KI-Phishing-Welle: 200 Unternehmen im Visier von UNC6671

Neue KI-gestützte Phishing-Kampagnen bedrohen Finanzsektor und Kreativbranche. Behörden melden Erfolge gegen Netzwerke, während die KI-Industrie Sicherheitspausen einlegt.

Internationale Sicherheitsbehörden haben am 8. August 2026 eine dringende Warnung vor einer neuen Welle hochgradig personalisierter Phishing-Kampagnen und Betrugsversuchen mittels KI-Stimmenimitation veröffentlicht. Die Angreifer nutzen fortschrittliche Technologien, um gezielt Nutzerdaten abzugreifen und Unternehmen zu infiltrieren. Besonders die Kombination aus täuschend echten KI-Stimmen und präzise zugeschnittenen Inhalten stelle eine neue Qualitätsstufe der Bedrohung dar.

Finanzsektor und Großunternehmen im Visier von „Vishing“-Wellen

Laut Erkenntnissen von Google Threat Intelligence richtet sich eine aktuelle Kampagne mit der Bezeichnung UNC6671 gegen Nutzer von Microsoft 365 und Okta. Betroffen sind demnach bereits mehr als 200 Unternehmen, wobei der Fokus auf Finanzinstituten, Anwaltskanzleien und Private-Equity-Firmen liegt. Namentlich genannt wurden unter anderem Blackstone, Apollo, Bain und KKR sowie Moody’s und CME.

Die Angreifer gehen dabei äußerst agil vor: Innerhalb von nur fünf Wochen wurden 72 bösartige Websites identifiziert. Die Infrastruktur wird dabei stetig gewechselt; im Durchschnitt registrieren die Täter alle 1,6 Tage eine neue Root-Domain. Ziel dieser Aktivitäten ist häufig die Erpressung von Lösegeldern in Höhe von 1 bis 3 Millionen US-Dollar. Den Opfern würden dabei teils erhebliche Rabatte von 50 bis 75 Prozent für schnelle Zahlungen eingeräumt. Zwischen Januar und Mai 2026 wurden auf 18 identifizierten Bitcoin-Wallets bereits Transaktionen in Höhe von 141,65 BTC verzeichnet, was einem Wert von rund 11 Millionen US-Dollar entspricht.

Gezielte Attacken auf Content-Kreatoren und Führungskräfte

Neben dem Finanzsektor geraten zunehmend europäische Content-Kreatoren und Freelancer ins Fadenkreuz. Sicherheitsexperten berichten von einer Kampagne, bei der angebliche Copyrightverstöße per E-Mail gemeldet werden. Die beigefügten Links führen über legitime Dienste wie Dropbox, Discord oder Mediafire zur Infektion mit der Infostealer-Malware Rhadamanthys. Durch Techniken wie DLL-Sideloading gelingt es den Angreifern, Sicherheitsmechanismen zu umgehen und Zugangsdaten zu Unternehmenskonten zu entwenden.

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International warnen auch regionale Behörden vor ähnlichen Mustern. Das indische I4C meldete Anfang August verstärkte Aktivitäten bei sogenannten „Boss Scams“. Hierbei imitieren Kriminelle Führungskräfte über Plattformen wie WhatsApp oder Teams, um Mitarbeiter zur Installation schädlicher ZIP-Dateien zu bewegen. Allein in Malaysia verlor eine Angestellte durch eine solche KI-Phishing-Masche RM970.000. Die Polizei in Dubai sowie die Telekommunikationsbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate mahnen Bürger zudem zur Vorsicht bei unaufgeforderten Jobangeboten via Messenger-Diensten.

Gegenmaßnahmen der Behörden und Industrie-Reaktionen

Strafverfolgungsbehörden konnten in den letzten Wochen vereinzelte Erfolge erzielen. Das indische CBI führte Razzien durch, die zu vier Festnahmen führten, nachdem Opfer in den USA im Zeitraum von 2022 bis 2023 sechsstellige Beträge verloren hatten. Bereits im Juli 2026 zerschlugen die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) das Phishing-Netzwerk „Kratos“, das monatlich für rund 15.000 Angriffe verantwortlich war und modernste Methoden wie Browser-in-Browser-Attacken nutzte.

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Innerhalb der KI-Branche wächst unterdessen die Skepsis gegenüber der rasanten Entwicklung. OpenAI pausierte am 8. August 2026 die Arbeit an dem Modell Astra, da Tests kritische Cybersicherheits-Risiken wie die automatisierte Entwicklung von Zero-Day-Exploits offenbarten. Über 1.000 Branchenmitarbeiter fordern mittlerweile eine generelle Pause in der Entwicklung mächtiger KI-Modelle. Der Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), Andreas Dengel, betonte, dass agentische KI ohne strikte moralische Grenzen und internationale Kontrolle eine akute Gefahr für kritische Infrastrukturen wie das Stromnetz oder Satellitenkommunikation darstelle. In Brasilien reagierte das Wahlgericht TSE bereits mit der Resolução 23.732, die eine Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und ein striktes Verbot von Deepfakes vorschreibt.