Analysen von Goldman Sachs Research zufolge steuern die weltweiten Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) auf einen historischen Höchststand zu. Im Jahr 2026 sollen die globalen Investitionen in diesem Sektor ein Volumen von rund 1 Billion US-Dollar erreichen. Damit setzt sich der Trend eines massiven Kapitalzuflusses fort, der bereits in den Vorjahren eingesetzt hat: Bis Ende 2026 werden die kumulierten Investitionen seit 2022 auf insgesamt 1,8 Billionen US-Dollar geschätzt.
Der Anteil dieser Ausgaben am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll laut den Analysten stetig wachsen. Während der Wert für das Jahr 2026 auf 0,9 % prognostiziert wird, erwarten Experten für 2027 einen Anstieg auf 1,3 % und für 2028 auf 1,4 % des weltweiten BIP.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in den USA, wo die KI-Investitionen im Jahr 2026 bei 581 Milliarden US-Dollar liegen sollen. Bis zum Jahr 2028 könnten diese Ausgaben dort einen Anteil von 2,8 % am nationalen BIP erreichen.
Infrastruktur und Hardware als Wachstumstreiber
Ein wesentlicher Teil des Kapitals fließt in den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Große Technologieunternehmen investieren im Jahr 2026 schätzungsweise über 500 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren, Chips und Energieversorgung – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, in dem die Ausgaben zwischen 300 und 380 Milliarden US-Dollar lagen.
In einer noch optimistischeren Schätzung wird für US-Technologieunternehmen sogar ein Potenzial von 900 Milliarden US-Dollar für derartige Infrastrukturprojekte im Jahr 2026 gesehen, das im Folgejahr auf 1,4 Billionen US-Dollar ansteigen könnte.
Flankiert wird dieser Ausbau durch großflächige Finanzierungsinitiativen. Goldman Sachs unterstützt eine Initiative von Nvidia, die über 500 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur mobilisieren soll. Zu den beteiligten Partnern gehören namhafte Akteure wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield und KKR.
Nvidia selbst stellt dabei eine Absicherung von bis zu 125 Milliarden US-Dollar bereit, was 25 % des Volumens entspricht. Trotz dieser Dynamik verweisen Analysten auf Risiken wie mögliche Doppelzählungen bei Investitionsindikatoren, obwohl sich Halbleiterimporte und GPU-Preise seit 2022 nahe dem oberen Bereich bewegen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Produktivitätsgewinne
Die finanziellen Auswirkungen der KI-Welle spiegeln sich bereits in den Bilanzen wider. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete der S&P 500 ein Gewinnwachstum von 31 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wobei Hyperscaler und Unternehmen im Bereich KI-Infrastruktur ein Plus von 54 % erzielten. Damit entfällt rund die Hälfte des gesamten Gewinnwachstums auf diesen Sektor.
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Dennoch bleibt die exakte Quantifizierung der Erfolge schwierig: Nur 11 % der im S&P 500 gelisteten Unternehmen konnten bisher KI-bedingte Produktivitätsgewinne konkret beziffern; lediglich 2 % machten präzise Angaben zu den Auswirkungen auf den Gewinn.
Untersuchungen von 22V Research zeigen jedoch bei einer Gruppe von 25 S&P-500-Firmen, die Beiträge quantifizierten, eine durchschnittliche Verbesserung der Margen um 180 Basispunkte im zweiten Quartal 2026. Auch im Mittelstand nimmt die Bedeutung zu.
In Großbritannien stieg der Anteil der KI-Ausgaben bei kleinen und mittleren Unternehmen von 3,2 % im zweiten Quartal 2024 auf 12,8 % im selben Zeitraum 2026. Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben pro Mitarbeiter stiegen branchenübergreifend im Median von 5 US-Dollar zu Jahresbeginn auf 12 US-Dollar im Juli.
Parallel zu den steigenden Investitionen wächst der Bedarf an rechtlicher Absicherung, da die EU-KI-Verordnung seit August 2024 neue Regeln für Risikoklassen und Dokumentationspflichten vorschreibt. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie die Compliance in Ihrem Unternehmen sicherstellen. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Warnungen vor einer „Earnings Bubble“
Trotz der beeindruckenden Wachstumszahlen mehren sich die mahnenden Stimmen. Goldman Sachs warnt vor einer möglichen Ertragsblase („Earnings Bubble“), da die extrem hohen Investitionskosten (Capex) der Technologiegiganten den freien Cashflow reduzieren könnten.
Zwar wird derzeit nicht von einer klassischen Aktienblase ausgegangen, doch die zunehmende Finanzierung der Infrastruktur über Schulden birgt Risiken. Höhere Zinsen könnten den Barwert künftiger Gewinne senken.
Investoren fordern angesichts der enormen Ausgaben zunehmend Belege für die Rentabilität. Während der Nasdaq 100 im Juli einen Rückgang von 6,6 % verzeichnete, zeigten sich andere Märkte wie der STOXX 600 mit einem Plus von 1,6 % robuster.
Analysten beobachten zudem, dass zwei Drittel der Unternehmen ihre KI-Vorhaben aktuell noch durch Budgetumschichtungen finanzieren, während die reinen Kosten für KI-Inferenz bisher weniger als 0,5 % der Umsätze im S&P 500 ausmachen.

