KI-Regulierung: Weltweit wächst die Spaltung

Der globale KI-Gipfel offenbarte tiefe Gräben: Während die UN ein wissenschaftliches Gremium gründet und Indien eine ethische Vision vorlegt, lehnen die USA globale Regeln strikt ab.

Die Debatte um die Regulierung Künstlicher Intelligenz spaltet die Weltgemeinschaft. Auf dem KI-Gipfel in Neu-Delhi zeichneten sich diese Woche drei unvereinbare Wege ab.

Während die Vereinten Nationen einen wissenschaftlichen Beirat nach Vorbild des Weltklimarats einsetzen und Indien eine menschenzentrierte Vision für den Globalen Süden präsentiert, lehnen die USA globale Regeln kategorisch ab. Die Ereignisse markieren einen Wendepunkt: Die Diskussion ist von Grundsatzfragen zu konkreten, aber gegensätzlichen Regulierungsmodellen übergegangen. Für internationale Tech-Konzerne entsteht ein komplexes Geflecht aus Vorschriften – ein „Compliance-Splinternet“.

UN setzt auf wissenschaftsbasierte globale Steuerung

Generalsekretär António Guterres verkündete am Freitag die Besetzung des neuen Unabhängigen Internationalen Wissenschaftlichen Gremiums für KI mit 40 Mitgliedern. Das Gremium soll, ähnlich wie der IPCC für den Klimawandel, Regierungen evidenzbasierte Analysen liefern. Guterres rief zu „weniger Hype, weniger Angst“ und mehr Fakten auf.

Das primäre Ziel: „Menschliche Kontrolle zu einer technischen Realität – nicht nur zu einem Slogan – zu machen“. Die Verantwortung dürfe nie an einen Algorithmus ausgelagert werden. Die erste Bewertung des Gremiums wird für Juli erwartet, rechtzeitig zum globalen UN-Dialog zur KI-Governance.

Indien präsentiert „MANAV“-Rahmen für den Globalen Süden

Indien positioniert sich als Sprachrohr der Schwellen- und Entwicklungsländer. Premierminister Narendra Modi stellte die „MANAV Vision“ vor – einen ethischen, rechenschaftspflichtigen und inklusiven Ansatz für KI. Damit erweitert Indien die Debatte, die in den USA und Europa oft von Wirtschaftswettbewerb und Sicherheit frontiernaher Modelle dominiert wird.

Der Gipfel soll in der „Delhi-Deklaration“ münden, die nach Angaben des Technologieministers mindestens 70 Unterzeichner finden wird. Sie verpflichtet die Staaten darauf, die KI-Vorteile gerecht zu teilen. Dieser Fokus auf souveräne Technologiekontrolle und gerechte Entwicklung markiert einen deutlichen dritten Weg in der globalen Regulierungsdiskussion.

USA lehnen globale Governance kategorisch ab

Im scharfen Kontrast zu multilateralen Ansätzen bekräftigte ein US-Regierungsvertreter die Ablehnung globaler KI-Governance. Michael Kratsios betonte den US-Kurs: nationale Interessen und Innovationsförderung stehen im Vordergrund. Umfassende internationale Verträge, die die amerikanische Technologieführerschaft bremsen könnten, lehnt Washington ab.

Diese Philosophie wurde diese Woche konkret: Das US-Finanzministerium veröffentlichte ein KI-Lexikon und einen Risikomanagement-Rahmen für den Finanzsektor. Es ist ein Musterbeispiel der US-Strategie: zielgerichtete, branchenspezifische Regeln auf nationaler Ebene statt breiter internationaler Abkommen. Dieser Ansatz steht im Gegensatz zum umfassenden EU-KI-Gesetz und den UN-Bemühungen.

Drei Wege, eine ungewisse Zukunft

Die letzten 72 Stunden haben die weltweiten Differenzen verdeutlicht. Die EU setzt ihr umfassendes, risikobasiertes KI-Gesetz um.

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Die USA verfolgen einen Flickenteppich aus Bundes- und Staatsgesetzen. UN und Indien etablieren einen dritten Pfad, der auf globale Inklusivität und Menschenrechte setzt.

Für Unternehmen wie SAP oder deutsche DAX-Konzerne wird die Compliance zur Herausforderung. Ein KI-Produkt muss künftig unterschiedlichsten Rechtsstandards genügen. Die Aussicht auf ein einheitliches globales Regelwerk scheint ferner denn je. Die kommenden Monate werden diese parallelen Wege zementieren – und zwingen Entwickler, Unternehmen und Staaten zu folgenreichen Entscheidungen.