KI-Rechenzentrum: Südkorea startet 1,75-Milliarden-Projekt in Haenam

Südkorea beginnt mit dem Bau seines nationalen KI-Rechenzentrums in Haenam. Das 1,75-Milliarden-Euro-Projekt soll bis 2030 rund 50.000 KI-Beschleuniger beherbergen.

Südkorea hat am heutigen Montag offiziell mit dem Bau seines Nationalen KI-Rechenzentrums in Haenam begonnen. Das 2,5-Billionen-Won-Projekt (rund 1,75 Milliarden Euro) soll das Land zu einem globalen Zentrum für künstliche Intelligenz machen – und ist Teil eines weltweiten Wettrüstens um Rechenkapazitäten.

Das Vorhaben in der Provinz Süd-Jeolla ist das bislang ehrgeizigste seiner Art in Südkorea. Ein Konsortium unter Führung von Samsung SDS – gemeinsam mit Naver Cloud, Kakao, KT und Samsung Electronics – verantwortet die Entwicklung. Bis 2028 sollen dort 15.000 moderne KI-Halbleiter installiert werden, bis 2030 sogar 50.000 Einheiten. Welche konkreten Chips zum Einsatz kommen, ist noch offen – die Betreiber wollen nach eigenen Angaben die jeweils neuesten verfügbaren KI-Beschleuniger verbauen.

Öffentlich-private Partnerschaft als Erfolgsmodell

Bemerkenswert ist die Finanzierungsstruktur: Private Unternehmen halten 71 Prozent der Anteile, öffentliche Institutionen 29 Prozent. Samsung SDS ist mit 30 Prozent der größte Anteilseigner. Um die Zeit bis zur Fertigstellung zu überbrücken, sollen ab 2027 erste KI-Dienste über ein bestehendes Rechenzentrum von Samsung SDS bereitgestellt werden.

Der Spatenstich folgt auf die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens KOACC (Korea AI Computing Center) im Juni dieses Jahres. Damit will Südkorea seine Position im globalen KI-Wettbewerb stärken – und das nicht allein: Weltweit investieren Technologiekonzerne derzeit in nie dagewesenem Ausmaß in Recheninfrastruktur.

Cloud-Riesen treiben Investitionen auf Rekordniveau

Die Marktforscher von TrendForce haben ihre Prognose für KI-Server-Auslieferungen 2026 nach oben korrigiert: Statt der bisherigen Erwartungen rechnen sie nun mit einem Wachstum von 31 Prozent im Jahresvergleich. Die neun größten Cloud-Anbieter – darunter Google, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle, ByteDance, Tencent, Alibaba und Baidu – werden ihre Investitionen (CapEx) demnach auf über 886,7 Milliarden Dollar ausweiten.

Der Trend setzt sich fort: Für 2027 prognostizieren Analysten Gesamtinvestitionen von bis zu 1,3 Billionen Dollar – ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber 2026. Besonders chinesische Anbieter legen zu, mit Investitionssteigerungen von über 80 Prozent.

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Mega-Projekte in den USA

In den Vereinigten Staaten laufen mehrere Großprojekte in die entscheidende Phase. OpenAI treibt ein 20-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum im Effingham County im US-Bundesstaat Georgia voran. Die Anlage mit 4,4 Millionen Quadratfuß Fläche (rund 409.000 Quadratmeter) soll eine Leistung von 3,2 Gigawatt benötigen. Der Bau beginnt nach dem Sommer 2026.

Parallel planen Brookfield und NextEra Energy in Paducah, Kentucky, einen KI-Komplex für 100 Milliarden Dollar. Auf dem Gelände einer ehemaligen Urananreicherungsanlage entsteht ein Campus mit 1,2 Gigawatt Rechenleistung, abgesichert durch 2,6 Gigawatt Batteriespeicher und 1,8 Gigawatt Versorgungskapazität. Die Fertigstellung ist für 2032 geplant, rund 600 dauerhafte Arbeitsplätze sollen entstehen.

Strategische Allianzen und das „AI-Factory“-Modell

Die Industrie setzt zunehmend auf milliardenschwere Partnerschaften, um Hardware und Finanzierung zu sichern. SK Group und Nvidia wollen ihre Zusammenarbeit auf 500 Milliarden Dollar ausweiten – mit Fokus auf KI-Fabriken und Spezialspeicher. Geplant ist unter anderem eine 2-Gigawatt-KI-Cloud in Südkorea mit Nvidia-Technologie und HBM4-Speicher von SK hynix. Die erste dedizierte KI-Fabrik soll 2027 in Betrieb gehen.

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Naver verfolgt ein eigenes Modell: Der südkoreanische Internetkonzern baut eine spezialisierte „KI-Fabrik“ mit komplexer Finanzierung – eine Milliarde Dollar von Nvidia, bis zu neun Milliarden von Brookfield. Bis 2028 sollen 200 Megawatt Kapazität erreicht werden, das Endziel liegt bei einem Gigawatt. Die ersten 55 Megawatt gehen voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2027 ans Netz.

China baut massiv aus

Auch der chinesische KI-Entwickler DeepSeek plant ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung in Ulanqab in der Inneren Mongolei. Mit 7,4 Milliarden Dollar von Investoren wie Tencent und CATL im Rücken will das Unternehmen eigene und angemietete Kapazitäten nutzen. Der Teilbetrieb soll zwischen Ende 2027 und Anfang 2028 starten. Welche Prozessoren genau zum Einsatz kommen, ist noch nicht bestätigt – die Anlage wird aber für verschiedene Hochleistungschips ausgelegt.