Nach der NAB Show und einer Serie von Software-Updates im Mai haben die großen Player ihre Werkzeuge neu erfunden: Künstliche Intelligenz wird zum festen Bestandteil des Schnittprozesses, während die Grenzen zwischen Foto- und Videobearbeitung verschwimmen.
DaVinci Resolve 21: Hollywood-Technik für Fotografen
Blackmagic Design sorgte auf der NAB Show im April für Aufsehen. Mit DaVinci Resolve 21 erweitert das Unternehmen seine Software radikal: Eine eigene „Photo Page“ bringt die profeSSionelle Farbkorrektur aus der Filmwelt zu Standbildern. Fotografen können nun auf dieselben Werkzeuge zugreifen, die sonst nur für Kinoproduktionen genutzt werden.
Die Beta 3, veröffentlicht am 14. Mai 2026, bringt entscheidende Neuerungen. Die Software unterstützt jetzt die Sony a7V und beherrscht Raw-Formate wie Canon CR3, Panasonic Lumix RW2 und Apple ProRAW. Besonders spannend: Nutzer können Sony- und Canon-Kameras direkt an die Software anschließen und live aufnehmen.
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KI-Werkzeuge im Überblick
Die neue Version setzt stark auf den hauseigenen DaVinci Neural Engine. Vier Funktionen stechen heraus:
- IntelliSearch: Per Sprachbefehl bestimmte Personen oder Objekte im Medienpool finden
- Face Age Transformer: Gesichter in bewegten Szenen altern oder verjüngen
- CineFocus: Künstliche Intelligenz passt Schärfepunkte und Tiefenschärfe nachträglich an
- AI Speech Generator: Erzeugt Voiceovers aus Text – mit nur zehn Sekunden Quellaudio
Adobe Premiere: Neuer Name, schärfere Masken
Adobe hat seinem Flaggschiff einen neuen Namen verpasst. Aus Adobe Premiere Pro wurde schlicht Adobe Premiere – ein klares Signal für den Neuanfang. Die Aktualisierung, die zeitgleich mit dem Sundance Film Festival im Januar kam, konzentriert sich auf KI-gestützte Maskierung.
Das Herzstück: die AI Object Masking. Ein Klick genügt, um Personen oder Objekte zu isolieren und automatisch zu verfolgen. Farbkorrekturen oder Effekte lassen sich auf bewegte Motive anwenden, ohne dass der Editor jedes Bild einzeln bearbeiten muss. Adobe hat zudem die Vektormasken überarbeitet – mit besserer Kontrolle über abgerundete Ecken und numerischer Eingabe für höchste Präzision.
Über 90 neue Echtzeit-Effekte und Übergänge sind hinzugekommen – ein Ergebnis der Übernahme von Film Impact. Die Generative Extend-Funktion, die auf dem Firefly-Video-Modell basiert, ist inzwischen allgemein verfügbar. Sie erzeugt fehlende Frames, um Lücken im Material zu schließen. Adobe zufolge wurden mit Firefly weltweit bereits über 18 Milliarden Assets generiert.
Apple und Canva: Schnelligkeit für Creator
Apple hat Final Cut Pro Anfang 2026 mit „Powerful Intelligence“-Funktionen aufgerüstet. Die Visual Search findet per Texteingabe bestimmte Aktionen oder Objekte im Filmmaterial. Ein neues Beat Detection-Tool analysiert Musik automatisch und erkennt Takte, sodass Schnitte perfekt zum Rhythmus passen.
Canva hat auf seiner Canva Create-Veranstaltung im Mai 2026 Video Editor 2.0 vorgestellt. Die Plattform richtet sich an Kleinunternehmer und Social-Media-Creator. „Video Building Blocks“ und KI-Effekte ermöglichen schnelle Produktionen mit hohem Qualitätsanspruch – ohne technisches Vorwissen.
Die Entwicklung folgt einem klaren Trend: Fast 85 Prozent aller mobilen Videos werden laut Branchenstudien stumm konsumiert. Automatische, hochwertige Untertitel sind längst kein Luxus mehr, sondern Grundvoraussetzung.
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Immersive Medien und Cloud-Kollaboration
Die technische Grenze verschiebt sich in Richtung räumlicher Videos, insbesondere für Apple Vision Pro und Meta Quest. DaVinci Resolve 21 unterstützt jetzt Apple Immersive Video mit foveated Rendering – die Rechenleistung konzentriert sich auf den Bereich, den der Betrachter tatsächlich ansieht. Das entlastet die Grafikkarte erheblich.
Auch die Zusammenarbeit in der Cloud hat sich verbessert. Die Plattform Outpost erhielt auf der NAB Show 2026 einen Best-of-Show-Award für ihre bidirektionale Integration mit Premiere. Kundenkommentare erscheinen direkt als Marker auf der Timeline des Editors – Exporte und manuelle Notizen entfallen.
Vom Editor zum Content-Architekten
Die Rolle des Videoredakteurs wandelt sich grundlegend. Branchenbeobachter sprechen von einer Entwicklung vom technischen Bediener zum Content-Architekten. Das Motto lautet: „Menschliche Strategie, KI-Ausführung“. Während die künstliche Intelligenz das „Schmuddelgeschäft“ übernimmt – Multicam-Synchronisation, Stille entfernen, Rohschnitte erstellen – bleibt die kreative Richtung in menschlicher Hand.
KI-gestützte Arbeitsabläufe können die Vorbereitungszeit für Filmmaterial um 60 bis 90 Prozent reduzieren. Für den Rest des Jahres 2026 erwarten Experten, dass vorhersagende Clipping-Systeme Standard werden. Sie analysieren Aufnahmen und identifizieren Szenen, die auf sozialen Plattformen besonders gut funktionieren – basierend auf historischen Engagement-Mustern.
Die Grenzen zwischen Profi- und Einsteigersoftware verschwimmen zusehends. Professionelle Suiten übernehmen die benutzerfreundliche Automatisierung von mobilen Apps, während browserbasierte Editoren zunehmend Farb- und Audiowerkzeuge integrieren, die früher nur in High-End-Studios zu finden waren. Die Herausforderung für die Entwickler: Die KI-Modelle müssen kommerziell sicher bleiben und geistiges Eigentum respektieren – bei gleichzeitig steigender Geschwindigkeit des kreativen Prozesses.

