Gezielte Investitionen in die Belegschaft bilden den entscheidenden Unterschied zwischen erfolgreichen Vorreitern beim Einsatz künstlicher Intelligenz und dem restlichen Markt. Dies betonte Diana David, Zukunftsdirektorin des Softwarekonzerns ServiceNow, am 01.10.2026 auf dem Branchengipfel Fortune AIQ Summit.
Während viele Unternehmen erhebliche Mittel in technische Lösungen stecken, hänge die tatsächliche Wertschöpfung vor allem an der systematischen Befähigung der Mitarbeiter.
Reifegradindex belegt deutliche Kluft bei Schulung und Bindung
Ergebnisse aus dem aktuellen ServiceNow Enterprise AI Maturity Index untermauern diese Einschätzung. Demnach investieren 57 Prozent der als Schrittmacher eingestuften Organisationen fortlaufend in Schulungen zur künstlichen Intelligenz. Unter den übrigen Unternehmen liegt dieser Anteil bei lediglich 4 Prozent.
Ein ähnlich deutlicher Abstand zeigt sich bei der Rekrutierung und langfristigen Bindung entsprechender Fachkräfte: 68 Prozent der führenden Organisationen setzen hier gezielte Schwerpunkte, während es bei der Vergleichsgruppe nur 10 Prozent sind.
Diese Spitzengruppe macht rund 21 Prozent der im Index untersuchten Organisationen aus. Sie erzielt im Gesamtergebnis durchschnittlich 74 von 100 möglichen Punkten, wohingegen die übrigen Unternehmen auf einen Schnitt von 45 Punkten kommen.
Die wirtschaftliche Ausbeute ist messbar: Der durchschnittliche Return on Investment beläuft sich bei den führenden Akteuren auf 160 Prozent. Über den gesamten Markt hinweg fiel der Indexwert zuvor von 44 auf 35 Punkte, stieg im laufenden Jahr jedoch wieder auf einen Mittelwert von 51.
Trotz Fortschritten offenbart die Erhebung strukturelle Defizite in der Breite. Zwar haben 59 Prozent der Unternehmen das reine Pilotstadium hinter sich gelassen, doch nur 9 Prozent betreiben autonome, mehrstufige Arbeitsabläufe ohne manuelle Kontrollschritte.
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Bei den Vorreitern liegt dieser Wert bei 36 Prozent, im restlichen Feld bei 2 Prozent. Zudem verfügen 59 Prozent der befragten Firmen über keinerlei langfristige Personalpläne für den Technologiebereich, und 42 Prozent der Angestellten geben an, zu wenig fachliche Weiterbildung zu erhalten.
Eine klare technologische Vision formulieren 57 Prozent der Vorreiter, aber nur 21 Prozent der Nachzügler; an vereinheitlichten Datenbeständen arbeiten 64 Prozent der Spitzengruppe gegenüber 14 Prozent der übrigen Betriebe.
Neugestaltung von Prozessen statt isolierter Pilotprojekte
Auf derselben Veranstaltung unterstrich auch ServiceNow-Präsident Paul Fipps die Notwendigkeit tiefgreifender organisatorischer Veränderungen. Unternehmen müssten ihre Geschäftsprozesse von Grund auf neu ausrichten, anstatt Algorithmen lediglich in überkommene Strukturen einzubetten. Nur so ließen sich Produktivitätsgewinne in nachhaltige Geschäftsergebnisse überführen.
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Als Beispiel nannte Fipps das Institut Standard Chartered, das bei internen Mitarbeiteranfragen mittlerweile eine Automatisierungsquote von 77 Prozent erziele. Werte zwischen 25 und 30 Prozent bezeichnete Fipps bereits als bahnbrechend, Marken zwischen 75 und 80 Prozent gar als transformativ.
Die Futuristin Amy Webb warnte auf dem Gipfel parallel davor, erhebliche Summen unüberlegt in Erprobungsprojekte zu leiten. Ohne eine fundierte Strategie blieben zahlreiche Initiativen in großen Konzernen letztlich ungenutzt.
Dass der Wandel zunehmend von versierten Anwendern getrieben wird, zeigt auch der Microsoft Work Trend Index 2026: Rund 16 Prozent der Anwender gelten als besonders qualifizierte Nutzer, die eigenständig Softwareagenten integrieren, Arbeitsabläufe transformieren und Kollegen weiterbilden.
Angesichts von Schätzungen des Marktforschers IDC, wonach die weltweite Zahl aktiver Unternehmensagenten von 28,6 Millionen im Jahr 2025 auf 2,2 Milliarden im Jahr 2030 steigen könnte, dürfte der strategische Fokus auf unternehmensinterne Schulungen weiter an Dringlichkeit gewinnen.

