KI-Paradox: 84% investieren, doch Mitarbeiter ertrinken in Bürokratie

84 Prozent der Führungskräfte priorisieren KI, doch Mitarbeiter verlieren weiter Zeit mit manuellen Dokumentenprozessen.

Eine aktuelle Studie zeigt das ganze Ausmaß des Problems.

84 Prozent der Chefs setzen auf KI – die Realität sieht anders aus

Die Kluft zwischen Management-Visionen und Arbeitsalltag könnte kaum größer sein. Eine Umfrage des Softwareanbieters Nitro unter mehr als 1.300 Führungskräfte fördert Erstaunliches zutage: 84 Prozent der Chefs geben der KI-Implementierung höchste Priorität. Gleichzeitig schätzen ebenfalls 84 Prozent, dass ihre Mitarbeiter mindestens sechs Stunden pro Woche mit manuellen Dokumentenaufgaben verbringen. 41 Prozent gehen sogar von bis zu 15 Stunden aus.

Das ist nicht nur eine Frage der Produktivität. Es zeigt, wie tief veraltet die Arbeitsabläufe in vielen Unternehmen noch stecken. 96 Prozent aller Organisationen setzen demnach weiterhin auf den altbekannten „Drucken-Unterschreiben-Scannen“-Prozess. Zwar haben 85 Prozent der Führungskräfte KI bereits in irgendeiner Form eingeführt – doch nur 54 Prozent der Manager betrachten das Thema als echte Priorität.

Das größte Hindernis? Die Sicherheit. Fast die Hälfte der Führungskräfte (49 Prozent) und 54 Prozent der Manager nennen Sicherheitsbedenken als Hauptgrund für die zögerliche Einführung. Kein Wunder also, dass 95 Prozent der Unternehmen derzeit über eine Konsolidierung ihrer Tools nachdenken – immerhin nutzen 72 Prozent sechs oder mehr verschiedene Dokumentenlösungen.

Neue Plattformen versprechen den Durchbruch

Die Industrie reagiert. Gleich mehrere große Anbieter haben in dieser Woche neue Lösungen vorgestellt, die das Blatt wenden sollen. Nitro brachte am Dienstag Nitro Automate auf den Markt – eine Plattform für hochvolumige Unternehmens-Workflows. Das System kombiniert Dokumentenverarbeitung, Datenextraktion und elektronische Signaturen und unterstützt zudem das Model Context Protocol (MCP) für KI-Agenten.

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Während neue Tools die Dokumentenverarbeitung revolutionieren, müssen Unternehmen gleichzeitig die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen wahren. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, Risikoklassen richtig einzuschätzen und alle Fristen der neuen Verordnung einzuhalten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Einen Tag später zog DocuWare mit seinem IDP GenAI Extraction Tool nach. Die Besonderheit: Zero-Shot-Extraktion. Anwender können Datenfelder einfach in natürlicher Sprache definieren – und das System extrahiert die Informationen sofort aus unstrukturierten Dokumenten wie Verträgen oder Rechnungen. Keine Vorlagen, kein manuelles Training. Das verspricht blitzschnelle Ergebnisse für unterschiedlichste Dokumententypen.

Ebenfalls am Dienstag präsentierte Innovatix seine OpenParser KI-Agenten-Plattform. Sie enthält mehr als 20 vorgefertigte KI-Agenten für Aufgaben wie Vertragsprüfungen und lässt sich mit gängigen Unternehmensspeichern wie Google Drive oder SharePoint verbinden.

Branchenlösungen: Von Versicherungen bis zum Arzt

Doch der Vorstoß in die Automatisierung beschränkt sich nicht auf Generalisten. Mehrere spezialisierte Anbieter haben am Mittwoch Lösungen für konkrete Branchen vorgestellt.

Versicherungen: Vertafore brachte seinen Velocity AI Submission Processing Agent auf den Markt. Das Tool liest unstrukturierte E-Mails und PDFs, um eingehende Anträge automatisch zu verarbeiten. Die gemessene Genauigkeit: beeindruckende 87 Prozent.

Finanzdienstleistungen: GReminders lancierte „AI Forms“ für Finanzberater. Das System extrahiert Daten aus PDF-Formularen und Besprechungsprotokollen und aktualisiert nach Freigabe per Klick die CRM-Systeme wie Salesforce oder Redtail.

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Der Einsatz von KI-Systemen zur Datenextraktion ist effizient, bringt aber neue Compliance-Pflichten mit sich, die viele Verantwortliche noch nicht kennen. Ein kostenloser Report klärt auf, welche rechtlichen Anforderungen die EU-KI-Verordnung stellt, damit Ihr Unternehmen sicher und regelkonform agiert. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Gesundheitswesen: Updox veröffentlichte eine Studie zur automatisierten Fax- und Dokumentenweiterleitung. Das Ergebnis einer Analyse von 20.000 Seiten: 62 Prozent aller Dokumente – darunter Überweisungen und Laborergebnisse – konnten automatisch klassifiziert und in elektronische Patientenakten eingespielt werden.

Doppelt prüfen, besser arbeiten

Ein zentrales Problem bleibt die Zuverlässigkeit der extrahierten Daten. Appian zeigt, wie sich das lösen lässt. Das Unternehmen setzt in seiner DocCenter-Plattform auf einen zweiten KI-Reviewer – einen sogenannten „LLM Judge“ – der die Extraktion unabhängig überprüft. Das Ergebnis: Genauigkeitsraten zwischen 95 und 99 Prozent. Der manuelle Abgleichaufwand sinkt um mehr als die Hälfte.

Integration ist das zweite große Thema. Slack kündigte am Mittwoch eine neue Salesforce-Plattform-Integration an. Nutzer können künftig direkt aus dem Chat CRM-Daten abfragen, Diagramme erstellen und DocuSign-Workflows anstoßen.

Der Markt konsolidiert sich weiter. Circeus, das mehr als 200.000 Unternehmen betreut, gab am Mittwoch die Übernahme von Encodian bekannt – einem Spezialisten für Dokumentenautomatisierung auf der Microsoft Power Platform. Ein klares Zeichen: Der Kampf gegen den Papierkrieg ist erst am Anfang.