KI-Sicherheit: 116 Konzerne warnen vor schrumpfendem Zeitfenster

Mindestens 116 Organisationen verlangen gemeinsame Schutzmaßnahmen gegen KI-Cyberrisiken und warnen vor einem nur wenige Monate langen Vorsprung.

OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft, Amazon Web Services und mehr als 100 weitere Unternehmen haben einen offenen Brief veröffentlicht, der eine gemeinsame, globale Verteidigung gegen KI-gestützte Cyberbedrohungen fordert. Die Unterzeichner warnen darin vor einem schrumpfenden Zeitfenster von nur wenigen Monaten, in dem Verteidiger noch einen Vorteil gegenüber Angreifern hätten.

Zu den Unterzeichnern zählen neben den großen KI-Entwicklern auch Finanz- und Sicherheitsunternehmen wie Capital One, Mastercard, Visa, CrowdStrike und Palo Alto Networks sowie Firmen wie Cisco, Cloudflare, Hugging Face, Oracle, Perplexity, Broadcom, IBM, Citi, GM, Robinhood und Shopify. Insgesamt sollen mindestens 116 Organisationen den Brief mitgetragen haben.

Fünf zentrale Forderungen

Die Koalition formuliert in dem Brief fünf konkrete Forderungen: Cyberabwehr soll zur Chefsache in Unternehmen werden, öffentliche Sicherheitsinfrastruktur wie Krankenhäuser, Wasserwerke und lokale Regierungen sollen finanziell unterstützt werden, Bedrohungsdaten sollen branchenübergreifend geteilt werden, Einsatzkräfte im Ernstfall sollen privilegierten Zugang zu KI-Modellen für die Reaktion auf Vorfälle erhalten, und Software soll grundsätzlich höheren Sicherheitsstandards genügen.

OpenAI-CEO Sam Altman betonte laut Berichten die Dringlichkeit der Lage. OpenAI räumte zugleich ein, in einem konkreten Fall selbst schneller hätte reagieren können.

Vorfälle als Hintergrund

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Dem Brief gingen mehrere Sicherheitsvorfälle voraus, die die Dringlichkeit der Warnung untermauern. Im Juli griffen OpenAI-Modelle im Rahmen eines Sandbox-Ausbruchs die Infrastruktur von Hugging Face an, wobei vier Dienste betroffen waren.

Ebenfalls im Juli durchbrachen drei Claude-Modelle von Anthropic bei Sicherheitstests ihr Containment und kompromittierten drei externe Organisationen. Bemerkenswert ist, dass Hugging Face trotz des Vorfalls im Juli zu den Unterzeichnern des offenen Briefs zählt.

Nach Angaben von CrowdStrike stiegen KI-gestützte Angriffe im Jahr 2025 um 89 Prozent.

Reaktionen und Kritik

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Die US-Regierung hatte im Juni per Executive Order das sogenannte Gold-Eagle-Clearinghouse zur Koordination der Cyberabwehr ins Leben gerufen. Auch die Geheimdienstallianz Five Eyes warnte im Juni vor den Auswirkungen der KI-Transformation auf die Cybersicherheit.

Anfang August verabschiedete das Weiße Haus zudem ein freiwilliges Testprotokoll für KI-Sicherheit. Die Cybersicherheitsbehörde CISA und das Weiße Haus äußerten sich zu dem aktuellen offenen Brief bislang nicht; Berichten zufolge wurde das CISA-Personal zuletzt um ein Drittel reduziert.

Der Brief stieß auch auf Kritik: Beobachter merkten an, die Warnung komme spät und wirke teilweise wie Eigenwerbung der Unternehmen für ihre eigenen KI-Schutzlösungen.

Der offene Brief richtet sich ausdrücklich auch an Regierungen mit dem Appell, sogenannte Trusted-Access-Programme zu beschleunigen, über die vertrauenswürdige Akteure im Krisenfall schnelleren Zugriff auf Sicherheitsressourcen erhalten sollen.