislang keine KI-bedingten Ratingmaßnahmen gab.

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Branchenexperten drängen zudem auf eine verstärkte Aufsicht. Das Institute and Faculty of Actuaries (IFoA) veröffentlichte ein Manifest, das eine frühzeitige Einbindung von Aktuaren fordert, um die Sicherheit und regulatorische Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.

Eine Umfrage von hyperexponential verdeutlicht dabei einen Stimmungsumschwung in der Belegschaft: Der Anteil der Aktuare, die eine Verdrängung durch KI befürchten, sank von 80 % im Jahr 2024 auf nun 49 %. Ein Beispiel für diese Koexistenz ist ein Pilotprojekt von Aviva, bei dem ein aktuarieller Agent die gewerbliche Preisgestaltung unterstützt.

Technologische Fortschritte in der Produktentwicklung

Zahlreiche Dienstleister bringen neue Lösungen auf den Markt, um die Implementierung zu beschleunigen. Das Unternehmen Peak3 stellte mit Graphene Harness einen KI-gestützten Entwicklungszyklus vor, der die Kosten und die Zeit für die Wartung und Implementierung von Versicherungssoftware bereits um 50 % gesenkt haben soll. Langfristig strebt das Unternehmen, das jährlich über 1 Milliarde Policentransaktionen verarbeitet, Kostensenkungen von bis zu 80 % an.

Auch im Underwriting schreitet die Automatisierung voran. The Mutual Group kündigte eine Partnerschaft mit Nativeorange an, um eine Arbeitsumgebung auf Basis von Google Cloud und Gemini Enterprise zu schaffen. Das System soll unter anderem die Antragserfassung und Workflow-Orchestrierung automatisieren.

Im Bereich der Schadensprüfung bietet Elysian neue Werkzeuge an, die eine tägliche Überwachung offener Schäden ermöglichen. Während traditionelle Audits oft nur 2 % eines Portfolios erfassen, versprechen solche KI-Anwendungen eine lückenlose Analyse.

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Risikowahrnehmung und Kundenvertrauen

Trotz der technischen Vorteile bleibt das Vertrauen der Kunden eine Herausforderung. Eine Studie von Hi-Marley unter Führungskräften und Versicherungsnehmern offenbart eine Diskrepanz: Während 85 % der Manager glauben, dass KI das Kundenvertrauen stärkt, teilen nur 40 % der Versicherten diese Einschätzung. Besonders kritisch wird die Erreichbarkeit menschlicher Ansprechpartner gesehen; zwei Drittel der Kunden äußerten hier Besorgnis.

Gleichzeitig steigt die Komplexität der Risiken. Eine gemeinsame Analyse des Swiss Re Institute und der LSE zeigt, dass die Verbindungen zwischen verschiedenen Risiken in den Berichten von Fortune-100-Unternehmen seit 2019 um 24 % zugenommen haben.

Insbesondere KI-, Technologie- und Klimarisiken entwickeln sich zu zentralen Verknüpfungspunkten. So liegen beispielsweise über 40 % der US-Rechenzentren in Gebieten mit erheblichem Tornadorisiko, was die Verwundbarkeit der digitalen Infrastruktur unterstreicht.

Während US-Schaden- und Unfallversicherer im Jahr 2025 einen Netto-Underwritinggewinn von 60,9 Milliarden US-Dollar erzielten, warnen Berater davor, dass mangelnde Compliance die Erfolge gefährden kann. Laut einer Erhebung von Grant Thornton führten Governance-Probleme bei 44 % der Versicherungsmanager bereits zu einer Unterperformance ihrer KI-Projekte.

Zudem sieht sich die Branche mit rechtlichen Hürden konfrontiert: Klagen gegen US-Krankenversicherer wie UnitedHealth, Humana und Cigna werfen diesen mutmaßlich KI-gestützte unberechtigte Leistungsablehnungen vor, wobei diese Vorwürfe gerichtlich noch nicht bestätigt sind.