KI-Paradox: 60% haben Agenten, aber nur 5% reformieren Workflows

Deutsche Unternehmen setzen zunehmend auf KI, doch fehlende Expertise, Sicherheitsfragen und unveränderte Abläufe bremsen die breite Nutzung.

Einfache Weiterbildungen reichen für eine wirksame Integration von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen nicht aus. Zu dieser Einschätzung kommen Branchenexperten laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Demnach bedarf der produktive Einsatz von KI tiefgreifender organisatorischer Veränderungen. Zugleich belegen aktuelle Erhebungen des Digitalverbands Bitkom eine Zurückhaltung bei fortgeschrittenen Anwendungen: Lediglich 11 Prozent der deutschen Unternehmen lassen KI-Agenten eigenständig arbeiten.

Wachsende Verbreitung, aber Defizite bei der Skalierung

Die grundlegende Nutzung von KI-Technologien hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nach Angaben von Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst setzen mittlerweile 57 Prozent der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz ein, während es vor zwei Jahren noch 20 Prozent waren.

Den Stellenwert der Technologie schätzen die Betriebe hoch ein: 91 Prozent sehen KI als wichtigste Zukunftstechnologie, verglichen mit 73 Prozent vor zwei Jahren. Bezogen auf Unternehmen ab 20 Beschäftigten nutzen laut Bitkom 57 Prozent die Technologie (nach 36 Prozent im Vorjahr und 20 Prozent vor zwei Jahren), während 38 Prozent den Einsatz planen oder diskutieren.

Trotz dieser Zuwächse greifen herkömmliche Qualifizierungsmaßnahmen oft zu kurz. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung wird argumentiert, dass die Skalierung von KI-Kompetenz primär eine organisatorische Gestaltungsaufgabe und nicht nur ein Trainingsproblem darstelle.

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Für einen nachhaltigen Erfolg seien drei Ebenen erforderlich: Plattformen und Daten, Menschen und Praktiken sowie Governance und Strategie. Dieser Prozess vollziehe sich idealtypisch in drei Phasen: Experimentieren, Einbetten und Institutionalisieren.

Dass isolierte Weiterbildungen verpuffen können, zeigt auch die Erfahrung des Düsseldorfer Anbieters ada Learning, demzufolge Unternehmen mit Beschäftigten, die über 18 Monate hinweg mehrere KI-Zertifikate erwarben, keinen erkennbaren Nutzeffekt verzeichneten.

Hoher Nutzen trifft auf organisatorische Hürden

Dort, wo der Einsatz gelingt, zeigen sich deutliche Resultate. Laut Bitkom berichten zwei Drittel der KI-Anwender von einer verbesserten Wettbewerbsposition, während 45 Prozent einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg feststellen.

Fast die Hälfte der Anwender verzeichnet beschleunigte Prozesse. 61 Prozent der Betriebe sind der Ansicht, dass Unternehmen ohne KI keine Zukunft haben; über ein Drittel fürchtet gar um die eigene Existenz. Vor diesem Hintergrund beabsichtigen 45 Prozent der befragten Firmen, ihr KI-Budget im Jahr 2026 aufzustocken.

Gleichzeitig klafft zwischen der Einführung von Werkzeugen und der Anpassung von Arbeitsabläufen eine Lücke. Daten von ServiceNow zeigen, dass rund 60 Prozent der großen Unternehmen KI-Softwareagenten eingeführt haben, jedoch nur 5 Prozent ihre operativen Workflows formal neu gestalteten.

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Auch spezifische Branchen stehen vor Integrationsproblemen. In der Logistikbranche nutzen laut Bitkom 51 Prozent der befragten Betriebe ab 20 Beschäftigten KI (nach 22 Prozent im Jahr 2022).

Zugleich nennen 73 Prozent fehlende Fachkräfte und fehlendes Know-how als größtes Hemmnis, 58 Prozent verweisen auf IT- und Datensicherheit, 57 Prozent auf Zeitmangel und 48 Prozent auf fehlende Finanzmittel. Zudem fehlt 54 Prozent die Expertise für die technische Einbindung, obwohl 73 Prozent bereits Schulungen anbieten.

Regulatorische Vorgaben und Sicherheitsbedenken

Erschwert wird die Einführung autonomer Systeme durch regulatorische und sicherheitstechnische Anforderungen. Über ein Drittel der Unternehmen sieht sich laut Bitkom vom EU-AI-Act betroffen, von denen 89 Prozent über einen hohen bis sehr hohen Bürokratieaufwand klagen. Zwei Drittel der Gesamtwirtschaft sehen in der Regulierung mehr Nachteile als Vorteile.

Datenschutzbehörden mahnen bei der Autonomie von Agenten zur Vorsicht. Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern, Sebastian Schmidt, verweist darauf, dass Artikel 4 der KI-Verordnung Unternehmen zu KI-Kompetenz bei Beschäftigten verpflichtet. Zudem warnt die Behörde vor Risiken durch das Zusammenwirken von Datenzugriff, Webinhalten und externer Kommunikation bei autonomen KI-Agenten.