KI-Klone: Brandon Thomas baut Word, Excel und PowerPoint kostenlos nach

Rust-Nachbauten etablierter Programme gewinnen Aufmerksamkeit, bleiben jedoch im Alpha-Stadium; manipulierte KI-Pakete dienten zudem Cyberangriffen.

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Berichte warnen vor einer rasanten Verbreitung unüberprüfter, mithilfe künstlicher Intelligenz erstellter Klone etablierter Produktivitätssoftware sowie vor der gezielten Ausnutzung von Schwachstellen in Unternehmensplattformen.

Entwickler nutzen moderne KI-Agenten zunehmend dazu, komplexe proprietäre Anwendungen wie Büro- und Kreativsuiten innerhalb kürzester Zeit nachzubauen. Die resultierenden Programme gewinnen in Open-Source-Verzeichnissen rasch an Popularität, weisen jedoch oft funktionale Lücken auf und werfen grundlegende Fragen bezüglich Zuverlässigkeit und Code-Sicherheit auf.

Rasante Nachbauten kommerzieller Standardsoftware

Am 7. Oktober 2026 veröffentlichte der Entwickler Brandon Thomas mit WordCraft, GridCraft und DeckCraft kostenlose Open-Source-Nachbauten der Microsoft-Programme Word, Excel und PowerPoint in der Programmiersprache Rust.

Die Programme wurden als Clean-Room-Implementierungen konzipiert, verarbeiten die Dateiformate DOCX, XLSX sowie PPTX und erfordern weder ein Abonnement noch ein Benutzerkonto bei Microsoft. Zeitgleich erschien CADCraft als Nachbau für AutoCAD, ausgelegt für DXF-Dateien sowie mehrere Betriebssysteme wie Windows, macOS, Linux und FreeBSD bis hin zu WebAssembly.

Bereits am 30. September 2026 hatte Thomas die ersten Repositories seiner ArtCraft-Reihe gestartet, darunter PhotoCraft, FilmCraft, LightCraft, PdfCraft und VectorCraft; tags darauf folgten EffectCraft und DesignCraft.

Innerhalb einer Woche entstanden so sieben kostenlose Rust-Klone von Programmen wie Photoshop, Illustrator oder Premiere Pro mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5, während das reguläre Adobe-Abonnement 69,99 US-Dollar pro Monat kostet.

Große Resonanz bei eingeschränkter Alltagstauglichkeit

Auf Entwicklerplattformen stoßen diese Projekte auf enormes Interesse. Laut GitHub API erreichte PhotoCraft 49.075 Stars, 7.919 Forks und 1.259 offene Vorgänge. Eine frühere Zählung lag bei 23.303 Stars.

WordCraft verzeichnete nach unterschiedlichen Zählungen zwischen mehr als 5.100 und 6.741 Stars, während GridCraft über 2.600 Stars und DeckCraft rund 1.800 beziehungsweise 2.124 Stars erzielten.

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Trotz der Aufmerksamkeit sind die Programme von einem vollwertigen Ersatz für den professionellen Einsatz entfernt. Thomas selbst wies in einer Dokumentation darauf hin, dass die ArtCraft-Klone noch nicht für den Arbeitsalltag bereit seien; die Software befindet sich in einem frühen Alpha-Status.

In Tests wurden 307 von 309 PSD-Dateien gerendert, doch frühe Tester meldeten zahlreiche Softwarefehler und fehlende Funktionen. Während GridCraft laut Berichten 89 Prozent der Excel-Ribbon-Befehle, rund 93 Prozent der Worksheet-Funktionen und über 500 Tabellenkalkulationsfunktionen abbildet, bezifferte die Projektdokumentation die praktische Alltagstauglichkeit auf etwa 50 Prozent.

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WordCraft deckt 87 Prozent der Menübefehle ab und gilt zu rund 62 Prozent als fertiggestellt. DeckCraft erreicht eine Funktionsbreite von 79 Prozent bei einer praktischen Eignung von etwa 55 Prozent.

Ähnliche Experimente sorgten an anderen Stellen für Diskussionen: Am 9. Oktober 2026 erstellte der Gründer von Mana in einer knapp viereinhalbstündigen Sitzung den Schnittstellen-Editor Figma Next mithilfe von Claude Opus 5.5. Trotz vorhandener Funktionen wie Vektorbearbeitung und Mehrbenutzer-Cursor fehlten wesentliche Bestandteile wie Komponenten-Eigenschaften, Stile und gemischte Textformatierungen.

Sicherheitsrisiken durch automatisierte Nachbauten

Die Automatisierung des Reverse Engineerings beschleunigt diese Entwicklung erheblich. Das quelloffene KI-Toolkit REA verzeichnete zuletzt rund 134.000 GitHub-Stars. Das Werkzeug koppelt KI-Agenten direkt an etablierte Analysewerkzeuge wie Ghidra, Hopper und IDA, um Binärdateien automatisiert zu analysieren und nachzubauen.

Gleichzeitig nutzen Kriminelle das Interesse an KI-Werkzeugen gezielt für Cyberangriffe aus. Elastic Security Labs identifizierte eine betrügerische Kampagne unter dem Namen Apex Arena, die vorgeblich kostenlose KI-Guthaben und Sicherheitsüberprüfungen für Smart Contracts anbot.

Über manipulierte Softwarepakete schleusten die Hinterleute Backdoors auf Rechner mit Windows und macOS ein, leiteten Datenverkehr um und spionierten Anmeldedaten aus. Weder Adobe noch Microsoft gaben zu den Klon-Projekten ihrer Software bislang eine Stellungnahme ab.