Millionen Nutzer geben freiwillig biometrische Daten preis – Experten warnen vor Identitätsdiebstahl und gezielten Betrugsattacken.
Ein viraler Trend auf Social Media bringt Sicherheitsexperten in Alarmbereitschaft. Bei der scheinbar harmlosen Aktion laden Nutzer Fotos hoch und lassen sich von KI-Tools wie ChatGPT Karikaturen erstellt, die ihren Beruf und ihr Profil darstellen. Doch was als Spielerei beginnt, entwickelt sich zum Sicherheitsalbtraum. Die Teilnehmer übergeben unwissentlich einen Datenschatz an Dritte mit unklaren Datenschutzrichtlinien.
Biometrische Daten: Das unveränderbare Gesichtsprofil
Im Zentrum der Bedenken steht die Art der geteilten Daten. Beim Hochladen eines Fotos geben Nutzer mehr als nur ein Bild ab – sie übermitteln ihre einzigartigen biometrischen Daten. Dieses „Gesichtsprofil“ ist ein permanenter digitaler Identifikator, der sich im Gegensatz zu einem kompromittierten Passwort nicht ändern lässt.
Die hochauflösenden Gesichtsscans können dauerhaft gespeichert, zur Trainierung anderer KI-Systeme wie Gesichtserkennungsdatenbanken genutzt werden und selbst nach Kontolöschung in Modellen verbleiben. Noch problematischer: Die Bilder enthalten oft versteckte EXIF-Metadaten mit GPS-Koordinaten des Aufnahmeorts, Zeitstempeln und verwendeten Geräten. Kombiniert mit dem öffentlichen Social-Media-Profil entsteht so ein detailliertes digitales Dossier.
Goldgrube für Betrüger: Perfektionierte Phishing-Angriffe
Das öffentliche Teilen dieser Karikaturen schafft ideale Bedingungen für Social-Engineering-Angriffe. Indem Kriminelle Bild, Name, Jobtitel und Arbeitgeberinformationen kombinieren, können sie hochgradig überzeugende und personalisierte Phishing-Attacken basteln.
Ein Angreifer, der Beruf und Arbeitsplatz eines Opfers kennt, könnte sich als Kollege oder Vorgesetzter ausgeben, um Login-Daten zu stehlen oder Malware einzuschleusen. Der Trend erledigt praktisch die Vorarbeit für Kriminelle und erleichtert die Identifizierung von Personen in sensiblen Positionen wie Finanzen, Personalwesen oder Technologie.
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Unternehmensrisiko: Wenn „Shadow AI“ zur Gefahr wird
Die Risiken beschränken sich nicht auf Privatpersonen, sondern erstrecken sich in die Unternehmenswelt. Der Trend beleuchtet das wachsende Problem der „Shadow AI“, bei der Mitarbeiter öffentliche KI-Tools für arbeitsbezogene Aufgaben nutzen – ohne Wissen oder Genehmigung ihres Arbeitgebers.
Ein plausibles Bedrohungsszenario: Ein Angreifer identifiziert ein Ziel aus dem Trend, nutzt die öffentlichen Informationen für einen Account-Übernahme-Angriff und durchsucht anschließend die gesamte Prompt-Historie nach vertraulichen Unternehmensstrategien, Kundendaten oder Software-Codes. Diese könnten verkauft, für Betrug genutzt oder als Lösegeld gefordert werden.
Hintergrund: Das Muster der Datenabschöpfung
Der Karikaturen-Trend ist das jüngste Beispiel einer viralen Challenge, die unter dem Deckmantel der Unterhaltung zur Massendatensammlung animiert. Er folgt einem Muster, das bereits von anderen Trends bekannt ist: Nutzer geben persönliche Informationen preis, die zur Überwindung von Sicherheitsfragen oder zum Aufbau von Identitätsdiebstahl-Profilen genutzt werden können.
Die zunehmende Raffinesse generativer KI bedeutet, dass die heute gesammelten biometrischen Daten morgen für ausgefeiltere Bedrohungen eingesetzt werden könnten – einschließlich der Erstellung überzeugender Deepfake-Videos und Audiodateien für Betrug.
Experten raten zu einem vorsichtigeren Umgang mit KI-gestützten Tools: Datenschutzrichtlinien sorgfältig lesen, hochauflösende Fotos vermeiden und primäre Social-Media- oder E-Mail-Konten nicht mit diesen Diensten verknüpfen. Die einzige garantierte Verteidigung bleibt letztlich Bewusstsein und Zurückhaltung.





