Das Ziel: Amerikas Vorsprung vor China sichern – um nahezu jeden Preis.
Am 3. Juli 2026 präsentierte das Weiße Haus seinen „AI Action Plan“ – ein umfassendes Maßnahmenpaket mit over 90 konkreten Schritten. Die Botschaft ist eindeutig: Weniger Regulierung, mehr Tempo. Der bisherige Sicherheits-Erlass zur KI aus dem Jahr 2023 wurde aufgehoben. Stattdessen will Präsident Trump drei neue Dekrete unterzeichnen, die den Export amerikanischer Technologie fördern und „woke“ Einflüsse aus KI-Modellen verbannen sollen.
Schluss mit Sicherheitsprüfungen
Die neue Strategie setzt auf minimale Regulierung. Pflichtprüfungen durch Dritte werden abgeschafft, die Aufsicht über KI-Anwendungen in der nationalen Sicherheit reduziert. Mehr als 10.000 öffentliche Kommentare flossen in das Papier ein – doch die Industrie bekam, was sie wollte.
Um den enormen Energiehunger moderner KI zu stillen, dürfen Unternehmen künftig eigene Kraftwerke bauen. Der Präsident bezeichnete den Wettlauf um KI als „Frage des nationalen Überlebens“ und stellte die Technologie über die Erfindung des Internets. Gleichzeitig will die Regierung zwischen 40 und 60 Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion zurück in die USA holen.
Während die USA auf Deregulierung setzen, schafft die EU mit dem AI Act einen verbindlichen Rechtsrahmen für Unternehmen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Risikoklassen und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Exportkontrollen gelockert
Die neue Politik zeigt bereits Wirkung: Am 1. Juli 2026 hob das Handelsministerium die Exportbeschränkungen für Anthropics Modell „Fable 5″ auf. Nur wenige Tage zuvor waren die Auflagen für das leistungsstärkere „Mythos 5″ gelockert worden – es bleibt allerdings auf zugelassene Organisationen in den USA beschränkt.
Die ursprünglichen Restriktionen waren am 12. Juni 2026 verhängt worden, nachdem Forscher Sicherheitslücken entdeckt hatten. Nutzer konnten die Schutzmechanismen umgehen. Anthropic hat inzwischen ein neues Filtersystem implementiert und ein Prämienprogramm für Fehlermeldungen aufgelegt.
Auch OpenAI passt sich an. Das Unternehmen stimmte einer verzögerten Veröffentlichung seines neuen Modells „GPT-5.6 Sol“ zu, um der Regierung eine Sicherheitsprüfung zu ermöglichen.
Die Lockerung internationaler Exportregeln entbindet Unternehmen nicht von ihrer Verantwortung bei der Güterprüfung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie die EU-Vorgaben zur Dual-Use-Verordnung rechtssicher umsetzen und Bußgelder vermeiden. Gratis-Leitfaden zur Dual-Use-Prüfung herunterladen
Staat als Miteigentümer?
Die wohl weitreichendste Idee: Die US-Regierung erwägt, sich direkt an KI-Unternehmen zu beteiligen. OpenAI-CEO Sam Altman führte Gespräche mit dem Präsidenten, Finanzminister Bessent und Handelsminister Lutnick über einen möglichen Staatsanteil von fünf Prozent. Ein solcher Schritt würde allerdings ein Gesetz des Kongresses erfordern.
Das Vorbild existiert bereits: Im August 2025 beteiligte sich die Regierung mit knapp zehn Prozent am Chiphersteller Intel. Der Wert dieser Anteile stieg seither um rund 400 Prozent – ein Deal, der sich für den Steuerzahler bisher rechnet.
Kalifornien geht eigene Wege
Während Washington auf Konfrontation zur bisherigen Sicherheitspolitik geht, zeigen sich erste regionale Unterschiede. Anthropic sicherte sich kürzlich eine 1,8 Milliarden Dollar schwere Infrastruktur-Partnerschaft mit Akamai. Und Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom vereinbarte mit Anthropic einen Rabatt von 50 Prozent auf KI-Dienstleistungen für staatliche Behörden.
Die Silicon-Valley-Industrie begrüßt die Lockerungen mehrheitlich. Doch Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Ohne verbindliche Prüfungen und strenge Kontrollen steige das Risiko für langfristige Gefahren durch autonome Systeme. Der Wettlauf um die KI-Dominanz könnte teuer erkauft sein – mit der Sicherheit.

