KI-Klima-Lüge: Studie entlarvt Tech-Riesen

Eine neue Untersuchung wirft Google und Microsoft vor, ihre Klimaversprechen zu brechen. Der enorme Energie- und Wasserverbrauch der KI stellt Netto-Null-Ziele infrage.

Eine neue Studie wirft der Tech-Branche einen systematischen „KI-Klima-Betrug“ vor. Demnach sind die meisten Behauptungen über die Umweltvorteile Künstlicher Intelligenz nicht belegt und verdecken nur den riesigen ökologischen Fußabdruck der Technologie.

Veröffentlicht: Dienstag, 17. Februar 2026

Die heute veröffentlichte Untersuchung „The AI Climate Hoax“ verschärft den Druck auf Google, Microsoft und Co. Ihr KI-Boom treibt den Energie- und Wasserverbrauch in nie dagewesenem Ausmaß in die Höhe – und stellt ihre Klimaversprechen fundamental infrage.

Greenwashing statt greifbarem Nutzen

Die Kernaussage der Studie ist vernichtend: Ganze 74 Prozent der Behauptungen über positive Klimaeffekte von KI seien nicht durch solide, wissenschaftlich überprüfte Belege gedeckt. Ein Konsortium aus Umweltgruppen wie Stand.earth analysierte 154 öffentliche Statements von Tech-Firmen und Institutionen.

Das Ergebnis? Nur jedes vierte Versprechen bezog sich auf eine publizierte Studie. Bei 36 Prozent fehlte jeder Beleg. Für die Autoren ist das eine gezielte Greenwashing-Strategie. Sie soll von den immensen Umweltkosten der KI-Revolution ablenken.

„Wir fanden kein einziges verifiziertes Beispiel, wo KI für Endverbraucher zu substanziellen Emissionssenkungen führte“, so die Forscher. Das stellt die häufige Branchenbehauptung, KI sei ein „Klima-Held“, radikal in Frage. Während die Konzerne öffentlich so tun, wächst ihr eigener CO2-Fußabdruck rasant – teilweise auf Kosten früherer Klimaziele.

Der enorme Preis des KI-Booms

Die Zahlen sind alarmierend. Der Stromverbrauch von Rechenzentren, hauptsächlich getrieben durch KI, könnte sich bis 2030 mehr als verdoppeln. Global wären das über 1.000 Terawattstunden (TWh). Manche Prognosen sagen einen fünffachen Anstieg des Energiebedarfs voraus – bis zu 3 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

In Tech-Hotspots könnten Datenzentren bald 40 Prozent des lokalen Stroms schlucken. Die Folge: Neue Anlagen warten bis zu sieben Jahre auf einen Netzanschluss.

Doch KI hat auch einen enormen Durst. Ein großes Rechenzentrum verbraucht so viel Kühlwasser wie eine Kleinstadt. Allein das Trainieren eines großen KI-Modells kann Millionen Liter benötigen. Selbst eine Handvoll simpler Nutzeranfragen hat einen signifikanten Wasserverbrauch. In wasserarmen Regionen, in denen viele Zentren stehen, wird das zum Problem. Googles Wasserverbrauch stieg Berichten zufolge in einem Jahr um 28 Prozent.

Klimaziele geraten unter die Räder

Dieser Ressourcenhunger stellt die Netto-Null-Ziele der Tech-Giganten infrage. Trotz hochtrabender Versprechen steigen ihre Emissionen aktuell stark an.

Seit 2019 sind Googles Treibhausgas-Emissionen um 54 Prozent gewachsen. Bei Microsoft betrug der Anstieg seit 2020 29 Prozent. Die Hauptursache ist der explodierende Strombedarf der Rechenzentren.

Investoren fragen sich zunehmend, ob ungebremstes KI-Wachstum mit ernsthafter Klimapolitik vereinbar ist. Kritik gibt es auch am Einsatz von Ökostrom-Zertifikaten. Sie ermöglichen zwar die Behauptung „100% erneuerbar“, kaschieren aber oft die tatsächliche Abhängigkeit vom fossilen Stromnetz. Effizienzgewinne werden vom puren Wachstum schlicht überrollt.

Die Ära der blinden Akzeptanz ist vorbei

Die Studie markiert eine Zeitenwende. Die Ära, in der die Versprechen der Branche einfach geglaubt wurden, geht zu Ende. Gefordert werden jetzt belastbare Daten und Transparenz.

Die Politik reagiert bereits. Die EU-KI-Verordnung wird für bestimmte KI-Systeme verbindliche Umweltberichte vorschreiben. Der regulatorische Druck wächst.

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Die große Paradoxie bleibt: KI ist zugleich Problem und potenzielle Lösung. Sie frisst Unmengen an Energie, könnte aber auch helfen, Energiesysteme zu optimieren. Der Weg führt wohl über strengere Regeln und standardisierte Messgrößen für den gesamten Lebenszyklus der Technologie.

Eines ist klar: Der Druck auf Big Tech wird steigen. Sie müssen beweisen, dass ihre Klimaversprechen mehr sind als nur eine bequeme Fiktion.