KI-Kluft Ost-West: Nur 39% ostdeutscher Firmen setzen auf Künstliche Intelligenz

Ifo-Studie zeigt großen Rückstand ostdeutscher Firmen bei KI. Strukturelle Defizite und Wirtschaftskrise bremsen die Einführung.

Nur 38,7 Prozent der ostdeutschen Firmen setzen auf Künstliche Intelligenz – der Westen liegt deutlich vorn.

Eine aktuelle Analyse des Ifo-Instituts zeigt ein alarmierendes Bild: Während bundesweit 55,9 Prozent der Unternehmen KI-Technologien einsetzen, klafft zwischen Ost und West eine tiefe Kluft. Die ostdeutsche Wirtschaft hinkt der Entwicklung im Westen um rund ein Jahr hinterher – und das in allen Branchen und Bundesländern.

Strukturelle Defizite in Ostdeutschland

Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut spricht von einem strukturellen Rückstand bei der Technologieeinführung. Besonders besorgniserregend: Der Anteil der Firmen, für die KI schlicht kein Thema ist, liegt im Osten deutlich höher. „Das ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein strukturelles Problem“, so Ragnitz.

Hinzu kommen massive infrastrukturelle Engpässe. Eine Bitkom-Studie belegt: Von den bundesweit 3.000 Megawatt Rechenzentrumskapazität sind gerade einmal 15 Prozent für KI reserviert. Zum Vergleich: Die USA verfügen über 48 Gigawatt, China über 38 Gigawatt. Und die Verteilung innerhalb Deutschlands ist höchst ungleich – der Frankfurter Cluster schluckt mit 1.100 MW mehr als ein Drittel der Kapazität, während Bremen bei mageren 19 MW dümpelt.

Wirtschaftskrise bremst Investitionen

Die Zurückhaltung hat auch handfeste wirtschaftliche Gründe. Eine Deloitte-Umfrage unter 120 Finanzvorständen zeigt: 72 Prozent der Unternehmen fahren derzeit strikte Sparkurse. 45 Prozent der CFOs berichten von einer Verschlechterung ihrer Geschäftsaussichten – und nur 45 Prozent planen überhaupt, KI in ihren Finanzabteilungen zu skalieren.

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Die größten Bremsklötze: schwache Inlandsnachfrage, geopolitische Unsicherheiten und steigende Energie- und Rohstoffpreise. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen lieber auf Nummer sicher gehen.

Europa im globalen KI-Wettbewerb abgehängt

Der Blick über den Atlantik macht die Dimension des Rückstands deutlich: 2025 flossen in den USA 285,9 Milliarden Dollar in private KI-Investitionen, in China 12,4 Milliarden Dollar. Die europäischen Risikokapitalfonds kommen auf magere 150 Milliarden Euro – die USA haben mit 930 Milliarden Euro mehr als das Sechsfache zur Verfügung. Und 75 Prozent des EU-Cloud-Marktes wird von US-Anbietern dominiert.

Digitale Souveränität als Chance

Doch es gibt Hoffnung: Deutsche IT-Entscheider setzen zunehmend auf europäische Lösungen. Eine Umfrage von Myra Security und Civey zeigt, dass 90 Prozent der IT-Führungskräfte europäische Digitalprodukte für Behörden und kritische Infrastruktur fordern. Der Stimmungswandel ist dramatisch: Während im Vorjahr noch 47,7 Prozent europäische Software kategorisch ausschlossen, sind es heute nur noch 4,6 Prozent. 54,6 Prozent halten digitale Unabhängigkeit bis 2035 für realistisch.

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Die Bundesdruckerei treibt diesen Kurs mit dem Projekt „Möve“ voran. Seit 2025 evaluiert sie über 50 große Sprachmodelle für den Einsatz in deutschen Behörden – mit Fokus auf Sicherheit, Transparenz und demokratische Werte. Aktuell liegen Gemma 4 und GPT-4o vorn, aber auch Mistral Small 3.1 gehört zu den Top-Performern.

In Saarbrücken setzt man derweil auf internationale Zusammenarbeit. Die stellvertretende Bürgermeisterin Barbara Meyer betonte kürzlich die Bedeutung des KIST Europe Research Centers als Brücke zwischen Korea und Europa – seit 30 Jahren die einzige koreanische Forschungseinrichtung auf dem Kontinent. „Ohne internationale Talente werden wir den Fachkräftemangel nicht in den Griff bekommen“, so Meyer.