KI-Investitionen boomen, doch die Produktivität stagniert

Eine umfassende Untersuchung stellt den erwarteten KI-Produktivitätsschub infrage. Trotz hoher Nutzungsraten sehen die meisten Manager keine Effekte auf Effizienz oder Jobs.

Eine bahnbrechende Studie des US-Forschungsinstituts NBER stellt den erwarteten Produktivitätsschub durch Künstliche Intelligenz infrage. Obwohl rund 70 Prozent der Unternehmen KI nutzen, sehen über 80 Prozent der Führungskräfte keine spürbaren Effekte auf Beschäftigung oder Effizienz. Die Ergebnisse fordern die Wirtschaft zum Umdenken auf.

Hohe Akzeptanz, geringe Wirkung

Die am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung mit fast 6.000 Führungskräften aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Australien offenbart ein Paradox: Die Technologie ist allgegenwärtig, ihr Nutzen bleibt jedoch häufig aus. „Die Studie widerlegt die Erzählung von der sofortigen Transformation“, analysiert ein Experte. Stattdessen stecken viele Firmen in einer Experimentierphase fest.

Besonders für Vertriebs- und Betriebsabteilungen, die KI oft als erste einführen, stellt sich die Frage nach der Rentabilität der Investitionen. Die Technologie sei zwar vorhanden, aber nicht tief in die Kernprozesse integriert. Ein ähnliches Bild zeichneten bereits frühere Analysen: Neun von zehn Organisationen nutzen KI, doch nur ein Bruchteil generiert damit nennenswerten Mehrwert.

Trotz Flaute: Investitionswelle rollt weiter

Die ernüchternden Produktivitätsdaten bremsen die Ausgaben nicht. Im Gegenteil: Der Großteil der Einzelhändler plant, seine KI-Budgets im kommenden Geschäftsjahr weiter aufzustocken. In einigen Branchen stieg die Nutzungsrate von 55 auf 78 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Getrieben wird dieser Boom vom Wettlauf um die digitale Vorherrschaft. KI-gestützte Personalisierung soll die Umsatzraten steigern, optimierte Logistik die Betriebskosten senken. Der Fokus liegt auf konkreten Anwendungen wie der Automatisierung des Kundenservice oder der Lagerverwaltung. Doch der Sprung von Einzellösungen zur unternehmensweiten Skalierung gelingt offenbar nur selten.

Die Integrationslücke als Haupthürde

Der Weg von Pilotprojekten zur flächendeckenden Integration erweist sich als kritische Schwachstelle. Echte Wettbewerbsvorteile entstehen nicht durch die Anschaffung von Tools, sondern durch deren nahtlose Einbettung in bestehende Abläufe. In der Industrie zeigt sich bereits ein Kurswechsel: KI wird zunehmend für die Lieferkettenplanung und Prozessoptimierung eingesetzt – also direkt in der Fertigung.

Diese Fokussierung auf messbare Anwendungsfälle könnte der Schlüssel sein, um die erhoffte Produktivitätssteigerung doch noch zu erreichen. Die aktuelle Situation erinnert an historische Technologiesprünge: Auch Elektromotor und PC brauchten Jahre, bis Unternehmen ihre Prozesse grundlegend daran ausrichteten.

Vom Hype zum strategischen Einsatz

Die NBER-Studie zwingt zu einer Neubewertung. Die größte Herausforderung ist nicht mehr die Beschaffung der Technologie, sondern die Neugestaltung von Arbeitsabläufen. Dazu gehören angepasste Prozesse, Mitarbeiterschulungen und klare Governance-Strukturen.

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Für Vertriebsleiter bedeutet das, den gesamten Verkaufszyklus mit KI im Kern zu denken. Für Betriebsmanager geht es darum, Vorhersagemodelle für widerstandsfähigere Lieferketten zu nutzen. Der Erfolg wird künftig nicht an der Anzahl der KI-Tools gemessen, sondern an der Fähigkeit, einen Kreislauf aus datengestützten Erkenntnissen und effizienteren Operationen zu schaffen. Die Ära der KI-Einführung ist vorbei – jetzt beginnt die Ära der sinnvollen Nutzung.