KI-Rechenzentren: Trump sichert Stromkosten-Schutz für 263 Millionen

Die US-Initiative gegen Strompreissteigerungen durch KI-Rechenzentren gewinnt an Zulauf. Über 200 Unternehmen und Staaten verpflichten sich, Kosten nicht auf Haushalte abzuwälzen.

Die US-Regierung verstärkt ihren Kampf gegen steigende Strompreise durch KI-Rechenzentren. Mehr als 200 neue Unternehmen und Staaten haben sich einer freiwilligen Selbstverpflichtung angeschlossen, die verhindern soll, dass Milliardenkosten für neue Kraftwerke auf private Haushalte abgewälzt werden.

Koalition der Kostenträger

Die Ratepayer Protection Pledge umfasst nun 23 Gouverneure, 187 Unternehmen und zahlreiche Stromversorger. Zusammen decken sie rund 80 Prozent des amerikanischen Strommarktes ab – das entspricht etwa 263 Millionen Menschen. Präsident Trump gab die Erweiterung gestern am Hauptsitz der Umweltbehörde EPA bekannt.

Die ursprünglich im Februar während der „State of the Union“-Rede angekündigte Initiative verpflichtet die Teilnehmer zu fünf Kernpunkten: Rechenzentren-Betreiber müssen die gesamte neue Strominfrastruktur finanzieren, vereinbarte Strommengen auch bei Nichtnutzung bezahlen, lokale Arbeitsplätze schaffen und zur Netzstabilität beitragen. „Die Tech-Konzerne sollen ihre Zeche selbst zahlen“, betonte Trump.

Explodierender Energiehunger

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Analysten warnen vor einer dramatischen Belastung des US-Stromnetzes. BloombergNEF prognostiziert, dass Rechenzentren bis 2035 fast 20 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs ausmachen könnten – heute sind es rund 5,9 Prozent. Das entspricht einer Nachfrage von 194 Gigawatt, 83 Prozent mehr als noch Ende letzten Jahres prognostiziert.

Anzeige

Der rasante Ausbau von KI-Infrastrukturen bringt nicht nur energetische, sondern auch komplexe regulatorische Herausforderungen für die beteiligten Tech-Unternehmen mit sich. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Das Energieministerium rechnet bereits für 2030 mit einem Anteil von neun Prozent. Eine Studie der Beratungsfirma ICF kommt zu alarmierenden Ergebnissen: Ohne Gegenmaßnahmen könnten die monatlichen Stromrechnungen privater Haushalte bis Ende des Jahrzehnts um 15 bis 40 Prozent steigen.

Nvidia-CEO Jensen Huang sprach zuletzt von einem Strommangel, der „schwerwiegender sein könnte, als die Öffentlichkeit derzeit annimmt“.

Konkrete Projekte und Einsparungen

Mehrere Großkonzerne haben bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt:

  • Meta übernimmt in Louisiana die gesamten Anschlusskosten für ein neues Projekt im Richland Parish. Lokale Behörden beziffern die Entlastung für die Anwohner auf rund 2,6 Milliarden Euro.
  • OpenAI treibt „Project Camellia“ voran – einen 3,2-Gigawatt-Campus in Georgia, der zwischen 2028 und 2032 schrittweise in Betrieb gehen soll. Geplant sind unter anderem geschlossene Kühlsysteme.
  • NiSource hat mit Amazon und Alphabet Vereinbarungen getroffen, die den Kunden über 15 Jahre rund 1,4 Milliarden Euro zurückgeben sollen.
  • DTE Energy erwartet durch Kooperationen mit Google und Oracle erhebliche Einsparungen für die gesamte Kundschaft.
  • Crusoe entwickelt einen 900-Megawatt-Campus in Texas mit eigener Stromerzeugung, um das öffentliche Netz zu entlasten.
Anzeige

Während Tech-Giganten neue Standorte planen, müssen sie auch die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz ihrer Systeme im Blick behalten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme künftig als Hochrisiko gelten und was Unternehmen nun konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum AI Act sichern

Widerstand wächst

Doch die freiwillige Selbstverpflichtung kommt nicht überall gut an. Eine Gallup-Umfrage vom Mai zeigt: 70 Prozent der Amerikaner lehnen den bau großer Rechenzentren in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ab. Die Folgen sind bereits sichtbar: Im ersten Quartal 2026 wurden 75 Projekte im Wert von rund 130 Milliarden Euro blockiert oder verschoben.

Mehrere Bundesstaaten ziehen eigene Konsequenzen. New York verhängte ein einjähriges Moratorium für den Bau großer Serverhallen. Florida verbot per Gesetz, dass Versorger die Infrastrukturkosten auf Privathaushalte umlegen. Auf Bundesebene hat der Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses einen überparteilichen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Rechenzentren zur vollständigen Übernahme der Netzkosten verpflichten würde.