KI-Phishing: 86% aller Angriffe nutzen künstliche Intelligenz

Belgien führt zentralen Sperrdienst für Bankzugänge ein. Deutsche Minister fordern nationalen Aktionsplan gegen die wachsende Flut von Fake-Shops und Cyberkriminalität.

Belgien startet einen zentralen Sperrdienst für Bankzugänge, deutsche Verbraucherschutzminister fordern einen nationalen Aktionsplan gegen Fake-Shops. Der Grund: Die Schäden durch Cyberkriminalität explodieren weltweit.

„Fraudstop“: Ein Anruf genügt

Seit heute ist in Belgien der Dienst „Fraudstop“ scharf. Unter 078 170 170 können Bürger rund um die Uhr ihre Bankkarten und sogar den Zugang zu ihren Bank-Apps sperren lassen. Das Projekt stemmen Minister Rob Beenders und der Bankenverband Febelfin gemeinsam.

Ziel ist Tempo: Wer einen Phishing-Verdacht hat, soll sofort handeln können. Manche Banken haben bereits automatische Benachrichtigungssysteme integriert, andere leiten direkt an die Betrugsabteilungen weiter. Eine wichtige Warnung des Ministers: Der Dienst ruft niemals selbst an. Wer einen Anruf von „Fraudstop“ erhält, sollte sofort misstrauisch werden.

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Deutsche Minister machen Druck

Parallel tagte die Verbraucherschutzministerkonferenz in Potsdam. Das Thema: die wachsende Flut von Fake-Shops. Die Länder fordern von der Bundesregierung einen nationalen Aktionsplan. Konkret geht es um strengere Identitätsprüfungen bei Domain-Registrierungen und bessere Möglichkeiten, betrügerische Seiten zu sperren.

Die Zahlen belegen den Handlungsdruck. Einer Schufa-Umfrage aus dem Frühjahr 2025 zufolge waren bereits 24 Prozent der Deutschen Opfer von Online-Betrug. Über 60 Prozent davon erlitten einen finanziellen Schaden. Allein 2025 verzeichneten die Verbraucherzentralen rund 10.000 Beschwerden über gefälschte Shops. Das Bundeskriminalamt beziffert den Gesamtschaden durch Cybercrime in Deutschland auf 202,4 Milliarden Euro.

KI macht Betrüger gefährlicher

Branchenexperten sehen eine treibende Kraft hinter der Eskalation: Künstliche Intelligenz. Laut einem Bericht des Sicherheitsdienstleisters KnowBe4 sind bereits 86 Prozent aller Phishing-Angriffe KI-gestützt. Die Klickrate liegt bei erschreckenden 54 Prozent – traditionelle Methoden kommen gerade mal auf 12 Prozent.

Die Smartphone-Hersteller reagieren. Google rollt derzeit eine neue Funktion zur Erkennung von Betrugsanrufen für Android aus. Das System prüft, ob Rufnummern manipuliert wurden oder KI-generierte Stimmen im Spiel sind. Voraussetzung: mindestens Android 12. Verfügbar ist die Funktion zunächst nur für Googles eigene Pixel-Geräte.

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Banken in der Pflicht

International geraten die Geldhäuser unter Druck. Die Global Anti-Scam Alliance schätzt die weltweiten Verluste durch Betrug für 2024 auf rund 850 Milliarden Euro. Herkömmliche, regelbasierte Sicherheitssysteme stoßen an ihre Grenzen – moderne Methoden wie Social Engineering sind technisch kaum noch zu erkennen.

In Österreich fordern Behördenvertreter nach der Aufarbeitung von Großinsolvenzen zusätzliche Warnsysteme in der Bilanzlegung. Finanzprokurator Wolfgang Peschorn plädiert für eine engere Kooperation, um komplexe Geldflüsse in Firmengeflechten schneller zu durchschauen. Auch die Finanzmarktaufsicht sieht die Betrugsprävention künftig als festen Bestandteil der vorgeschriebenen Geschäftsorganisation und digitalen Betriebsstabilität.