KI-Produktivität: Studien zeigen Zweifel an echten Effizienzgewinnen

Australische Forschungsergebnisse zeigen: Viele Beschäftigte zweifeln am Nutzen von KI-Tools. Administrative Hürden und hohe Kosten belasten die Effizienz.

Aktuelle Untersuchungen der COS-Forschung in Australien stellen die Wirksamkeit bisheriger Strategien zur Integration künstlicher Intelligenz (KI) in Frage. Den Berichten zufolge gibt es wachsende Zweifel daran, ob der Einsatz von KI-Systemen die Gesamtproduktivität im Büroalltag tatsächlich steigert oder sie unter Umständen sogar absenkt. Zwar geben 52 Prozent von mehr als 1.000 befragten Büroangestellten an, dass ihnen die Technologie mehr Zeit verschaffe, doch widersprechen 30 Prozent dieser Einschätzung deutlich.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein signifikanter Teil der Belegschaft KI-Tools nicht aus Überzeugung nutzt. Rund 21 Prozent der Angestellten verwenden die Technologie demnach lediglich aufgrund der Erwartungshaltung an ihrem Arbeitsplatz. Gleichzeitig sind 56 Prozent der Befragten der Ansicht, dass eine Reduzierung der eingesetzten Systeme die Produktivität eher verbessern würde als eine weitere Aufstockung.

Administrative Hürden und manueller Mehraufwand

Ergänzende Daten einer Studie von Workday für den Raum Australien und Neuseeland (ANZ) verdeutlichen die Diskrepanz zwischen theoretischer Zeitersparnis und praktischer Belastung. Während 61 Prozent der Teilnehmenden bestätigen, dass KI die Bearbeitungszeit von Aufgaben reduziere, verbringen dennoch 30 Prozent der Angestellten wöchentlich sieben oder mehr Stunden mit der manuellen Übertragung von Daten. Zudem gaben 63 Prozent an, die Hälfte ihrer Anstrengungen in Übersetzungsarbeiten investieren zu müssen.

Anzeige

Wer den Einsatz von KI-Systemen im Unternehmen plant, muss neben der Produktivität auch die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber klärt auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act kostenlos herunterladen

Die administrativen Reibungsverluste scheinen in der Region mit 75 Prozent besonders hoch zu sein, im globalen Vergleich liegt dieser Wert bei 70 Prozent. Rund 73 Prozent der Befragten berichten zudem von Verzögerungen bei Entscheidungsfindungen, die auf fehlende Informationen zurückzuführen seien. Ein Trend zum sogenannten „Tokenmaxxing“ scheint laut Berichten bereits abzuflauen, da die Kosten steigen, ohne dass entsprechende Produktivitätsgewinne verzeichnet werden. Der CEO von Microsoft, Satya Nadella, warnte in diesem Zusammenhang davor, dass Kunden für KI-Leistungen derzeit teils doppelt zahlten.

Kostensteigerungen und organisatorische Defizite

Die finanzielle Belastung durch KI-Modelle bleibt ein zentrales Thema. Laut Palantir-CEO Alex Karp verdoppeln sich die Token-Kosten alle zwei Monate. Bei 20.000 Entwicklern und Kosten von 200 US-Dollar pro Person und Monat entstehen erhebliche Ausgaben, was Open-Source-Alternativen attraktiver mache. Goldman Sachs weist darauf hin, dass die meisten Unternehmen bislang noch keine Rendite auf ihre KI-Investitionen erzielt haben, obwohl die vier größten Technologiekonzerne im Jahr 2026 voraussichtlich über 700 Milliarden US-Dollar investieren werden.

Eine weltweite Erhebung von McKinsey unter 750 Befragten zeigt zudem, dass nur 11 Prozent der Unternehmen eine Phase der vollständigen Neugestaltung erreicht haben. Während sich 70 Prozent der Beschäftigten persönlich bereit für den Wandel fühlen, sehen nur 27 Prozent der Führungskräfte ihre Organisation als ausreichend vorbereitet an. Die Studie betont, dass die organisatorische Bereitschaft für 48 Prozent der Wertschöpfung verantwortlich ist, während die persönliche Bereitschaft nur 25 Prozent beiträgt. Ein Redesign der Arbeitsabläufe erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Wertschöpfung um das 5,3-Fache.

Anzeige

Die Einführung neuer Technologien bringt oft unvorhergesehene rechtliche Verpflichtungen und neue Cyberrisiken für die gesamte Organisation mit sich. Dieser kostenlose Report bietet einen kompakten Überblick über aktuelle Fristen, Pflichten und Risikoklassen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen – Gratis-E-Book

Risiken für die Belegschaft

Auch in anderen Regionen zeigt sich Skepsis. Eine Umfrage unter Gewerkschaftsmitgliedern in Québec aus dem Vorjahr verdeutlicht, dass nur 44 Prozent der täglichen KI-Nutzer von Produktivitätsgewinnen berichten, während 26 Prozent Verluste verzeichnen. Ein Großteil der Anwendungen (75 Prozent) beschränkt sich zudem auf kleinere Aufgaben. Experten warnen zudem vor dem Phänomen der Entscheidungsmüdigkeit und einem „Burnout durch KI“, wenn die Integration nicht sorgfältig gesteuert wird.

Sam Altman, CEO von OpenAI, räumte unterdessen ein, dass frühere Prognosen zu massiver Arbeitslosigkeit durch KI so nicht eingetreten seien. Er betonte jedoch, dass Unternehmen künftig verstärkt auf Datenqualität und klare Zielsetzungen achten müssten. In Indien zeigt sich die Herausforderung der Umstellung ebenfalls: Laut Nasscom-Präsident Rajesh Nambiar haben 20 bis 25 Prozent der IT-Firmen Schwierigkeiten, ihr Personalmodell an die KI-Entwicklung anzupassen. Während der Branchenumsatz dort um 6,1 Prozent stieg, wuchs die Beschäftigung lediglich um 2,3 Prozent.