Die vier großen US-Technologiekonzerne Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft steuern für das laufende Jahr auf ein historisches Niveau bei Investitionsausgaben für KI-Infrastruktur zu. Nach Berechnungen von pomegra.io wird die kollektive Kapitalausstattung der Hyperscaler für 2026 auf 750 bis 770 Milliarden US-Dollar taxiert – ein Anstieg von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Schweizer Großbank UBS kommt in einer eigenen Analyse zu noch höheren Zahlen und rechnet mit Hyperscaler-Investitionen von 1,009 Billionen US-Dollar für 2026, gefolgt von 1,447 Billionen US-Dollar 2027 und 1,619 Billionen US-Dollar 2028. Über den gesamten Zeitraum summiere sich dies auf 4,1 Billionen US-Dollar, verglichen mit 492 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Laut UBS geben Amazon, Alphabet und Microsoft im laufenden Jahr 102 Prozent ihrer Cloud-Umsätze für Investitionsausgaben aus.
UBS-CIO Mark Haefele erklärte, die KI-Investitionen blieben robust, auch wenn sich das Wachstumstempo verlangsame; für 2027 rechnet die Bank mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Billionen US-Dollar, ein Plus von 33 Prozent gegenüber 2026.
Alphabet erstmals mit negativem Free Cashflow
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen der Investitionsoffensive bei Alphabet. Der Google-Mutterkonzern verzeichnete im zweiten Quartal 2026 erstmals seit dem Börsengang 2004 einen negativen Free Cashflow von minus 5,85 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig meldete Alphabet Investitionsausgaben von 44,9 Milliarden US-Dollar, einen Umsatzanstieg von 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar sowie ein operatives Ergebnis, das um 30 Prozent auf 40,8 Milliarden US-Dollar zulegte.
Die Cloud-Sparte Google Cloud wuchs um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Für 2026 rechnet Alphabet mit Investitionsausgaben von 195 bis 205 Milliarden US-Dollar, bei einem operativen Cashflow der vergangenen zwölf Monate von 53,3 Milliarden US-Dollar.
Zur Finanzierung nahm Alphabet zudem eine Anleihe in australischen Dollar über 5,5 Milliarden australische Dollar (umgerechnet rund 3,9 Milliarden US-Dollar) mit Laufzeiten von drei bis 20 Jahren und einem Kupon von 6,9 Prozent auf; die Nachfrage überstieg mit mehr als 18 Milliarden australischen Dollar das Angebot deutlich.
Off-Balance-Sheet-Verpflichtungen erreichen Billionenhöhe
Morgan Stanley weist in einer Analyse darauf hin, dass die fünf großen Hyperscaler zusammen mit Nvidia und Broadcom außerbilanzielle Verpflichtungen – etwa Garantien und Leasingvereinbarungen für KI-Infrastruktur – von mehr als 3,1 Billionen US-Dollar aufgebaut haben. Alphabet trägt daran mit 890 Milliarden US-Dollar den größten Anteil.
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Die undiskontierten Verpflichtungen belaufen sich laut Morgan Stanley auf mehr als 2,7 Billionen US-Dollar, was etwa drei Jahren operativen Cashflows entspreche. Die Bank rechnet zudem mit Rechenzentrums-Investitionen von 3 Billionen US-Dollar bis 2028 und einer Finanzierungslücke von 1,5 Billionen US-Dollar.
Um den Kapitalbedarf zu decken, griffen die Hyperscaler verstärkt zum Anleihemarkt: Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Morgan Stanley bereits 225 Milliarden US-Dollar an Hyperscaler-Anleihen emittiert, für das Gesamtjahr wird ein Volumen von 400 Milliarden US-Dollar erwartet – ein Anstieg von nahezu 1.000 Prozent.
Andere Marktbeobachter stützen den Trend zu weiter beschleunigten Ausgaben: Für die vier größten Hyperscaler Amazon, Google, Meta und Microsoft werden 2026 rund 725 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur veranschlagt, für den Zeitraum 2026 bis 2031 insgesamt 7,6 Billionen US-Dollar – eine Summe, die laut dem Internationalen Währungsfonds der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt entspräche.
Einzelne Konzernzahlen und Marktreaktion
Auch bei den übrigen Hyperscalern zeigt sich das Ausgabetempo: Microsoft meldete für das Geschäftsjahr 2026 Investitionsausgaben von 115,95 Milliarden US-Dollar, davon 35,8 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal. Amazon investierte im zweiten Quartal 54,21 Milliarden US-Dollar, während der Auftragsbestand von AWS auf 496 Milliarden US-Dollar anwuchs.
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Meta wiederum finanzierte ein Rechenzentrumsprojekt in Louisiana mit 27 Milliarden US-Dollar an außerbilanziellen Schulden. Nvidia stellte für ein 20-jähriges Leasingabkommen mit OpenAI in Ohio eine Garantie von bis zu 105 Milliarden US-Dollar in Aussicht und erwartet für das dritte Quartal einen Umsatz von 104,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 82,8 Prozent.
Trotz der hohen Investitionssummen konnten Hyperscaler-Aktien den Philadelphia Semiconductor Index, der um 75 Prozent zulegte, nicht übertreffen. Aktien von CoreWeave stiegen um 50 Prozent, Nebius um 200 Prozent. Investor Jim Cramer sieht im politischen Widerstand gegen neue Rechenzentren in Bundesstaaten wie Texas und Pennsylvania sogar einen Vorteil für die etablierten Hyperscaler, da dieser spekulative kleinere Bauherren aus dem Markt dränge.

