KI-Produktivität: 30% der Unternehmen verzeichnen Rückgang

McKinsey zeigt: Agentische KI steigert den Programmieraufwand, doch Vertrauen, Datenqualität und Folgeprozesse begrenzen den Produktivitätsgewinn.

Der massive Vormarsch autonomer KI-Werkzeuge in Unternehmen führt nicht automatisch zu messbaren Effizienzgewinnen. Laut dem Bericht „Technology Trends Outlook 2026“ der Unternehmensberatung McKinsey verzeichneten knapp 30 Prozent der Unternehmen nach der Einführung agentischer KI-Tools einen Rückgang ihrer Produktivität.

Trotz der raschen betrieblichen Akzeptanz solcher Systeme zeigen sich in vielen Organisationen unerwartete Reibungsverluste und neue operative Engpässe.

Diskrepanz zwischen Programmieraufwand und tatsächlichen Auslieferungen

Die McKinsey-Erhebung verdeutlicht eine deutliche Kluft zwischen technischer Aktivität und tatsächlichem Ertrag. Während die reine Coding-Aktivität um 180 Prozent anstieg, erhöhte sich das Volumen der tatsächlich ausgelieferten Software-Releases lediglich um 30 Prozent.

Ein wesentlicher Grund für diese Verzögerungen liegt im anhaltenden Skepsis-Niveau der Belegschaften: Weltweit misstrauen 46 Prozent der Softwareentwickler der Genauigkeit von KI-Systemen. Nur 33 Prozent bringen den Tools Vertrauen entgegen, und lediglich 3 Prozent sprechen von einem starken Vertrauen.

Dennoch fließt enormes Kapital in dieses Marktsegment. Die Eigenkapitalinvestitionen in Firmen für agentische Software kletterten von rund 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf über 61 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2026. Dieser steile Anstieg wurde maßgeblich durch die Cursor-Übernahme im Wert von 60 Milliarden US-Dollar getrieben.

Parallel dazu verzeichnete der Markt zwischen 2024 und 2025 einen Zuwachs der einschlägigen Stellenanzeigen um 221 Prozent. Auch die Ausgaben für KI-Infrastruktur verdoppelten sich innerhalb eines Jahres, während die Investitionen in Energietechnologien im Jahr 2025 rund 200 Milliarden US-Dollar erreichten.

Vertrauenskrise und infrastrukturelle Hürden bremsen Erträge

Die Herausforderungen bei der Integration autonomer Systeme werden durch weitere Branchenuntersuchungen gestützt. Die zweite Auflage des „Data and AI Impact Report“ von SAS und IDC unter dem Titel „The New Economics of Trust“, für den 2.699 Entscheidungsträger aus 28 Ländern befragt wurden, weist auf erhebliche Vorbehalte hin.

Demnach sinkt das Vertrauen der Anwender von 76 Prozent bei generativer KI auf 66 Prozent bei agentischer KI. Laut Bryan Harris, Technologiechef bei SAS, liegen die Fehlerraten von Agenten bei komplexen Aufgaben bei über 25 Prozent.

Insgesamt übergehen 97,2 Prozent der Nutzer von KI-Systemen deren Empfehlungen zumindest teilweise, wobei mangelnde Erklärbarkeit als Hauptgrund genannt wird. Zudem verfügen bisher lediglich 17,5 Prozent der befragten Organisationen über eine voll optimierte Dateninfrastruktur.

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Die Untersuchung unterstreicht jedoch zugleich die Bedeutung klarer Kontrollmechanismen: Unternehmen mit etablierten Governance-, Datenqualitäts- und Auditierbarkeitspraktiken erzielten 1,85-fach höhere Zuwächse über 13 Geschäftsdimensionen hinweg und wiesen eine 15-mal höhere Wahrscheinlichkeit für einen starken oder hohen ROI auf als Nachzügler (62 Prozent gegenüber 4 Prozent). Rund 85 Prozent der führenden Organisationen mit solchen Kontrollen beabsichtigen, ihre Investitionen im Jahr 2026 um über 10 Prozent auszubauen.

Engpässe verlagern sich in nachgelagerte Prozesse

Praxiserfahrungen großer Technologiekonzerne spiegeln die strukturellen Hürden wider. So berichtete Clay Magouyrk, Co-CEO von Oracle, dass KI zwar die interne Softwareerstellung beschleunige, Produkte den Kunden deshalb jedoch nicht früher erreichten.

Nach dem unternehmensweiten Rollout von ChatGPT Enterprise und Codex verkürzte sich das Coding teils von zwei bis drei Quartalen auf rund eine Woche, wodurch sich Engpässe jedoch in die nachgelagerten Bereiche wie Tests, Validierung, Bereitstellung und Release verlagerten.

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Gleichzeitig belasten ungeprüfte KI-Inhalte den Arbeitsalltag. Eine Umfrage unter 1.150 Büroangestellten im Umfeld von Shopify ergab, dass 40 Prozent der Mitarbeiter mit minderwertigen KI-Erzeugnissen konfrontiert waren, was monatlich schätzungsweise 3,4 Stunden Nachbearbeitungszeit pro Kopf erfordert.

Eine weltweite Untersuchung der Personalberatung Korn Ferry unter mehr als 16.000 Fachkräften bestätigte diesen Trend: 52 Prozent der Befragten gaben an, dass KI-Werkzeuge ihre tatsächliche Arbeitslast erhöht hätten, während 49 Prozent der befragten Führungskräfte über Erschöpfung klagten.