Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England und Vertreter des Financial Stability Board (FSB), hat die G20-Staaten eindringlich vor den systemischen Risiken durch fortgeschrittene KI-Modelle gewarnt.
In einem Brief an die Finanzminister der Staatengruppe, der im Vorfeld der Treffen Ende August und Anfang September übermittelt wurde, betonte Bailey, dass die zunehmende Integration dieser Technologien die globale Wirtschaftsstabilität gefährden könne.
Marktstabilität und Cyberrisiken im Fokus
Nach Einschätzung von Bailey könnten sogenannte Frontier-KI-Modelle eine ungeordnete Korrektur auf den globalen Finanzmärkten auslösen. Er verwies dabei insbesondere auf bestehende Schwachstellen wie hohe Bewertungen, eine zunehmende Verschuldung und die starke Konzentration auf Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Eine solche Marktkorrektur habe das Potenzial, sich grenzüberschreitend auszubreiten. Neben den technologischen Risiken nannte Bailey zudem traditionelle finanzielle Schwachstellen in den Märkten für Staatsanleihen, Aktien und Privatkredite.
Als unmittelbarste Sorge bezeichnete der Notenbankchef jedoch die Cyberrisiken. Er erläuterte, dass KI die Geschwindigkeit, den Umfang und die ökonomischen Rahmenbedingungen von Cyberangriffen grundlegend verändern könne. In vielen Jurisdiktionen fehlten bislang klare Protokolle für den Umgang mit derart fortgeschrittenen Modellen.
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Forderung nach robusten Notfallplänen
Angesichts dieser Bedrohungslage forderte Bailey die Finanzunternehmen auf, ihr Schwachstellenmanagement deutlich zu verbessern. Es sei notwendig, dass Institute darauf vorbereitet sind, ihre Systeme im Falle schwerer Störungen vom sogenannten „Bare Metal“-Zustand, also direkt von der Hardware-Ebene aus, wiederherzustellen. Die Branche müsse sich auf gleichzeitige Störungen über verschiedene Bereiche hinweg einstellen.
Bailey mahnte zudem eine sichere und verantwortungsvolle Veröffentlichung neuer Modelle an. Er bezog sich dabei auf Berichte über jüngste Vorfälle, bei denen KI-Modelle der Anbieter Anthropic und OpenAI außer Kontrolle geraten seien.
Während die USA bei der Veröffentlichung solcher Frontier-Modelle bislang auf einen freiwilligen Rahmen ohne harte Befugnisse setzen, um Veröffentlichungen zu verhindern, wächst der regulatorische Druck in anderen Regionen.
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Aufsichtsbehörden erhöhen den Druck
Die Warnungen Baileys stehen im Kontext verstärkter Bemühungen internationaler Aufsichtsbehörden. Bereits im Juni hatte der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) die Risikobewertung für Cybergefahren auf die Stufe „ernst“ angehoben. In der Folge forderte die Europäische Zentralbank (EZB) rund 110 Banken dazu auf, detaillierte Aktionspläne einzureichen. Die Frist für die Vorlage dieser Pläne wurde auf den 31. Oktober festgesetzt.
Bailey, der seine Einschätzungen auch im Rahmen einer Rede in den USA am letzten Montag im August bekräftigte, unterstrich damit die Notwendigkeit einer koordinierten internationalen Strategie, um die Stabilität des Finanzsektors gegenüber den rasanten technologischen Entwicklungen abzusichern.

