000-Megawatt-Datenzentrum-Komplex im US-Bundesstaat South Carolina eskaliert. Die Behörden von Colleton County stehen unter massivem Druck, die Expansion von KI-Rechenzentren zu stoppen. Grund sind massive Bedenken hinsichtlich Energieverbrauch, Wassernutzung und der Zerstörung des ACE-Basin-Ökosystems, eines der größten geschützten Ästuargebiete an der Atlantikküste.
Die Diskussion hat sich in den vergangenen Tagen auf ein mögliches Moratorium für neue Bauanträge zugespitzt. Hintergrund ist die Einführung des Gesetzesentwurfs Bill 5526 in South Carolina, der ein landesweites Verbot von Genehmigungen für Datenzentren vorsieht – bis die Generalversammlung einen umfassenden Aufsichtsprozess etabliert hat.
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Das Eagle-Rock-Projekt: Gigantismus auf dem Land
Im Zentrum der Kontroverse steht ein gewaltiges Vorhaben der Entwickler Eagle Rock Partners und Thomas & Hutton. Geplant ist ein rund 850 Hektar großer Campus auf ländlichem Waldgebiet entlang der Cooks Hill Road südlich von Walterboro. Die vorläufigen Pläne umfassen neun große Industriegebäude und betreffen mehr als 80 Hektar Feuchtgebiete.
Branchenanalysten zufolge wäre die 1.000-Megawatt-Kapazität einer der größten Datenzentrum-Komplexe in den USA. Ken Loeber, ein Vertreter von Eagle Rock, erklärte bei einer Anhörung, das Projekt werde nur 0,6 Hektar Feuchtgebiete beeinträchtigen. Doch die mögliche Ausdehnung auf eine 1.050 Hektar große Fläche hat bei den Anwohnern Ängste ausgelöst, die wegen des ländlichen Charakters in die Region gezogen sind.
Der Energiebedarf ist enorm: Schätzungen zufolge würde der Campus so viel Strom verbrauchen wie Hunderttausende Haushalte. Um diese Nachfrage zu decken, haben die staatlichen Versorger Santee Cooper und Dominion Energy South Carolina den Bau eines neuen 2.200-Megawatt-Gaskraftwerks am Edisto River beantragt – nur rund 24 Kilometer vom geplanten Datenzentrum entfernt.
Rechtliche und politische Gegenwinde
Der Druck für ein Moratorium erhielt Anfang Januar durch eine Klage lokaler Grundstückseigentümer neuen Schwung. Jennifer Singleton und Miles Crosby, vertreten durch das Southern Environmental Law Center (SELC), fochten eine Zonenänderung des Colleton County Council aus dem Jahr 2025 an. Die Verordnung führte „Datenzentren“ als Sondernutzung in ländlichen Bezirken ein.
Die Kläger argumentieren, der Landkreis habe die Änderungen ohne ausreichende Transparenz vorgenommen. Die Verordnung widerspreche zudem dem eigenen Flächennutzungsplan, der das Gebiet als „Landschaftsschutz“ ausweise. Anwohner berichten, dass das Industrievorhaben zunächst unter dem Codenamen „Project Quail“ verhandelt wurde – mit Geheimhaltungsvereinbarungen, die die Öffentlichkeit bis zur Endphase des Genehmigungsprozesses ausschlossen.
Parallel dazu haben sich die Staatspolitiker eingeschaltet. Im Frühjahr forderten sieben Mitglieder der Colleton-County-Delegation – über 90 Prozent des Stimmgewichts – den County Council offiziell auf, das Projekt abzulehnen. Senator Chip Campsen bezeichnete das ACE Basin als die bedeutendste Naturschutzleistung des Staates und argumentierte, es bestehe kein Bedarf für eine solche Anlage an diesem Standort.
Der Gesetzesentwurf Bill 5526 vom April 2026 verkompliziert die Lage für die Entwickler zusätzlich. Bei Verabschiedung würde er alle Datenzentrum-Projekte in South Carolina einfrieren, bis ein „Data Center Development Office“ innerhalb der Umweltbehörde eingerichtet ist.
Infrastruktur und Ressourcenkonflikte
Die Umweltargumente konzentrieren sich auf die „externen Kosten“ der Datenzentrum-Industrie. Neben der schieren Größe der Gebäude benötigen die Anlagen kontinuierlich Wasser zur Kühlung. Obwohl moderne Kreislaufsysteme effizienter sind, würde Eagle Rocks Projekt schätzungsweise 45.000 Liter Wasser pro Tag verbrauchen.
Der Strom bleibt der Hauptstreitpunkt. Versorgungsbeamte von Dominion Energy und Santee Cooper sagten Anfang des Jahres aus, dass Datenzentren zwischen 65 und 70 Prozent ihres künftigen Lastwachstums ausmachen. Dies hat Befürchtungen genährt, dass private Haushalte letztlich die Kosten für Infrastruktur-Upgrades tragen könnten.
Robby Maynor, Klima-Kampagnenmitarbeiter beim SELC, betont, dass Datenzentren mehr Ressourcen verbrauchen als traditionelle Fertigungsbetriebe. Er fordert, solche Anlagen auf etablierte Industriegebiete zu beschränken – nicht in ländlichen oder ökologisch sensiblen Gebieten wie dem ACE Basin zuzulassen.
Branchenkontext: Kein Einzelfall
Die Situation in Colleton County ist kein Einzelfall. In ganz South Carolina überdenken Gemeinden ihre Gastfreundschaft gegenüber dem Datenzentrum-Boom. In Spartanburg County gab ein Entwickler kürzlich Pläne für eine Drei-Milliarden-Euro-Anlage auf, nachdem der Stadtrat gegen ein Steueranreizpaket stimmen wollte.
Auch in York County gibt es neue Bedenken wegen eines 160 Hektar großen Campus von QTS. Googles langjähriger Betrieb in Berkeley County steht wegen des Wasserverbrauchs in der Kritik. Stand Mai 2026 hat South Carolina drei aktive Datenzentren und zehn geplante Projekte mit einer Gesamtkapazität von mehreren hundert Megawatt.
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Während Entwickler wie Eagle Rock auf den „KI-Wettlauf“ und die Notwendigkeit amerikanischer Technologieführerschaft verweisen, geraten lokale Regierungen zunehmend zwischen Steuereinnahmen und Bürgerprotesten. In Colleton County könnten die Einnahmen zwar den ländlichen Haushalt stützen – doch Kritiker argumentieren, dass die Gesundheits- und Umweltkosten die fiskalischen Vorteile überwiegen.
Ausblick: Stillstand als Chance
Der Board of Zoning Appeals von Colleton County hat noch keine öffentliche Anhörung für die erforderliche Sondergenehmigung des Eagle-Rock-Projekts angesetzt. Die Entwickler haben seit dem massiven öffentlichen Widerstand im Dezember keinen geänderten Bauantrag eingereicht.
Während die Generalversammlung von South Carolina weiter über Bill 5526 debattiert, dient das mögliche lokale Moratorium als vorübergehender Schutz für Anwohner, die irreversible Landnutzungsentscheidungen fürchten. Der Ausgang der Singleton-Klage dürfte zudem einen rechtlichen Präzedenzfall dafür schaffen, wie ländliche Zonen für aufstrebende Industrien geändert werden können.
Die Zukunft des 1.000-Megawatt-KI-Campus bleibt ungewiss. Das Zusammenspiel von staatlicher Regulierung und lokalen Klagen hat eine phase der Stagnation geschaffen – und damit Zeit für eine gründliche Bewertung der langfristigen Auswirkungen des digitalen Infrastrukturbooms auf die Naturlandschaft des Lowcountry.

