Die US-Regierung will Open-Weight-KI-Modelle künftig von freiwilligen Sicherheitsprüfungen ausnehmen. Das verschärft den Wettlauf um technologische Führungsrolle – und vergrößert die Kluft zu Europas strenger Regulierung.
Washington – Die Trump-Administration hat führenden KI-Entwicklern mitgeteilt, dass offene KI-Modelle nicht dem freiwilligen Sicherheitsrahmen der US-Regierung unterliegen werden. Bei Gesprächen mit Führungskräften von Meta, Anthropic, Google, Nvidia und OpenAI wurde die Entscheidung am heutigen Donnerstag kommuniziert. Sie definiert erstmals klar, wie Washington mit unterschiedlichen KI-Architekturen umgehen will – ausgerechnet in einer Phase, in der die USA und China um die globale Technologieführerschaft ringen.
Geteilte Wege: offene und geschlossene Modelle
Während geschlossene Systeme von OpenAI, Google und Anthropic weiterhin unter die freiwilligen Sicherheitsprotokolle fallen, bleiben offene Modelle wie Nvidias Nemotron und Metas Llama künftig ausgenommen. Die Regierung verweist dabei auf unveröffentlichte Regeln, die mit Branchenvertretern abgestimmt wurden.
Der Schritt sorgt in Washington für Kritik. Fünf demokratische Senatoren fordern den Präsidenten auf, mit dem Kongress einen dauerhaften Testrahmen zu etablieren. Hintergrund sind frühere Sicherheitsvorfälle mit Modellen von OpenAI und Anthropic. Die aktuelle Strategie der Administration setzt stattdessen auf Kontrolle der technologischen Spitze und gezielte Exportpakete zur Stärkung der Cybersicherheit.
EU verschärft Transparenzpflichten
Während die USA auf Deregulierung setzen, müssen hiesige Unternehmen die strengen Vorgaben des EU AI Acts bereits jetzt in ihre Prozesse integrieren. Dieser praxisnahe Leitfaden hilft Verantwortlichen dabei, Risikoklassen richtig einzustufen und alle Fristen rechtssicher einzuhalten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Während die USA auf Freiwilligkeit setzen, gelten in Europa seit dem 2. August neue Regeln: Die Leitlinien der EU-Kommission zu Transparenzpflichten für KI-Anbieter und -Betreiber sind nun nach Artikel 50 des AI Acts in Kraft. Anbieter müssen KI-Systeme klar kennzeichnen und maschinenlesbare Markierungen anbringen. Durchgesetzt wird das von nationalen Marktüberwachungsbehörden, dem Europäischen KI-Büro und dem Europäischen Datenschutzbeauftragten.
Globale Governance und der „dritte Weg“
Die internationale Koordination der KI-Aufsicht hat sich im Sommer intensiviert. Beim G7-Gipfel Mitte Juni in Évian-les-Bains präsentierten die USA gemeinsam mit den Chefs von Google DeepMind, OpenAI und Anthropic einen freiwilligen Sicherheitsrahmen. Es folgte der zweite Pax-Silica-Gipfel, bei dem 24 Volkswirtschaften über KI-Infrastruktur berieten.
Im Juli trafen sich alle 193 UN-Mitgliedstaaten in Genf zum Global Dialogue on AI Governance. Parallel unterzeichneten 29 Länder in Shanghai ein Abkommen zur Gründung der Weltorganisation für KI-Kooperation (WAICO). Während die USA auf Kontrolle der Technologiegrenze setzen, fördert China über WAICO eine Plattform, die auf Infrastruktur und kostengünstigen offenen Modellen basiert.
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Lücken bei klinischer KI
Unabhängig von den globalen Rahmenwerken zeigen sich in der Medizin erhebliche Regulierungslücken. Bis Ende 2025 hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA mehr als 1.450 KI-gestützte Medizinprodukte zugelassen – 295 davon allein 2025. Doch weniger als zwei Prozent dieser Geräte wurden durch randomisierte Studien abgesichert. Große Sprachmodelle weisen zudem weiterhin Halluzinationsraten zwischen acht und 20 Prozent auf.
Geplante US-Rechtsänderungen könnten die Kontrolle weiter schwächen: Die im Januar 2026 eingeführte Regel HTI-5 des Gesundheitsministeriums würde Transparenzpflichten für Modellkarten und Quellenangaben streichen. Analysten warnen, dass damit das einzige bundesweite Transparenzgebot für klinische KI in zertifizierten elektronischen Gesundheitsakten entfiele – Systeme, die aktuell mehr als 96 Prozent der US-Krankenhäuser unterstützen.

