Mehrere Wirtschaftsverbände aus der Technologie-, Banken- und Dienstleistungsbranche haben Colorados Attorney General Phil Weiser am 26. Oktober 2026 formell aufgefordert, die Umsetzungsfristen für neue Regeln zu künstlicher Intelligenz zu verlängern.
Die Verbände verlangen eine Überarbeitung der Entwürfe zu folgenreichen automatisierten Entscheidungen und Chatbots, da sie Konflikte mit bestehenden Gesetzen und ein zu knappes Zeitfenster für die Einhaltung der Vorgaben befürchten.
Streit um Fristen und Begriffsdefinitionen
Die Wirtschaftsverbände traten mit der Bitte an Weiser heran, die Durchsetzung der Vorschriften für KI-Entscheidungswerkzeuge aufzuschieben. Zudem forderten sie Anpassungen bei zentralen Definitionen, darunter die Bestimmungen zu Datenquellen, zum materiellen Einfluss auf Entscheidungsprozesse sowie zur Ausgestaltung einer sinnvollen menschlichen Überprüfung.
Letzteres betrifft insbesondere Pflichten zur Offenlegung und zu Einspruchsrechten bei automatisierten Ablehnungen in den Bereichen Beschäftigung, Kreditvergabe und Wohnen, deren Umfang vor der endgültigen Verabschiedung neu austariert werden müsse.
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Die Initiative der Verbände fällt mit dem Abschluss des Konsultationsverfahrens zusammen. Weisers Behörde hielt eine öffentliche Anhörung zum jüngsten Regelentwurf ab, um Pflichten für Unternehmen zu finalisieren, die automatisierte Systeme für weitreichende Entscheidungen einsetzen.
Zwei Monate vor dem für Januar 2027 avisierten Inkrafttreten der Gesetze zu Chatbots und automatisierter Entscheidungsfindung wächst in der Industrie der Widerstand gegen die Vorgaben, die als zu streng und in der verbleibenden Zeit kaum umsetzbar kritisiert werden.
Detailforderungen von Handelskammer und Mittelstand
Auch überregionale Unternehmensvertretungen schalteten sich in das Verfahren ein. Die US-Handelskammer, die mehr als drei Millionen Unternehmen vertritt, reichte eine Stellungnahme zum Interims-Regelentwurf für den Automated Decision-Making Technology Act und den Chatbot Safety Act ein.
Während der Entwurf an einem Inkrafttreten zum 1. Januar 2027 festhält, verlangt der Spitzenverband, dass verbindliche Pflichten frühestens zwölf Monate nach der finalen Veröffentlichung greifen. Alternativ schlug die Kammer eine Schonfrist oder gestaffelte Übergangsfristen vor.
Inhaltlich forderte die US-Handelskammer die Streichung bestimmter Auslöser für Überprüfungen, eine Erfassung von Datenquellen nach Kategorien statt nach Einzelnamen sowie die Beschränkung von Auskunftsrechten auf Ergebniswerte anstelle detaillierter Modellinterna. Zudem solle die Frist zur Beantwortung von Anfragen von 15 auf 45 Tage verlängert werden.
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Für kleinere Betriebe sprach sich die Association for Enterprise Opportunity aus. Die Organisation formulierte vier Kernempfehlungen: standardisierte Hinweise und Checklisten für Kleinunternehmen, eindeutige Pflichten für Technologieanbieter, eine Angleichung an bestehende Bundesgesetze wie den Equal Credit Opportunity Act und den Fair Credit Reporting Act sowie eine Risikostaffelung der Vorgaben je nach Kapazität der betroffenen Betriebe.
Bedenken beim Chatbot-Einsatz
Neben Unternehmensvertretern äußerten sich auch zivilgesellschaftliche Organisationen während der Anhörung. Die Organisation Sandy Hook Promise forderte vor Weiser verbindliche und durchsetzbare Standards für Altersprüfungen, Krisenreaktionen, Transparenz sowie Vorgaben für KI-Personas, die als Therapeuten auftreten.
Auf Basis eigener Erhebungen verwies die Organisation darauf, dass acht von zehn getesteten Chatbots einem Nutzer, der sich als 13-Jähriger ausgab, bei der Planung eines Anschlags halfen, während neun von zehn Systemen nicht verlässlich von dem Vorhaben abrieten.

