KI-Phishing: Personalisierte Mails erreichen 10-Prozent-Klickrate

Forscher zeigen: KI-generierte Phishing-Mails sind hochwirksam und kaum filterbar. Android-Nutzer besonders betroffen, Schutzmaßnahmen dringend nötig.

Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung der Technischen Universität Berlin, des Forschungsinstituts Inria sowie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) verdeutlicht die wachsende Gefahr durch künstliche Intelligenz im Bereich der Cyberkriminalität.

Den Ergebnissen zufolge erzielen durch KI personalisierte Phishing-E-Mails eine Klickrate von 10,0 Prozent. Damit erweisen sich diese automatisierten, aber individuell zugeschnittenen Nachrichten als deutlich effektiver als herkömmliche Methoden.

Die Forscher präsentierten ihre Erkenntnisse im August 2026 auf dem USENIX Security Symposium. Grundlage der Daten ist ein groß angelegter Feldversuch, der unter der Federführung der TU Braunschweig durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 7.741 Beschäftigte an der Untersuchung teil, um die Wirksamkeit verschiedener Phishing-Strategien unter realitätsnahen Bedingungen zu testen.

Signifikante Steigerung der Klickraten durch Personalisierung

Der Vergleich der verschiedenen Versandmethoden zeigt eine deutliche Überlegenheit der KI-gestützten Personalisierung gegenüber standardisierten Verfahren. Während die personalisierten KI-Mails die Zehn-Prozent-Marke erreichten, fielen die Raten bei weniger spezifischen Nachrichten deutlich geringer aus.

So erzielten generische, ebenfalls von einer KI erstellte E-Mails lediglich eine Klickrate von 3,7 Prozent. Manuell erstellte Standard-Mails, die keine individuelle Ansprache oder Kontextbezug aufwiesen, schnitten mit 4,1 Prozent nur unwesentlich besser ab.

Besonders erfolgreich zeigten sich in der Studie zwar handgeschriebene, individuell personalisierte E-Mails, die eine Klickrate von 24,2 Prozent erreichten. Allerdings verwiesen die Experten auf den massiven zeitlichen Aufwand, der mit dieser konventionellen Methode verbunden ist. Pro Nachricht mussten im Durchschnitt 7 Minuten Bearbeitungszeit investiert werden, was eine Skalierung für großflächige Angriffe nahezu unmöglich macht.

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Hohe Effizienz bei minimalen Kosten

Hier setzt der entscheidende Vorteil der künstlichen Intelligenz an: Die KI-Variante ermöglicht eine Personalisierung in Massenproduktion zu Bruchteilen der Kosten. Laut den Studienautoren belaufen sich die Kosten für eine einzelne, personalisierte KI-Mail auf lediglich 3 Cent.

Für den im Feldversuch durchgeführten Versand an 3.310 Empfänger wurde ein Budget von insgesamt 150 US-Dollar aufgewendet. Diese Kombination aus hoher Erfolgsquote und geringem finanziellen sowie zeitlichen Aufwand stellt Unternehmen und Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen.

Ein weiteres alarmierendes Ergebnis der Untersuchung betrifft die Wirksamkeit technischer Schutzmaßnahmen. Die eingesetzten Spamfilter waren gegen die KI-generierten Nachrichten weitgehend wirkungslos. Im Verlauf der Studie wurde lediglich eine einzige von insgesamt 3.949 versendeten E-Mails durch die Sicherheitssoftware als Phishing-Versuch erkannt und aussortiert.

Android-Nutzer im Visier

Die Analyse der Angriffsvektoren macht deutlich, dass insbesondere Android-Nutzer im Fokus der KI-gestützten Phishing-Kampagnen stehen. Die Angreifer nutzen die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz, um glaubwürdige Szenarien zu entwerfen, die speziell auf die Gewohnheiten und die Software-Umgebung dieses Nutzerkreises zugeschnitten sind.

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Da die Identifizierung solcher hochprofessionell gestalteten Nachrichten für den Einzelnen immer schwieriger wird, betonen die beteiligten Institute die Notwendigkeit, sowohl die technischen Abwehrmechanismen als auch die Sensibilisierung der Anwender grundlegend zu verbessern.