KI-Jobmarkt: 142.000 Tech-Jobs gestrichen, KI-Stellen +85%

DeepMind-Chef Hassabis kritisiert KI als Entlassungsvorwand und startet Abwerbeaktion bei Meta, Amazon und Block.

Demis Hassabis, Chef von Google DeepMind, nutzt die Entlassungswelle bei Meta, Amazon und Block für eine gezielte Abwerbeaktion. Er wirft anderen Konzernen vor, Künstliche Intelligenz als Vorwand für Stellenstreichungen zu missbrauchen.

Der britische KI-Pionier ließ am heutigen Montag verlauten, sein Unternehmen habe „eine Million Ideen“ und brauche dringend neue Köpfe, um sie umzusetzen. Hassabis richtete sich dabei direkt an die Tausenden Fachkräfte, die in den vergangenen Monaten bei großen Tech-Konzernen gehen mussten. „Wenn Firmen KI als Grund für Entlassungen nennen, zeugt das schlicht von mangelnder Vorstellungskraft“, kritisierte der DeepMind-Chef.

Branche im Umbruch: 142.000 Stellen gestrichen

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Die Abwerbeoffensive fällt in eine Zeit massiver Umstrukturierungen. Seit Jahresbeginn 2026 haben US-Tech-Konzerne über 142.000 Arbeitsplätze abgebaut. Besonders stark traf es Amazon mit rund 16.000 Stellenstreichungen, Microsoft mit über 15.000 und Meta, das etwa 8.000 Mitarbeiter entließ – rund zehn Prozent der Belegschaft. Auch PayPal (4.800), Block (4.000) und Atlassian (1.600) bauten kräftig ab.

Doch der Bedarf an Spezialisten bleibt hoch. Laut aktuellen Daten erreichten Stellenausschreibungen im Softwarebereich einen Drei-Jahres-Höchststand – ein Plus von elf Prozent. Noch deutlicher fällt der Anstieg bei KI-Jobs aus: Hier legten die Ausschreibungen um 85 Prozent zu.

Streit der Tech-Giganten: Fluch oder Segen?

Hassabis‘ Vorstoß entfacht die Debatte über KI und Arbeitsmarkt neu. Nvidia-CEO Jensen Huang bezeichnete die These von KI-bedingten Jobverlusten kürzlich als „kompletten Unsinn“. Huang argumentiert, dass nicht die Technologie selbst Arbeitsplätze vernichte, sondern jene Mitarbeiter, die sie nicht nutzen. Er wirft anderen Managern vor, „faul“ zu sein und die Entlassungen auf KI zu schieben, obwohl viele Kürzungen begannen, bevor KI-Tools produktiv einsetzbar waren.

Ganz anders sieht es Anthropic-Chef Dario Amodei. Er prognostiziert eine Arbeitslosigkeit von zehn bis zwanzig Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre und fordert staatliche Umschulungsprogramme. Interessant: Sowohl Amodei als auch OpenAI-CEO Sam Altman haben ihre früheren, düsteren Prognosen zuletzt abgemildert – beide Unternehmen bereiten sich auf mögliche Börsengänge vor.

Keine Belege für KI-Arbeitslosigkeit

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Die wirtschaftliche Realität scheint den Pessimisten vorerst Recht zu geben – allerdings anders als erwartet. Torsten Sløk, Chefökonom bei Apollo Global Management, stellte Ende Mai fest: „Es gibt null Belege für KI-bedingte Jobverluste in der Gesamtwirtschaft.“ Ein Bericht des Yale Budget Lab untermauert dies: Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 habe sich die Arbeitslosenquote in KI-betroffenen Berufen nicht signifikant verändert.

Während einige Konzerne Stellen streichen, investieren andere massiv in den Ausbau. Google brachte kürzlich Gemini Spark auf den Markt – einen autonomen KI-Agenten, der Termine bucht und E-Mails verschickt. OpenAI wiederum sucht händeringend Ingenieure für seine Robotik-Sparte.

Eine Studie von Oxford und der London School of Economics legt nahe, dass der Rückgang bei Einstiegspositionen weniger mit KI als mit Hybridarbeitsmodellen zusammenhängt. Die Forscher fanden einen starken Zusammenhang zwischen Remote-Arbeit und sinkender Einstellungsbereitschaft für Berufseinsteiger.