Massive Investitionen in große Modelle künstlicher Intelligenz könnten nach Einschätzung prominenter Marktbeobachter zu einer deutlichen Marktkorrektur führen. Auslöser seien Anzeichen dafür, dass die tatsächliche Nachfrage hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückbleibt, während die Finanzierung der Infrastruktur zunehmend auf Fremdkapital basiert.
Insbesondere Bridgewater-Gründer Ray Dalio warnte vor einer gefährlichen Blasenbildung an den Finanzmärkten, während führende US-Aktienindizes im selben Zeitraum noch Rekordstände markierten.
Schuldenfinanzierter Ausbau erhöht Anfälligkeit
Dalio erklärte auf der Forbes Global CEO Conference in Singapur, dass die Entwicklung im Bereich künstlicher Intelligenz mit massiven Schulden vorangetrieben werde. In einem Umfeld hoher Zinsen steige das Risiko, dass diese Blase platze.
Zwar prognostiziere er keinen unmittelbaren Absturz, doch befinde sich der Markt in einer riskanten Phase des Zyklus, in der die Fehlermargen rapide schrumpften. Zudem schwinde das Polster, das die Anleihemärkte den Aktien traditionell bieten. Dalio empfahl Anlegern vor diesem Hintergrund mehr Diversifikation, Inflationsschutz sowie eine stärkere Ausrichtung auf weniger beachtete Marktteilnehmer.
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Parallel dazu mehren sich die Warnsignale an den Kreditmärkten. Das Volumen neuer Schuldtitel von Technologieunternehmen zur Finanzierung von KI-Projekten brach im Vormonat deutlich ein, da Investoren die Branchenrisiken nach einer Phase starker Kreditaufnahme neu bewerten. Zugleich weiteten sich die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen mehrerer großer Technologiekonzerne spürbar aus.
Wachsende Zweifel an langfristiger Rentabilität
Ökonomen weisen auf die gesamtwirtschaftlichen Dimensionen des Booms hin. Torsten Slok, Chefökonom bei Apollo, merkte an, dass die Ausgaben für Rechenzentren und Infrastruktur erhebliche Mengen an Kapital, Strom und Arbeitskräften binden und damit andere Sektoren verdrängen.
Während höhere Finanzierungskosten Branchen wie Immobilien und Automobile belasten, sei der Investitionsanstieg bei Hyperscalern bislang kaum gebremst worden. Schätzungen zufolge könnten deren Kapitalausgaben in den nächsten zwölf Monaten die Marke von 900 Milliarden US-Dollar übertreffen, was die Kluft zum freien Cashflow weiter vergrößere.
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Auch Strategen anderer Investmenthäuser äußerten zuletzt Bedenken. Joachim Klement vom Analysehaus Panmure Liberum rechnet für die Jahre 2027 oder 2028 mit einer schweren Bereinigung, die für den S&P 500 und den europäischen Stoxx 600 erhebliche Kursverluste bedeuten könnte.
Chris Wood von Jefferies warnte in einem aktuellen Strategiebericht ebenfalls vor einer massiven Kapitalvernichtung, sollte der Kreditmarkt die Finanzierung einschränken oder sollten die Erträge hinter den Prognosen zurückbleiben.
Demgegenüber verweisen Unternehmensvertreter wie Matt Garman, Chef von Amazon Web Services, darauf, dass Firmenkunden bei den aktuellen KI-Fähigkeiten und -Kosten bereits messbare Geschäftsrenditen erzielen. An den Kapitalmärkten wächst dennoch die Besorgnis, dass ein Ausbleiben kurzfristiger Monetarisierungserfolge eine Kettenreaktion auslösen könnte.

