KI-Schulden explodieren: 310 Milliarden Euro in ersten sechs Monaten

Die Verschuldung für KI-Rechenzentren hat sich im ersten Halbjahr 2026 fast verdoppelt. Nvidia bürgt für Kundenkredite, während Investoren vor systemischen Risiken warnen.

Ein 35-Milliarden-Euro-Schuldenpaket, besichert mit Nvidia-Chips, soll zeigen, wie groß der Appetit der Investoren auf KI-Infrastruktur wirklich ist. Finanzinstitute tauschen derzeit Anteile an diesem milliardenschweren Paket – und gehen damit ein Risiko ein, das an die Finanzierung von Flugzeugen erinnert, aber deutlich tückischer ist.

Explosionsartiges Wachstum der KI-Verschuldung

Die Finanzierung von KI-Hardware und Rechenzentren hat im ersten Halbjahr 2026 dramatisch zugelegt. Branchendaten zufolge wurden in diesem Zeitraum Anleihen und Kredite im Volumen von rund 310 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur begeben. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber den 172 Milliarden Euro, die im gesamten Jahr 2025 verbucht wurden.

Angeführt wird dieser Boom von den größten KI-Investoren: Sie begaben in den ersten sechs Monaten Anleihen im Wert von 227 Milliarden Euro – ein vierzehnfacher Anstieg gegenüber 2024.

Die Verschuldungsquoten der großen Hyperscaler haben sich innerhalb eines halben Jahres auf das 1,8-Fache verdoppelt. Noch bemerkenswerter: Die fünf größten US-Technologiekonzerne halten mittlerweile außerbilanzielle Schulden von rund 1,5 Billionen Euro – mehr als ihre 1,25 Billionen Euro an bilanzierten Verbindlichkeiten. Private Anleihenemissionen in diesem Sektor erreichten bis Mai 2026 rund 75 Milliarden Euro – das stärkste Ergebnis seit 2016.

Nvidia als Sicherheitsnetz – und Risikofaktor

Nvidia spielt eine aktive Rolle bei der Finanzierung seiner eigenen Kunden. Der Chip-Hersteller bürgt für Kredite an sogenannte „Neocloud“-Anbieter. Das Modell: Sollte ein Kunde die Zahlungen einstellen, springt Nvidia ein. Genutzt wird dieses Konstrukt derzeit unter anderem vom Anbieter GMI Cloud für eine Investitionszusage von 465 Millionen Euro. Auch andere aufstrebende Anbieter wie Firmus und Sharon AI arbeiten mit ähnlichen Strukturen.

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Befürworter argumentieren, diese Arrangements seien durch echte Marktnachfrage gedeckt. Kritiker hingegen warnen vor zirkulären Finanzierungsrisiken. Ihre Sorge: Ein systemisches Kreditereignis könnte ausgelöst werden, wenn die spezialisierten Cloud-Anbieter nicht genügend Umsatz erwirtschaften, um die Schulden für die Chip-Käufe zu bedienen.

Eine aktuelle Umfrage unter globalen Fondsmanagern untermauert diese Bedenken: 48 Prozent der Befragten sehen KI-Hyperscaler-Schulden als den wahrscheinlichsten Auslöser für ein systemisches Kreditereignis.

Milliarden-Deals für Rechenzentren

Große Finanzstrukturen verlagern KI-bezogene Schulden zunehmend aus den Bilanzen der Technologiekonzerne. BlackRock führt derzeit eine Anleiheemission von über 11 Milliarden Euro an, um ein 1-Gigawatt-Rechenzentrum für Meta in El Paso zu finanzieren. BlackRock hält dabei 80 Prozent, Meta 20 Prozent und least die Anlage zurück.

Dies folgt auf eine ähnliche Privatanleihe über 25 Milliarden Euro für ein separates Projekt in Louisiana, das auf 5 Gigawatt erweitert werden soll – bei prognostizierten Gesamtkosten von 46 Milliarden Euro.

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Weitere bedeutende Finanzierungen im Privatkreditmarkt:

  • Nebius: Sicherte sich eine besicherte Kreditfazilität über 720 Millionen Euro, angeführt von der japanischen MUFG mit Beteiligung mehrerer internationaler Banken. Die bis Oktober 2030 laufenden Schulden sind durch GPU-Infrastruktur und vertragliche Zahlungsströme besichert.
  • IREN: Schloss einen GPU-Finanzierungsdeal über 3,4 Milliarden Euro zur Unterstützung eines Vertrags mit Microsoft ab.
  • Blackstone: Strebt offenbar einen Kredit über 2,8 Milliarden Euro für den Ausbau eines Rechenzentrums in Sydney an.

Verschiebung der Marktdynamik

Nvidia selbst plant eigenen Berichten zufolge eine Anleiheemission über 18,5 Milliarden Euro mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren. Die langlaufenden Papiere sollen eine Rendite knapp über US-Staatsanleihen bieten.

Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung verändert auch andere Branchen – insbesondere das Kryptocurrency-Mining. Zwischen Oktober und März verkauften Bitcoin-Miner mehr als 15.000 BTC, während sie begannen, ihre Anlagen für KI-Hosting umzurüsten. Unternehmen wie HIVE Digital und TeraWulf gehören zu denen, die ihre Infrastruktur umstellen.

Trotz des rasanten Wachstums mehren sich die Anzeichen für Marktspannungen. Die Kreditausfallversicherungen für einige große Tech-Unternehmen sind gestiegen, und bestimmte langlaufende Anleihen notieren seit ihrer Emission niedriger.